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Lauenburg Neues Gewerbe auf alten Brachen
Lokales Lauenburg Neues Gewerbe auf alten Brachen
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10:30 17.02.2016
Die denkmalgeschützten Hallen der insolventen Norddeutschen Teppichfabrik in Geesthacht stehen leer. Ihre Vermietung könnte bei einer Entwicklung eine wichtige Säule der Zwischenfinanzierung sein. Doch das dürfte die WfL derzeit nicht, wenn sie zum Zuge käme. Quelle: Timo Jann

Doch für diese so genannte Brownfield-Entwicklung muss aus steuerlichen Gründen möglicherweise eine eigene Gesellschaft gegründet werden. Und das kann dauern.

„Die Brownfield-Entwicklung wird künftig immer mehr für uns an Bedeutung gewinnen“, sagt WfL-Geschäftsführer Ulf Hahn. Dies sei aber ein langwierigerer Prozess als die Ausweisung neuer Flächen. „Wir würden gerne die Brachen anfassen und nicht nur entwickeln, sondern vorhandene Gebäude auch vermieten. Doch das dürfen wir noch nicht so richtig“, sagt Hahn.

Dabei sei gerade eine Vermietung vorhandener Gebäude wichtig, um die Zwischenfinanzierung während der weiteren Entwicklung zu stemmen. „Ohne solche Einnahmen hätten wir sonst ein Problem“, sagt Hahn.

Doch das dürfen die Wirtschaftsförderungsgesellschaften im Land bislang aber nur an Existenzgründer. Grund ist ein jahrzehntealter Erlass des Landes, der diese kommunalen Entwicklungsgesellschaften von der Körperschafts- und Gewerbesteuer befreit, gleichzeitig aber nur einen „eng gefassten Katalog von Leistungen“ erlaubt.

„Wir stehen uns da selbst ein wenig im Weg. Der Verkauf von Flächen oder die Vermietung leerstehender Gebäude sollten eigentlich Hand in Hand gehen“, sagt Hahn. Beides sei einfach oft nicht zu trennen. In der Vergangenheit habe diese gesetzliche Einschränkung letztlich auch dazu geführt, dass die WfL 2011 das ursprünglich als Gründerzentrum konzipierte Lauenburger Gewerbezentrum nach 22 Jahren verkaufte. Die einstigen Existenzgründer seien mit ihren Firmen den Kinderschuhen einfach entwachsen, so Hahn. Für neue Gründerzentren fehle es einerseits an der Zahl der Gründer, andererseits sei der Druck aus dem Bereich der Umsiedlung von Unternehmen einfach größer.

„Wir haben schon einmal überlegt, wie man da einen Weg herausfinden könnte“, sagt Hahn. Der Weg, die Steuerbefreiung aufheben zu lassen, wäre sehr schwierig, weil dann auch Gewinnrückstellungen in Millionenhöhe aus vergangenen Jahren steuerlich betroffen wären. „Und dann könnten wir die Türen zu machen“, sagt Hahn. Eine andere Möglichkeit wäre, über eine zweite Gesellschaft nachzudenken — oder zu warten, bis der Gesetzgeber die Voraussetzungen ändere. „Es ist für uns kein ganz aktuelles Thema, aber wir müssen da ran“, so der Wirtschaftsförderer. Aktuelle Beispiele, wo die WfL mit erweiterten Aufgaben stärker tätig werden könnte, seien die Immobilien der insolventen Geesthachter Teppichfabrik sowie einige weitere Projekte im Kreis.

Doch nicht überall seien die Eigentümer offen für eine Entwicklung ihrer brachliegenden Flächen. Manchmal seien das steuerliche Vorteile durch Abschreibungen, manchmal Uneinigkeit unter den Erben, oft aber auch falsche Vorstellungen von einem möglichen Verkaufserlös durch die Eigentümer. „Um so eine Fläche zu entwickeln muss sie ja nicht nur gekauft, sondern oft auch erschlossen werden“, so Hahn. Das müsse eben auch beim späteren Quadratmeterpreis des fertigen Gewerbegrundstückes einkalkuliert werden.

Wirtschaftsförderung im Herzogtum Lauenburg

Mit einer One-stop-Strategie will die Wirtschaftsförderung Herzogtum Lauenburg WfL Unternehmen und Existenzgründern ermöglichen, ihre Ziele im Kreis als Wirtschaftsstandort in der Metropolregion Hamburg schneller zu erreichen.

Die Erschließung und Entwicklung von Gewerbeflächen ist dabei ein Baustein der Leistungen der kreiseigenen Fördergesellschaft.

Die Gründung der WfL erfolgte vor mehr als 25 Jahren als zentrale Anlaufstelle und kompetenter Partner für Unternehmen im Kreis. Gesellschafter sind neben dem Kreis (51 Prozent) die Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg (36,6 Prozent) die Volks- und Raiffeisenbank Mölln (3,6 Prozent) sowie die Raiffeisenbanken Büchen-Hagenow und Lauenburg (je 3,3 Prozent) sowie die Stadt Ratzeburg (2,2 Prozent).

Holger Marohn

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