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Neuer Tourismusbeirat soll Ratzeburg in der HLMS halten

Ratzeburg/Wentorf Hbg Neuer Tourismusbeirat soll Ratzeburg in der HLMS halten

Kreis stößt Tür für einen Verbleib der Inselstadt im Tourismusverbund weit auf — Zeit für Revidierung der Entscheidung wird knapp — Planungen für die neue Saison laufen an.

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Ratzeburg/Wentorf Hbg. Die Kreispolitik würde die Stadt Ratzeburg gerne in der gemeinsamen Tourismusvermarktung halten. Mit der Reaktivierung des Tourismusbeirates soll ein entscheidender Schritt auf die Inselstädter zu gemacht werden. „Mehr Information war eine der Forderungen der Stadt Ratzburg. Dieser würden wir mit der Aktivierung des Beirates nachkommen“, sagte Ausschuss-Vorsitzender Norbert Brackmann (CDU) im Hauptausschuss des Kreises. Eine entsprechende Aufforderung sendete der Hauptausschuss einstimmig an die Vertreter des HLMS-Aufsichtsrates. Was eine Mitgliedschaft in der HLMS wert sein kann, zeigt der aktuelle Jahresbericht der kreisweiten Tourismusgesellschaft.

„Alleine würden die einzelnen Partner von

Gästen nicht wahrgenommen werden.“ Günter Schmidt,

HLMS-Chef

„Es geht um ein Signal an die Stadt Ratzeburg und darum, psychologisch die Tür zu öffnen“, sagte Brackmann. Nun liege der Ball bei er Stadt. Der aktivierte Tourismusbeirat soll mit je einem Vertreter der Gesellschafter besetzt werden und für neue Impulse für die Mehrheitsgesellschafter bei wiederkehrenden oder auch neuen Groß-Events sorgen, heißt es in dem Antrag. Der neue Beirat solle vor allem inhaltlich fachlich arbeiten. „Der vorhandene Beirat hat da wohl nicht den nötigen Aktivismus entfaltet“, bedauerte Brackmann.

FDP-Abgeordneter und auch Ratzeburger Stadtvertreter Thomas Kuehn verteidigte die Stadt Ratzeburg: „Die Stadt Ratzeburg hat in der Vergangenheit zu Recht mehr touristischen Sachverstand angemahnt.“

Zumindest auf dem Papier stehen die Chancen nicht schlecht, dass die Stadt Ratzeburg ihre Entscheidung zum Austritt mit Ablauf des Jahres revidieren könnte. Neben der CDU und der FDP, die das Kompromispapier entworfen haben, hatten sich in der Vergangenheit auch Ratzeburgs Grüne für einen Verbleib stark gemacht. Zusammen hätten sie in der Ratzeburger Stadtvertretung eine Mehrheit und Bürgermeister Rainer Voß müsste diesen politischen Willen mit seiner Verwaltung dann auch umsetzen. Dass sich die 38000 Euro teure Mitgliedschaft in der kreisweiten Tourismusvermarktung durchaus lohnt, belegte HLMS-Geschäftsführer Günter Schmidt in seinem zuvor vorgestellten Jahresbericht. So sorge der Tourismus nicht nur für einen kreisweiten Bruttojahresumsatz von mehr als 230 Millionen Euro, sondern habe die allein Stadt Ratzeburg durch die PR-Arbeit der HLMS von Presseberichten im Gegenwert von 110000 Euro profitiert.

Gleichzeitig betonte Schmidt die steigende Bedeutung einer Werbung und eines Marketings im Verbund. „Alleine würden die einzelnen Partner kaum wahrgenommen werden“, sagte Schmidt. Nur im Verbund sei es auch jüngst erst möglich gewesen, dass es der Kreis in der Mai-Ausgabe des Lonely Planet Traveller mit dem Ratzeburger See in eine gemeinsame Geschichte mit St. Petersburg, Miami und Barcelona geschafft habe.

Zukünftig werde es immer wichtiger, an den Bereichen Qualifizierung und Qualität zu arbeiten. Es gehe darum, Stammgäste zu halten. Ihre guten Eindrücke seien wichtige Werbung für die Region, so Schmidt. Ansonsten sei neben dem Online-Marketing die Presse der wichtigste Werbebereich.

Viel Zeit, ihren Austrittsentschluss aus der HLMS noch zu kippen, bleibt den Ratzeburgern nicht mehr. Bereits in einigen Wochen sollen die Prospekte und Gastgeberverzeichnisse für das kommende Jahr neu aufgelegt werden. Eine erste Konsequenz hat der angekündigte Ratzeburger Rückzug bereits: Beim neuen Online-Auftritt der HLMS mit gleich gestalteten Seiten der einzelnen Städte sind die Ratzeburger nicht dabei.

Kein Bedarf mehr: Land will Sprachschule loswerden

Das Land hat dem Kreis die Nutzung der ehemaligen Sprachheilschule in Wentorf bei Hamburg für Flüchtlingszwecke angeboten. Eine entsprechende Anfrage sei Ende vergangener Woche aus Kiel beim Kreis eingetroffen, sagte Landrat Dr. Christoph Mager (CDU) im Hauptausschuss des Kreises. Doch der Kreis habe angesichts zahlreicher leerstehender Unterkünfte dankend abgelehnt.

„Ich sehe wenig Sinn für uns darin, die Liegenschaft für Flüchtlinge zu nutzen“, so Mager (CDU). Das Land hatte in der leerstehenden und zum Verkauf vorgesehenen Sprachheilschule im September vergangenen Jahres eine Erstaufnahme-Einrichtung für Flüchtlinge eingerichtet. Aufgrund der rückläufigen Flüchtlingszahlen wurde sie im April geschlossen.

Laut Mager sind derzeit kreisweit etwa 1000 Plätze ungenutzt. Und angesichts der rückläufigen Zuweisungen durch das Land — im April kamen gerade einmal 157 Flüchtlinge im Kreis an — werde der Leerstand auch trotz der Abbestellungen von Containern durch einige Gemeinden eher noch zunehmen, so Mager. Auch die kreiseigene Gemeinschaftsunterkunft in Gudow mit Platz für bis zu 30 Flüchtlinge und gerade erst um Gemeinschaftsräume erweitert, steht leer. Daher habe die Verwaltung auch den Pläne für die Sanierung eines seit 20 Jahren leerstehenden ehemaligen Kasernenblocks in Lanken „auf Eis gelegt“. Zwar hat der Kreis für den Umbau als Gemeinschaftsunterkunft für 116 Flüchtlinge fertige Pläne in der Schublade liegen und eine — wenn auch nur mündliche — Zusage des Landes über die Übernahme von 70 Prozent der Kosten vorliegen. An eine Umsetzung will der Kreis jedoch erst gehen, wenn die Flüchtlingszahlen wieder ansteigen. Einen entsprechenden Beschluss soll der Kreistag in seiner nächsten Sitzung (Donnerstag, 16. Juni) fassen.

Nachdem im vergangenen Spätsommer die Flüchtlingszahlen stark angestiegen waren, hatte der Kreis die Pläne für den Umbau des Kasernenblocks des ehemaligen Sachsenwaldkaserne entwickelt. Zwischenzeitlich hatte auch das Land geplant, auf eine benachbarten Wiese eine Unterkunft für bis zu 3000 Flüchtlinge zu bauen. hm

Von Holger Marohn

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