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Nicht nur Selfies: Die Urlaubskarte lebt

Mölln Nicht nur Selfies: Die Urlaubskarte lebt

Für viele Menschen gehört die Ansichtskarte immer noch als persönlicher Gruß oder Souvenir zum Reisen dazu.

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Petra Ewald, 47, aus Berlin (l.) und Jeanette Faasch (54) aus Bad Oldesloe sitzen am Möllner Marktplatz und schreiben Ansichtskarten. Für sie gehört es zum Urlaub dazu.

Quelle: Len (5),fg

Mölln. Die digitale Technik ist bekanntlich dabei, viele herkömmliche Kommunikationsformen zu ersetzen: Filme und Musik werden heutzutage gestreamt, Straßenkarten heißen jetzt Maps und Selfies lösen die Ansichtskarte ab. Doch gerade letzteres stimmt nicht, wenn man sich im Lauenburgischen umhört.

LN-Bild

Für viele Menschen gehört die Ansichtskarte immer noch als persönlicher Gruß oder Souvenir zum Reisen dazu.

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Viele haben die klassische Ansichtskarte zwar schon für tot erklärt. Wer gibt schließlich noch Geld für Karte und Porto aus, wenn man mit dem eigenen Smartphone umsonst Bilder verschicken kann? Bei einem Selfie ist man dabei sogar mit im Bild, direkt vor einer Sehenswürdigkeit.

„Bei unseren Tourist-Informationen im Kreis ist die Nachfrage nach wie vor ungebrochen“, erklärt Christin Kiepke von der Herzogtum Lauenburg Marketing und Service GmbH (HLMS). Dabei seien die Karten mit klassischen Motiven, künstlerischen Darstellungen oder minimalistischen Ansichten sehr vielfältig. Das schätzen die Kunden, die Karten würden auch über Generationen hinweg gekauft. Dieses positive Fazit bestätigt auch Jochen Buchholz, Leiter der Möllner Kurverwaltung: „Dieses Jahr ist der Verkauf von Ansichtskarten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 20 Prozent gestiegen.“ Buchholz erklärt, dass man auf die Nachfragen der Kunden eingehe und eine breite Auswahl anbiete.

Diese positive Beobachtung ist kein Einzelfall. „Unsere Kunden schätzen die Ansichtskarte als persönliche, nette Geste. Aus dem Urlaub wird sie lieber gesendet, als die E-Mail“, sagt Birgit Lechner, Inhaberin des Geschäfts „Spielerei“ in der Möllner Innenstadt. Auch sie freue sich über die weiterhin gute Nachfrage. Eine Veränderung sei jedoch zu beobachten: Karten mit motivierenden Sprüchen und Alltagsweisheiten werden immer beliebter. „Für die jüngere Generation dürfen die Sprüche auch etwas frech und kreativ sein.“

Beim Schöning-Verlag aus Lübeck, dem Marktführer für Ansichtskarten in Deutschland, weiß man: Die klassische Ansichtskarte hat viel zu bieten. Mehrere professionelle Ansichten von Sehenswürdigkeiten bieten eine Zusammenfassung des Urlaubsortes. Deshalb bewahrt man sie gerne auf, im Gegensatz zum Whatsapp-Bild. „Die Leute schreiben nach wie vor gerne Karten“, sagt auch Geschäftsführer Boris Hesse. „Mit einem Anteil von ungefähr 80 Prozent ist die Mehrbildkarte am beliebtesten.“

Das Design sei dabei eher klassisch: „Wir probieren auch neue Trends aus, momentan ist die 3D-Karte angesagt. Allerdings sind die Erwartungen an die Ansichtskarte vieler Kunden eher konservativ.“ Der regionale Bezug sei dabei am wichtigsten. Man gehe auch auf verschiedene Zielgruppen ein: Touristen aus den USA oder Japan mögen es eher bunt. Neu sei auch der Shopping-Tourismus in den Städten.

Wenn man sich bei Urlaubern umhört, so trifft man zwei Gruppen von Leuten an. Die eine Gruppe schreibt nach wie vor gerne Ansichtskarten, viel lieber als eine SMS oder E-Mail. Die andere Gruppe, kleiner als die erste, hat schon lange keine Ansichtskarte mehr verschickt. „Obwohl die Karten ja eigentlich echt nett sind“, hört man von dieser Gruppe immer wieder. Und somit kann man auch für die Zukunft festhalten: Die Ansichtskarte wird wahrscheinlich auch weiterhin zu einem Urlaub gehören wie Eis essen oder am Strand liegen.

„So lange man noch Handschrift in der Schule lernt, werden Ansichtskarten aus dem Urlaub geschrieben“, glaubt Boris Hesse vom Schöning-Verlag. Für ihn gewinnen bei der Ansichtskarte alle: Die Regionen und Städte freuen sich über das gute Image und den Tourismus, die Menschen über den sehr persönlichen Gruß und die Post über die Zustellungen.

Postkarten leben – E-Mails sind tot

A lle paar Jahre bleibe ich beim Aufräumen an ihnen hängen: meinen Postkarten. In einer Zigarrenkiste schlummern sie – hab sie nie gezählt – vielleicht 200 oder 300 Ansichtskarten. Die älteste trägt das Datum 1971, die jüngste stammt aus den 90ern. Meine älteste E-Mail ist von 2003. Sie sieht genauso aus wie die Aktuellen. Seelenlose Pixelhaufen. Und das wird sich nie ändern, solange die Festplatte hält. Meine Postkarten aber leben, haben Patina angesetzt, riechen nach altem Karton und nach Vergangenheit. Und sie sind kleine Stückchen Geschichte. 500 Lira steht auf der Briefmarke einer Karte von 1973 aus Rom. Ein Gruß von einem Freund aus Indien trägt einen leicht verwischten bunten Stempel voller Ornamente. Aber das wichtigste: die Handschriften.

Zart weiblich geschwungen die eine, eher schnell-kritzelig die andere. Da hatte wohl jemand kaum Zeit. Eine Postkarte ist über und über vollgeschrieben. Der Text schlängelt sich um alle Ecken und lässt kaum Platz für die Briefmarke. Es gab wohl zu viel zu erzählen.

Ja, auch ich versende Selfies, schreibe längst keine Karten mehr. Aber in diesen alten Schätzen stöbern, das hat etwas Sinnliches. Und die zahllosen E-Mails und Emoticon-SMS? Verstopfen eigentlich nur den Speicher.

Bunte Karten für die ganze Welt

Die klassische Ansichtskarte ist 148 x 105 Millimeter groß und aus dünnem Karton. Das Porto variiert je nach Land für eine Karte nach Deutschland recht stark. Die Preise variieren allein in Europa stark. Innerhalb Deutschlands kostet das Porto aktuell 0,45 Euro, nach Österreich 0,80 Euro, in die Schweiz 1,35 Euro, nach   Dänemark stolze 1,94 Euro, nach Frankreich 0,95Euro, nach Großbritannien über den Ärmelkanal ebenfalls stolze 1,36 Euro. Das klingt nach Wucher, wenn man bedenkt, dass die Postkarte über den großen Teich in die USA lediglich 1,03 Euro kostet.

Schon mehr als 200 Jahre ist die Ansichtskarte die günstigste Art der Textnachricht auf dem Postweg, darüber hinaus ist sie auch illustriert. Feldpost-Karten waren in den beiden Weltkriegen die bevorzugte Kommunikation der Soldaten nach Hause. Heutzutage ist der mehrfarbige Foto-Digitaldruck Standard. len

 Matthias Wiemer Lennard Schroeder

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