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Lauenburg Neue Lebensräume für Haselmäuse und Insekten
Lokales Lauenburg Neue Lebensräume für Haselmäuse und Insekten
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23:06 13.02.2018
Auch die Haselmaus - hier beim Winterschlaf  - soll von dem Projekt profitieren.
Groß Schenkenberg

Ziel der Maßnahme ist es, für bedrohte Arten, unter ihnen die Haselmaus, neue Lebensräume zu entwickeln und auch einen Beitrag gegen das Insektensterben zu leisten. Eigentümerin der Fläche zwischen Bokenredder und Bliestorfer Weg ist die Stiftung Grönauer Heide (Beistück), die treuhänderisch von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein verwaltet wird.

Gestern früh lag das Gelände noch unter einer watteweichen Schneedecke. Doch schon am Mittag sollte der Bagger anrollen, um tätig zu werden und auf einer 1,8 Hektar großen Flächen in Groß Schenkenberg ein artenreiches, blütenbuntes Grünland mit Knicks anzulegen.

Diese wiederum hat die Aufgabe an ihr Tochterunternehmen Ausgleichsagentur übergeben, das Gelände herzurichten und aus dem ehemals intensiv bewirtschafteten Grünland nun ein – was Flora und Fauna betrifft – artenreiches Refugium zu schaffen.

„Wir verschließen dazu die Seitengräben, damit ein naturnaher Wasserhaushalt wieder hergestellt wird“, erklärt Maßnahmenmanager Gerrit Werhahn von der Ausgleichsagentur. „Statt monotonem Einheitsgrün soll die Weide im nächsten Sommer mit aller Pracht blühen“, ergänzt sein Kollege Philipp Meinecke. Und „damit Wiesen-Margeriten, Berg-Sandglöckchen und andere Schönheiten ihre Hälse wieder in die Sonne recken, kommt spezielles Regio-Saatgut zum Einsatz“. Die Einsaat erfolgt im Frühjahr.

Der Bagger wird sich vor allem den genannten Gräben widmen sowie einen weiteren Knick von etwa 70 Metern Länge an der Nordgrenze des Geländes anlegen. Der soll dann später Lebensraum für heimische und bedrohte Tierarten wie etwa die Haselmaus (Muscardinus avellanarius) werden. Das Tier des Jahres 2017 wiegt 15 bis 40 Gramm und wird knapp 15 Zentimeter lang – inklusive des rund sechs Zentimeter langen Schwanzes.

Die Baggermaßnahme wird übrigens nur wenige Tage andauern, beruhigt Werhahn die Anwohner. Nach Abschluss der Bodenarbeiten wird das Gelände eingezäunt und soll künftig nur extensiv als Weideland dienen. Dazu wird etwa ein halbes Dutzend Aubrac-Rinder, eine robuste französische Rasse, auf diese Fläche gebracht und sich dort quasi selbst überlassen.

Die Refinanzierung der Fläche, die von der Stiftung Grönauer Heide für 48000 Euro gekauft wurde, erfolgt über den Weiterverkauf von „Ökopunkten“. Die Fläche, auch „Ökokonto“ genannt, entspricht einem Wert von 23000 Ökopunkten. Vorhabenträger (= Bauherren) können bei geforderten Ausgleichsmaßnahmen entsprechende Ökopunkte bei der Stiftung Naturschutz kaufen (siehe Beistück).

Schutz und Entwicklung des Lübecker Naturerbes

Die Stiftung Grönauer Heide wurde 2008 von den schleswig-holsteinischen Naturschutzverbänden, BUND, Nabu und Landesnaturschutzverband im Zuge des Mediationsverfahrens zum Ausbau des Flughafens Lübeck-Blankensee gegründet. Die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein wurde als Treuhänderin eingesetzt. Ziel und Zweck der Stiftung ist es, aktiv zum Schutz und zur Entwicklung des Lübecker Naturerbes beizutragen (www.groenauer-heide.de).

Die Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein – 100-prozentiges Tochterunternehmen der Stiftung Naturschutz – sieht sich als Dienstleisterin an der Schnittstelle zwischen Vorhabenträgern und Behörden, die Naturschutzauflagen festlegen, wenn Bauherren Eingriffe in den Naturhaushalt vornehmen. Mit Hilfe der Ökokonten der Stiftung Naturschutz können sie dieser Verpflichtung nachkommen und ein neues Stück intakte Natur schaffen. Von den gesetzlich verpflichtenden Ausgleichsmaßnahmen profitieren nicht nur die Natur, sondern auch die Bauherren. Damit wird gleichzeitig der Flächenbedarf minimiert, da der Ausgleich auf dem Flächenbestand der Stiftung Naturschutz stattfindet und keine weiteren Flächen in Anspruch nimmt (www.ausgleichsagentur.de).

 Joachim Strunk

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