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Lauenburg Neues Atommüll-Lager am Kraftwerk Krümmel
Lokales Lauenburg Neues Atommüll-Lager am Kraftwerk Krümmel
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21:12 18.11.2016
Das Kernkraftwerk Krümmel soll ein zusätzliches Zwischenlager auf dem Gelände erhalten. Quelle: Lutz Roeßler
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Geesthacht/Kiel

Auf dem Gelände steht neben dem Reaktor bereits seit zehn Jahren ein Zwischenlager für Castoren – vor allem mit abgebrannten Brennelementen. Das neue Zwischenlager wäre damit die dritte kerntechnische Anlage vor Ort und ein weitere Schritt zum Rückbau des Atommeilers.

Das Atomkraftwerk Krümmel an der Elbe bei Geesthacht soll abgerissen werden. Auf dem Gelände befindet sich auch ein Zwischenlager.

„Es ist gut, dass Vattenfall diesen Weg gehen will. Eine externe Lagerung wäre die schlechteste aller Lösungen gewesen“, sagte Habeck gestern in Kiel. Vattenfall hatte sich nach Angaben des Ministeriums mehrere Möglichkeiten offengehalten. Dazu gehörten die Mitnutzung des Zwischenlagers für Brennelemente, ein Anbau an dieses Gebäude oder eine mögliche Lagerung an anderen Standorten. „Das ist eine zentrale Frage. Gut, dass es da Klarheit gibt“, sagte Habeck. Wie das Zwischenlager aussehen soll, werde der Betreiber in seinem Antrag darlegen.

Vattenfall rechnet mit rund 10 000 Kubikmetern schwach- und mittelradioaktivem Abfall, der dann verpackt in Fässer in dem neuen Zwischenlager untergebracht werden soll. Der während des Betriebes angefallene Atommüll dieser Kategorie von Filterstäuben oder Arbeitskleidung bis hin zu Putzlappen sei bislang in dem Zwischenlager für die Brennelemente mit untergebracht worden.

Doch vor dem Hintergrund des möglichen Rückbaus des Kernkraftwerkes erwartet der Konzern nun wesentlich größere Mengen. Im Gegensatz zu dem hochradioaktiven Abfall habe der schwach- und mittelradioaktive Abfall ein großes Volumen bei vergleichsweise geringem Gewicht, heißt es von Vattenfall. Während hochradioaktive Abfälle aufgrund ihrer Restaktivität noch erhebliche Zerfallswärme erzeugen, müssen schwach- und mittelradioaktive Abfälle vor allem abgeschirmt, aber weniger gekühlt werden. Bundesweit prognostiziert das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) bis zum Jahr 2080 ein Volumen von etwa 304 000 Kubikmetern.

Als Endlager ist der Schacht Konrad bei Salzgitter vorgesehen.
Die Geesthachter Bundestagabgeordnete und Energiepolitikerin Nina Scheer (SPD) begrüßt die Vattenfall-Pläne zum neuen standortnahen Zwischenlager. „Ich hoffe, dass ein solcher Antrag jetzt auch schnell gestellt wird“, sagte Scheer. Der Rückbau des Kraftwerkes könne schließlich erst beginnen, wenn entsprechende Lagerkapazitäten existierten.

Im August vergangenen Jahres hatte Vattenfall den Antrag auf Rückbau für das Atomkraftwerk gestellt. Im Mai dieses Jahres konkretisierte das Unternehmen seine Rückbaupläne mit Vorlage des Sicherheitsberichts. Offen war damals aber noch, wo das Unternehmen die anfallenden schwach- bis mittelradioaktiven Abfällen lagern wollte. Der entsprechende Antrag an das Landesamt für Strahlenschutz werde demnächst gestellt, heißt es. Am Montag will sich Minister Habeck vor Ort über die Verladung der Brennelemente aus dem Abklingbecken in die Castoren informieren.

Von Holger Marohn

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