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Neue Info-Stele „Brücken bauen“

Kittlitz/Kneese Neue Info-Stele „Brücken bauen“

Jährlich strömen Hunderte Besucher am Tag der Deutschen Einheit zum Brückenfest nach Rosenhagen. In diesem Ortsteil von Kittlitz wird in unmittelbarer Nähe der kleinen Brücke gemeinsam an die frühere Grenze erinnert – und in diesem Jahr eine neue Info-Stele eingeweiht.

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Seit 1999 ist er Bürgermeister in Kneese: Hans-Jürgen Hoffmann zeigt auf sein Geburtshaus in Dutzow.

Kittlitz/Kneese. Die Brücke verbindet Rosenhagen im Kreis Herzogtum Lauenburg mit Dutzow, heute Ortsteil der Gemeinde Kneese in Nordwestmecklenburg. Beherzte Mitglieder der Feuerwehren hatten noch vor der Vereinigung eine Behelfsbrücke gebaut, ohne behördliche Genehmigungen, ohne rechtliche Grundlagen, und so Fakten einer Verbindung wieder geschaffen, die es vor dem Bau der Grenze jahrhundertelang gab. Familien, Freunde und Bekannte fanden wieder zueinander, neue Freundschaften entstanden.

LN-Bild

Jährlich strömen Hunderte Besucher am Tag der Deutschen Einheit zum Brückenfest nach Rosenhagen. In diesem Ortsteil von Kittlitz wird in unmittelbarer Nähe der kleinen Brücke gemeinsam an die frühere Grenze erinnert – und in diesem Jahr eine neue Info-Stele eingeweiht.

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27 Jahre nach der Vereinigung kommen nicht nur die Menschen und Nachbarn aus der Region zum Brückenfest. So mancher hat sich im vereinten Deutschland beruflich neu orientieren müssen und ist weggezogen. Die Kfz-Kennzeichen aus Lübeck, Schwerin und Hamburg signalisieren das beim Brückenfest in Rosenhagen: Der Feiertag ist jedes Jahr ein Anlass, an die ehemalige Grenze zurückzukehren. Seit fast 25 Jahren ist aus der Behelfsbrücke von damals eine Brücke in massiver Bauweise geworden. Von den ehemaligen Grenzbefestigungen ist nichts mehr zu erkennen. Dafür setzt nun der Ratzeburger Heimatbund und Geschichtsverein ein sichtbares Zeichen: Eine Info-Stele erinnert hier künftig an die deutsch-deutsche Geschichte, sie wird am 3. Oktober der Öffentlichkeit übergeben. Historiker Hartwig Fischer vom Heimatbund war bereits am Freitag dabei, als die Feuerwehr die Info-Stele aufstellte.

Aber was bedeutet die ehemalige Grenze, die heute Kreis- und Landesgrenze ist, für die Menschen vor Ort? Hans-Jürgen Hoffmann ist seit 1999 Bürgermeister in Kneese. Er saß im ersten Fahrzeug, das am 12. November 1989 die geöffnete Grenze in Mustin passierte. Hoffmann hat, wie seine Amtskollegin Barbara Eggert aus Kittlitz, mit den Menschen in der Gemeinde an Gestaltung und Inhalt der Stele mitgewirkt. Hans-Jürgen Hoffmann wurde 1962 in Dutzow geboren. Im Dorfgemeinschaftshaus bietet der Bürgermeister jede Woche eine Sprechstunde an. Hier hängt auch das Luftbild, das sein Geburtshaus und das geschliffene Dutzow mit den Grenzbefestigungen zeigt. „Damals lebten im Sperrgebiet überwiegend ältere Menschen. Die wollten da nur Leute haben, die nicht maulen“, erinnert sich Hans-Jürgen Hoffmann.

