Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg Neues Grass-Gedicht: Nur ein Fake?
Lokales Lauenburg Neues Grass-Gedicht: Nur ein Fake?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:03 08.01.2013
Fake oder nicht? Grass hat ein Gedicht zur Griechenlandpolitik veröffentlicht... Quelle: dpa

Ein Artikel in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ über ein angeblich gefälschtes Günter-Grass-Gedicht in der „Süddeutschen Zeitung“ hat im Internet Verwirrung ausgelöst. „Dem Satiremagazin "Titanic" ist es gelungen, ein Gedicht unter dem Namen "Günter Grass" im Feuilleton der "Süddeutschen Zeitung" zu platzieren“, stand am Wochenende zunächst online, dann gedruckt in der „FAS“. Darauf brach im Internet ein Sturm der Häme gegen die „SZ“ los - obwohl das Grass-Gedicht über die Griechenlandpolitik Europas gar kein Fake war. Bei Politikern und Intellektuellen löste der Literaturnobelpreisträger mit seinem neuen Gedicht „Europas Schande“ dagegen ein verhaltendes Echo aus.

„Das #Grass Gedicht zu Griechenland kam von der Titanic? Großartigst“, hieß es am Abend beim Kurznachrichtendienst Twitter, und: „Ein dreifaches Huzzah für die Titanic!“. „nein, bitte, ist das wahr? das neue grass-gedicht ist von titanic?“, reagierten andere Nutzer ungläubig und folgten blind der Massenmeinung. Ein anderer Twitterer schrieb zu der Aufregung im Internet: „Allein die Tatsache, dass der #Titanic dieser #Grass Stunt locker zugetraut wird, sagte schon viel aus über Deutschlands Großintellektuelle.“

Die „SZ“ hatte das Gedicht am Samstag veröffentlicht. Grass kritisiert darin, wie Europa mit dem Schuldenstaat Griechenland umgeht. Am selben Tag hatte das Grass-Büro einer Veröffentlichung des Werks des Literaturnobelpreisträgers auch in anderen Medien zugestimmt.

Stefan Plöchinger, Chefredakteur von „Sueddeutsche.de“, griff aus dem Urlaub in Paris ein und stellte klar: „Wer gerade wegen der FAZ an #Grass' Europa-Gedicht zweifelt, hier liest der Autor es selbst: http://www.ndr.de/ndrkultur/grass197.html“, twitterte er. Und: „Ironie funktioniert nie. Aus den Tweets der vergangenen Stunden kann man das lernen...“. Auf die verwirrte Frage eines Nutzers „So, wer wurde jetzt getrollt, die #FAZ oder die #SZ?“ kam von ihm die Antwort: „Alle, die getwittert haben, die Titanic habe die SZ getrollt“.

Der Autor des „FAS“-Artikels sieht seinen Beitrag nicht als Satire oder als Scherz. „Fiktion und Wahrheit sind ja nicht mehr wirklich zu unterscheiden“, sagte Volker Weidermann der Nachrichtenagentur dpa am Sonntag. „Ob sich das jetzt die "Titanic" oder Günter Grass ausdenkt, ist für mich kein großer Unterschied.“ Entschuldigen in einem ernsthaften Sinne wolle er sich „ganz bestimmt nicht“. „Günter Grass wird es immer weiter treiben mit der Absurdität seiner Selbstgewissheit und das ist dann genauso lustig, wie wenn es die "Titanic" schreibt.“

Der Vorsitzende des Europaausschusses im Bundestag, Gunther Krichbaum, sagte im Deutschlandradio Kultur: „Insgesamt sollte man Günter Grass nicht mehr ganz so ernst nehmen.“ Die Kritik in seinem Gedicht, in dem Grass die Griechenlandpolitik Europas anprangert, „geht an der Wirklichkeit völlig vorbei“, sagte der CDU-Politiker. Andere Politiker und Schriftsteller-Kollegen hielten sich auffallend mit Kommentaren zu Grass' neuem Werk zurück.

Vor knapp zwei Monaten war Grass wegen seines israelkritischen Gedichts „Was gesagt werden muss“ scharf angegriffen worden. Ihm wurde Antisemitismus vorgeworfen, Israel erklärte den Autor zur unerwünschten Person. Grass sah eine Kampagne gegen sich.

LN

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Perfekt wäre es gewesen, wenn plötzlich aus dem Nichts die Flamme des heiligen Geistes auf dem Palmberg vor dem Ratzeburger Dom erlodert wäre - am besten vielleicht noch direkt vor dem Tisch des Bundespräsidenten Joachim Gauck und seinem Tischnachbarn, dem schleswig-holsteinischen Landesvater Peter Harry Carstensen.

08.01.2013

Ein wahrer Feiertag für die Kirche: Mit einem feierlichen Festgottesdienst im voll besetzten Ratzeburger Dom ist heute Morgen in Anwesenheit von Bundespräsident Joachim Gauck die Nordkirche aus der Taufe gehoben worden.

08.01.2013

Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst haben am Samstagabend in der Geesthachter Schleuse einen Binnenschiffer von Bord eines 80 Meter langen Schüttgutfrachters gerettet.

08.01.2013
Anzeige