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Lauenburg Neue Erkenntnisse über das frühere Leben am Elbgeesthang
Lokales Lauenburg Neue Erkenntnisse über das frühere Leben am Elbgeesthang
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20:38 21.08.2017
Matthias Köster arbeitet ganz vorsichtig an einer Urne, um die Bestattung fachgerecht freizulegen. Quelle: Foto: Timo Jann

Mit etwas Glück können sich die Geesthachter auf manche Überraschung freuen – allerdings sind dazu noch weitere Untersuchungen erforderlich, kündigte Grabungsleiter Kühlborn an. „Das ist hier ein sehr interessanter Bereich“, erklärt Kühlborn. So wurde unweit der Gutenbergstraße verziegelte rötliche Erde entdeckt. Der Grabungsleiter geht davon aus, dass dort große Hitze geherrscht haben muss.

Erst graben, dann bauen

Die Ratsversammlung der Stadt hatte über die Grabungskosten beraten. Man hatte dabei abgewogen, dass man die Fläche von der Erschließung hätte ausklammern können, dann aber weniger Bauland hätte vermarkten können und weniger Steuereinnahmen in Aussicht gewesen wären.

Deshalb wird jetzt in Vorleistung getreten, das Urnenfeld gesichert und hinterher gebaut.

„Vielleicht haben wir hier den Platz, an dem die Scheiterhaufen für die Verbrennung der Toten standen“, sagt Kühlborn. Oberflächlich ist die Erde bereits freigelegt, in die Tiefe geht es an der Stelle aber erst noch.

Mit Hilfe eines Baggers wurden die ersten 3000 Quadratmeter Erdoberfläche schon vorsichtig abgetragen. Kühlborn: „Wir haben teilweise bereits in der Humusschicht Urnen entdeckt, andere stecken tiefer. Wir müssen uns dort jetzt durcharbeiten.“ Jeder Fund wird eingemessen und dann freigelegt, die einzelnen Phasen genau dokumentiert. Hinterher kommt alles gesichert ins Landesarchiv.

Bisher haben die Archäologen 80 Befunde markiert, darunter 50 Brandbestattungen. Kühlborn geht davon aus, dass man auf dem Urnenfeld etwa 400 Bestattungen finden wird und das sich dessen Bereich über den Parkplatz des Heidbergrings hinaus bis zum Waldrand fortsetzen wird. Dort wird allerdings nicht untersucht. Denn die Grabung ist nötig, weil die Stadt zusammen mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises (WFL) die Ackerfläche entlang der Gutenbergstraße in Bauland für ein Gewerbegebiet umwandeln will. 2018 soll die Erschließung beginnen. Am liebsten würden die Archäologen die Sachen in der Erde belassen, aber wegen der geplanten Bebauung müssen sie geborgen werden. Stadt und WFL müssen dafür etwa 160000 Euro aufwenden. „Die Menschen haben sich bei den Bestattungen früher große Mühe gegeben“, berichtet Kühlborn. Steinumrandungen zeugen davon auf dem Urnenfeld ebenso wie etwa der polierte Ton einer bereits geborgenen Urne.

Durch die neuzeitliche Bewirtschaftung und den Erddruck über etwa 3000 Jahre sind die meisten Funde zerstört. Dennoch hoffen die Experten, neue Erkenntnisse über das Leben auf dem Geesthang erlangen zu können.

 Timo Jann

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