Für den Bürgermeister ist die innerdeutsche Grenze längst Geschichte, er fährt täglich nach Schleswig-Holstein zur Arbeit. „Hier ist das heute alles Normalität, aber wenn ich weiter Richtung Osten unterwegs bin, spüre ich noch Befindlichkeiten“, berichtet Hoffmann. Er hat den Eindruck, dass einige ältere Entscheidungsträger „sich vom Westen nichts sagen lassen wollen“. Hoffmann: „Wir müssen doch hier nicht alles neu erfinden, was es zum Beispiel in Schleswig-Holstein schon gut gibt. Aber das hören einige nicht so gern, da wächst nicht wirklich etwas zusammen.“ Hans-Jürgen Hoffmann kann sich künftig ein „Nordland“ gut vorstellen. „Vieles ließe sich zusammenlegen und man könnte ordentlich Geld einsparen“, meint der Bürgermeister.

„Für uns kam die Vereinigung vom Alter her noch rechtzeitig", lächelt Annegret Steuteknuel. 1959 in Dutzow geboren, erinnert sie sich noch an den Bau der Grenze. „Wir haben da immer gespielt und plötzlich war Schluss.“ Sie erinnert sich an Lautsprecherwagen, die Musik und Propaganda verbreiteten, und an Busse auf der Westseite, die Neugierige an die Grenze brachten. „Wir waren jung genug, um uns noch beruflich zu verwirklichen“, berichtet Annegret Steuteknuel, für die es heute keine Grenze mehr gibt. Für sie ist es Normalität, täglich im Schaalsee zu baden und in Ratzeburg zu arbeiten.

Dort arbeitet auch ihre Schwester, Susanne Illmann. Sie wurde 1964 in Dutzow geboren und kehrte nach der Ausbildung in Schwerin wieder in ihren Geburtsort zurück. Tagsüber im Büro in Ratzeburg, Freizeit in Kneese und Umgebung. Susanne Illmann reist nicht viel in die Ferne: „Es ist so schön hier. Wir leben in einer Region, in der andere Urlaub machen!“ Das Brückenfest ist ihr wichtig: „Ich bin jedes Jahr dabei!“

Wolfgang Farken aus Kittlitz war damals Wehrführer und hat den Bau der Behelfsbrücke 1990 organisatorisch geleitet. „Das war spannend“, erinnert sich Farken. „Als wir das erste Mal im Dezember 1989 mit dem Feuerwehrfahrzeug rüber wollten, sollten wir das Blaulicht und das Funkgerät ausbauen!“ Heute lacht er darüber, sagt aber zur gegenwärtigen Normalität: „Einige Ältere sind manchmal zurückhaltend, beim Zusammenwachsen fehlt noch etwas. Es gibt noch vereinzelt ewig Gestrige, die sich als Verlierer der deutschen Einheit sehen, obwohl sie es nicht sind. Aber das wird weniger.“

Feier mit Musik

Das 28. Brückenfest mit Enthüllung der Informations-Stele in Rosenhagen am 3. Oktober beginnt um 10 Uhr an der Brücke über den „Grenzbach“, der Schaalsee und Goldensee verbindet. Kreispräsident Meinhard Füllner (Kreis Herzogtum Lauenburg) wird zu den Ehrengästen gehören, die ein Grußwort zur Enthüllung der Stele entrichten. Mit dabei ist – wie in allen anderen Jahren zuvor – der Feuerwehrmusikzug aus Tramm. Für Getränke, Bratwurst und Erbsensuppe sorgen die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren Kneese und Kittlitz. thobi

Die Info-Stele

Der Inhalt der Info-Stele „Brücken verbinden“ wurde gemeinsam mit Menschen aus Kittlitz und Kneese gestaltet. Die Stele dokumentiert den Bau der Brücke und zeigt Bilder des Brückenfestes aus mehreren Jahren. Auf der anderen Seite, die auch mit einem QR-Code versehen ist, wird auf die Grenzveränderung durch das Barber-Lyaschenko-Abkommen 1945 hingewiesen. Zusätzlich werden die Grenzanlagen vor Ort und ein Schema der DDR- Grenzsperranlagen gezeigt. thobi

 Thomas Biller

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