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Lauenburg Immer mehr Flüchtlinge finden Arbeit
Lokales Lauenburg Immer mehr Flüchtlinge finden Arbeit
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14:14 06.10.2018
Der DRK-Joblotse Uwe Wahls (links), Geschäftsführerin der DRK-Betreuungsdienste Anke Laumanns-Monreal und Auszubildender im zweiten Lehrjahr Hamed Kimya sitzen im Büro des Joblotsen. Der Joblotse hat seit 2016 bereits über 100 Flüchtlinge erfolgreich an Betriebe und Unternehmen im Kreis vermittelt. Quelle: Lennard Schröder
Hamburg/Schwarzenbek

454 Flüchtlinge arbeiten im Kreis Herzogtum Lauenburg, das geht aus neuesten Zahlen der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, kurz NGG, hervor. Hinzu kamen Ende des vergangenen Jahres 59 Geflüchtete mit einem Ausbildungsvertrag. Diese gelungene Integration braucht viel Arbeit und Bereitschaft, sowohl von den Flüchtlingen und Hilfsstellen, als auch von den Unternehmen und Betrieben selbst.

Burkhard Peters, Landtagsmitglied in der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen und Sprecher seiner Fraktion für Innen- und Rechtspolitik, freut sich über die neuen Zahlen: „Die Arbeitgeber im Herzogtum Lauenburg und ihre Beschäftigten leisten einen wesentlichen Beitrag zur erfolgreichen Integration“, sagt der Landtagsabgeordnete über die neuen Zahlen. In ganz Schleswig-Holstein sind laut Peters rund 2000 Stellen durch Flüchtlinge besetzt – im Vergleich mit den anderen Bundesländern ein überdurchschnittlich guter Wert.

Viele Hürden auf dem Weg zur Arbeit

Diese Zahlen sind auch der Verdienst von Menschen, die Flüchtlinge bei der Jobsuche unterstützen. Der DRK-Joblotse in Schwarzenbek, Uwe Wahls, hilft Flüchtlingen mit Behördengängen, Anträgen, Sprachkursen und Ausbildungs- und Arbeitssuche. Seit 2016 besteht das von der ARD Fernsehlotterie geförderte Projekt. In dieser Zeit hat der 60-Jährige über 100 Flüchtlingen zu Arbeit, Ausbildung oder Praktikum verholfen.

„Ich möchte die Flüchtlinge in ihren Stärken bekräftigen. Ich helfe ihnen über die vielen kleinen und großen Hürden auf dem Weg zur Arbeitsstelle“, sagt Wahls über seine Arbeit. Er will den Flüchtlingen eine langfristige Perspektive geben und sie nicht als „einfache Arbeitskräfte“ weitergeben.

„Viele Geflüchtete sind nicht so gut ausgebildet. Wenn sie sofort anfangen zu arbeiten, haben sie fast keine Chance, sich beruflich zu entwickeln“, berichtet Uwe Wahls aus seinen Erfahrungen.

Vom Flüchtling zum Azubi

Hamed Kimya (28) wohnt in Wentorf und macht beim DRK-Betreuungsdienst eine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement. Quelle: Lennard Schröder

Einer von Wahls Schützlingen ist Hamed Kimya. Seit Oktober 2010 lebt er mit seiner Frau und ihren beiden kleinen Töchtern in Deutschland. Der aus Afghanistan Geflüchtete musste fünf Jahre auf die Anerkennung seines Asylantrags warten. Seit Anfang 2016 arbeitete Kimya als Sprach- und Kulturmittler bei der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Wentorf. Danach kam er zum DRK Betreuungsdienst, bei dem er zunächst ehrenamtlich dem Joblotsen Uwe Wahls assistierte.

Er bemühte sich dann für bessere berufliche Chancen um eine Ausbildung – und fand sie beim Joblotsen. „Herr Wahls hat mir viel geholfen, zum Beispiel alle Briefe von Behörden und Ämtern zu sortieren und zu beantworten“, sagt der in Wentorf wohnende Auszubildende.

In seiner Heimat Afghanistan sei vieles anders gewesen, man habe fast nie von Behörden Post bekommen. Daran habe sich Hamed Kimya erst gewöhnen müssen. Zurück nach Afghanistan möchte er allerdings erst mal nicht.

Ein Architekt baut an seiner Zukunft in Deutschland

Amer Baroud (29) aus Schwarzenbek ist seit drei Jahren in Deutschland und arbeitet als Architekt beim BSK BAU + STADTPLANER KONTOR in Mölln. Quelle: hfr

Ein weiteres Beispiel für gelungene Integration durch Arbeit ist Amer Baroud. 2015 kam der Architekt aus Syrien nach Deutschland. „Es war schwierig, meine Ausbildung anerkennen zu lassen. Da ich schon Berufserfahrung habe, hat es geklappt“, berichtet der 29-Jährige. Jetzt arbeitet er beim BSK Bau + Stadtplaner Kontor in Mölln, hauptsächlich im Bereich Hochbau.

„Ich bin sehr dankbar, dass mein Arbeitgeber mir eine Chance gegeben hat. Die Kollegen sind super und die Arbeit macht mir viel Spaß“, erzählt Baroud. In seine Heimat Syrien möchte er nicht zurück. Zu viel habe er sich hier schon aufgebaut, auch denkt er an seine beruflichen Perspektiven. Sein größter Wunsch ist es, noch besseres Deutsch zu lernen. Dazu besucht er den C1-Sprachkursus an der Technischen Hochschule in Lübeck.

Für DRK-Joblotse Wahls ist gerade das Beherrschen der Deutschen Sprache für das Gelingen von Integration entscheidend. „Viele wollen sofort anfangen zu arbeiten, ohne die Sprache richtig zu sprechen“, sagt Joblotse Wahls.

Im September 2019 läuft die Förderung der ARD Fernsehlotterie für den Joblotsen aus. Doch auch danach will Wahls weitermachen. Er hofft, noch viele weitere Flüchtlinge auf ihrem Weg zu einem Arbeitsplatz zu unterstützen.

Lennard Schröder

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