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Lauenburg Neues Projekt stärkt Behinderte im Kreis
Lokales Lauenburg Neues Projekt stärkt Behinderte im Kreis
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20:24 22.01.2016
. . . Dr. Michael Riederer, Leiter des Kreis- Fachdienstes Eingliederungs- und Gesundheitshilfe. Quelle: Archiv

Auf ein durchweg positives Echo traf die Vorstellung eines neuen Programms des Kieler Sozialministeriums zur besseren Eingliederung behinderter Menschen in den ersten Arbeitsmarkt. Hinter dem Projekttitel „Budget für Arbeit“ verbirgt sich ein neues und verbessertes Förderkonzept, das Menschen mit Behinderung, Einrichtungen mit Werkstätten für Behinderte und Arbeitgeber des ersten Arbeitsmarktes besser und schneller zusammenführen soll.

Das Modellprojekt ist Anfang Januar aufgestellt worden. Der Kreis Herzogtum Lauenburg wird der erste im Land sein, wo es in die Tat umgesetzt wird. Das betonte Dr. Michael Riederer, Leiter des Fachdienstes Eingliederungs- und Gesundheitshilfe bei der Kreisverwaltung am Donnerstagnachmittag bei der Konzeptvorstellung. Ein großer Kreis Interessierter und an dem Thema beteiligter Institutionen war dazu nach Lanken eingeladen worden. Eine Verbesserung der Eingliederungsbedingungen sei lange überfällig gewesen, betonte Riederer, denn die Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen mit Handycaps seien bislang ziemlich abgeschottet. Die Vermittlungsquote dieses Personenkreises liege noch unter einem Prozent.

Ziel von „Budget für Arbeit“ sei es, betonte der Referatsleiter des Ministeriums, Stefan Ballwanz, bei seiner Präsentation, mit der Kombination von Leistungen der Eingliederungshilfe und aus der Ausgleichsabgabe (aus nicht erfüllter Behindertenquote bei Arbeitsplätzen) Menschen mit Behinderungen den Übergang aus der Werkstatt auf einen Arbeitsplatz am allgemeinen Arbeitsmarkt dauerhaft zu ermöglichen. Dabei soll die Steuerung und Handhabung dezentral erfolgen, betonte Ballwanz. Das Neue daran: Betroffene Menschen, die bislang nur nach Maßnahmen der Eingliederungshilfe nach dem SGB (Sozialgesetzbuch) XII Beschäftigung ermöglicht werden konnte, können der Weg in eine reguläre Beschäftigung nun besser ermöglicht werden.

Kernstück des Programms „Budget für Arbeit“ seien für ein Jahr künftige Lohnkostenzuschüsse in Höhe von 50 Prozent des Arbeitgeberbruttos an die Arbeitgeber, die um weitere 20 Prozent aus Leistungen der Eingliederungshilfe ergänzt würden. Mit der finanziellen Unterstützung müsse aber auch eine enge Betreuungsarbeit durch die beteiligten sozialen Einrichtungen erfolgen, betonte Ballwanz.

Die Vorsitzendes des Kreis-Sozialausschusses, Gitta Neemann-Güntner (SPD), begrüßte wie alle weiteren Vertreter von Institutionen und Verbänden das Projekt, warnte allerdings vor zusätzlichen Kosten, die dadurch auf den Kreis zukommen könnten. Dies sei nicht der Fall, beruhigte Dr. Riederer.

DREI FRAGEN AN . . .

1Was ist durch das Programm für die betroffenen Menschen zu erhoffen — und wie viele können davon profitieren?
Der Weg in den ersten Arbeitsmarkt könnte durchaus leichter werden, und damit ist nun eine wichtige Voraussetzung geschaffen worden. Die Anzahl von Profitierenden ist nicht leicht zu ermitteln.
Ich rechne damit, dass es im ersten Jahr etwa eine Handvoll Menschen betrifft. Im Lauenburgischen sind etwa 600 Menschen in Werkstätten beschäftigt. Aber nur ein sehr geringer Anteil davon kommt für das Programm auch in Frage.
2Was war bisher unzureichend, und was kann anders werden?
Das große Hemmnis bisher war, dass sich Betroffene, die von einem Werkstattarbeitsplatz in einen freien Arbeitsplatz gewechselt sind, sozial erst einmal verschlechtert haben. Die Entgelt-
und Sozialversicherungsbedingungen sind für geringfügig Beschäftigte nämlich auf dem Arbeitsmarkt schlechter als in Einrichtungen für Behinderte. Jetzt ist über die Bezuschussung an den Arbeitgeber aber ein vollwertiges Beschäftigungsverhältnis garantiert — mit Mindestlohn.
3Wie weit reicht das „Budget für Arbeit“, welche weiteren Maßnahmen wären wünschenswert?

Da wäre Vieles zu nennen. Zum Beispiel fehlen Integrationsfirmen. Es wäre auch schön, wenn die Bundesagentur für Arbeit stärker eingebunden wäre. Das ist aber lokal nicht zu machen. Da ist der Gesetzgeber gefragt.

Matthias Wiemer

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