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Lauenburg Naturschutz blockiert Stör-Projekt
Lokales Lauenburg Naturschutz blockiert Stör-Projekt
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12:31 14.04.2016
Der letzte Europäische Stör wurde 1968 in der Eider gefangen. Quelle: wwf

Er gilt als lebendes Fossil und soll wieder in der Elbe heimisch werden: der Stör. Doch ausgerechnet Bedenken der Naturschutzbehörde könnten jetzt den Bau einer Aufzuchtstation an der Fischtreppe in Geesthacht verhindern. Für die etwa fünf Millionen Euro teure Anlage hat die Stadt Geesthacht vorsorglich einen Alternativ-Standort vorgeschlagen.

Für den Bau müsste auf 3000 Quadratmetern nicht nur ein Wald gerodet werden. Eine angrenzende Fläche ist seit langer Zeit ein Naturschutzgebiet. Die Ansiedlung einer Aufzuchtanlage könnte eine Störung des Naturraums auch im Hinblick auf das angrenzende FFH-Gebiet darstellen, heißt es vom Kreis.

Nördlich angrenzend würden sich mittlerweile auch Ausgleichsflächen auf einem ehemaligen Spargelacker für den Eingriff in die Natur bei anderen Bauprojekten befinden. Die Befürchtung der Naturschützer: Sollte die Aufzuchtstation wie vorgesehen auf großes öffentliches Interesse stoßen, könnten die Menschenmassen auch die Natur mit der vorhandenen Tierwelt, unter anderem Biber, stören. Schon jetzt gebe es immer wieder Probleme mit Badegästen oder Menschen, die auf der Elbinsel grillen würden.

In Geesthacht selbst sieht man den Konflikt weniger kritisch. So würde die Wiederansiedlungsmaßnahme des Störs quasi in sich die durch die Besucher entstehenden Belastungen der Natur wieder ausgleichen. Daher sei die von der Unteren Naturschutzbehörde befürchtete Störung „nicht als maßgeblich“ anzusehen. Das FFH-Gebiet wird von der B 404 zu der ausgewählten Fläche zusätzlich abgeschirmt. Auch könnte die der Nutzung der Fläche im Flächennutzungsplan entgegenstehende Nutzung geändert werden.

Dennoch wollen die Geesthachter Politiker auf Nummer sicher gehen, um das Prestige-Projekt nicht an einen anderen Ort zu verlieren. Einstimmig haben die Mitglieder des Planungs- und Umweltausschusses am Dienstagabend beschlossen, nicht nur eine Aufzuchtstation direkt an der Fischtreppe zu unterstützen, sondern alternativ auch an der Geesthachter Kläranlage an der Schleusenbrücke.

Neben der Aufzuchtstation soll auch eine Forschungseinrichtung entstehen. Das für das Ansiedlungsprojekt zuständige Leibniz-Institut für Gewässerökologie will noch im Herbst in diesem Jahr eine Geberkonferenz sowohl für die geschätzten Investitionskosten von fünf Millionen Euro als auch die laufenden Kosten von geschätzten 300000 Euro pro Jahr einberufen. Baubeginn wäre 2018, eine Inbetriebnahme der Station ist für den Sommer 2019 vorgesehen.

Den Stör gibt es seit 250 Millionen Jahren

Der Stör gilt als ein lebendes Fossil. Schon vor 250 Millionen Jahren lebte er in Flüssen und Meeren. Er wird bis zu 160 Jahre alt, kann 5,40 Meter lang werden und 850 Kilogramm wiegen.

Bei der Wiederansiedlung kommt der Elbe eine historische Bedeutung zu. 100000 Tiere sollen pro Jahr in der Elbe ausgesetzt werden.

Von Holger Marohn

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