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19:49 31.05.2018
Die Malinois-Hündin „Fly vom Airport Hannover“ hat alles im Blick – und passt auf Torge Burfeind auf. Quelle: Baumm
Ratzeburg

Die ersten Hunde, die in Deutschland mit ihren Herrchen auf Streife gingen, waren von den Wachtmeistern privat gehaltene Tiere. Hildesheim war die erste Stadt, die zwölf Polizeihunde offiziell mit auf die Nachtwache schickte, das war 1896. Heute gibt es in Deutschland Tausende Polizeihunde. Dabei ist längst nicht jedes Tier für den Dienst geeignet. Die Ausbildung ist langwierig und fordernd für Mensch und Tier.

„Nur ganz erfahrene Diensthundeführer dürfen einen Hund selbst kaufen – und das ist dann eine strikte Ausnahme“, erklärt PHK Burfeind. In aller Regel geht der Ankauf der Tiere aber über das Diensthundewesen in Eutin. Ob Hündin oder Rüde spiele dabei zunächst keine Rolle.

Burfeind ist der Leiter der Diensthundestaffel Ratzeburg. Zu seiner Abteilung gehören aktuell elf Diensthundeführer mit zwölf Hunden. Es sind Belgische (Malinois), Deutsche und Holländische (Hollandse Herder) Schäferhunde. Eines der Tiere ist noch ein Welpe. Die anderen elf sind Personenspürhunde (zwei) und zugelassene Schutzhunde (neun), einer davon ist noch in Ausbildung.

„Fly“ ist eine Spezialistin – sie zeigt Sprengstoff, Waffen und Munition an. Neun Jahre ist die hübsche Hündin jetzt alt – Grund genug, sie aus dem Schutzhundgeschäft herauszunehmen. Die Hunde werden jährlich einer Prüfung unterzogen, und diese Jahresüberprüfung Schutzhund bleibt „Fly“ vermutlich in diesem Jahr erspart.

Das aufmerksame Tier ist im Alter von dreieinhalb Jahren in Burfeinds Hände gekommen. Vorher wurde sie als Sporthund geführt. Bei Burfeind gehört sie zur Familie. Und das bleibt so auch nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst. Doch die Sache mit dem familiären Umfeld hat eine Kehrseite, denn: „So ein Hund ist ein Hilfsmittel der körperlichen Gewalt“, wie der Polizeihauptkommissar es formuliert. Wie „Fly“ so entspannt daliegt, eine nahezu zierliche Schönheit, möchte man sie am liebsten gleich knuddeln – das aber ist bei einem ausgebildeten Schutzhund auf keinen Fall einfach so angesagt.

Die Tiere müssen eine Eignung mitbringen, wichtig für die Ausbildung ist ein ausgeprägter Spieltrieb. Nur wenige Tiere eignen sich für die Ausbildung zum Polizeihund. Eins sind sie nach der Schule alle: Schutzhunde. Eventuell folgt dann eine Spezialisierung. Es gibt Rauschgiftspürhunde, Fährtenhunde („Personenspürhunde, Einsatzfährte macht bei uns jeder Schutzhund“), Geruchsspuren-Vergleichs-Hunde („Offizieller Terminus: Geruchsdifferenzierungshunde“) sowie Experten fürs Aufspüren von Sprengstoff, Leichen und Brandmitteln. Grundlagenarbeit für die Polizeihunde ist beißen – und natürlich auf Kommando ablassen, sowie Fährtenarbeit. Was einmal sitzt, wird immer wieder geprüft. „Zweimal in der Woche fahren wir zur Hundeausbildung. Wenn bei der Jahresprüfung etwas nicht klappt, wird der Hund gesperrt“, erklärt Burfeind.

Wie beeindruckend so ein Hund bei der Arbeit ist, belegen die Erkenntnisse der Polizei: „Der Einsatzwert ist immens. Ein Hund ersetzt sechs Beamte“, erklärt Burfeind. Für die Beamten sind ihre Hunde mehr als „beeindruckende Dienstmittel“ – für manchen Bürger anscheinend Hassobjekt. Burfeind hat schon oft erlebt, dass Randalierer bei Fußballspielen versuchen, die Hunde zu treten.

Der Chef der Ratzeburger Polizeihundeführer ist mit seinen Kollegen sehr zufrieden: „Die sind alle hochmotiviert.“ Da die Hunde nun mal Hunde sind – und als solche am liebsten immer bei ihrem Menschen sein möchten – sind auch sie zufrieden: Ein Diensthund ist natürlich immer bei seinem Polizisten. Untereinander kennen sich die Tiere – man schiebt ja schließlich zusammen Dienst. Ansonsten ist es wie bei den Menschen: „Manche können miteinander, manche nicht“, erklärt Torge Burfeind. Wenn seine schöne „Fly“ nicht als Supernase angefordert wird, schieben die zwei ganz normalen Dienst im Büro: Herrchen am Schreibtisch, „Fly“ hält ein Nickerchen.

Auswahl und Ausbildung

Die Ausbildung eines Hundes beginnt frühestens, wenn er ein Jahr alt ist. Sechs bis zwölf Monate sind dafür in der Regel anzusetzen.

Nicht jeder Hund hat das Zeug zum „Partner mit der kalten Schnauze“. Die Voraussetzungen für den Ankauf eines Diensthundes sind unter anderem: zwischen 12 und 36 Monate alt, Gesundheit (Tierarztcheck inklusive Röntgenuntersuchung), Arbeitsmotivation, Umwelt- und Selbstsicherheit und Eignung als Spezialhund.

Die Ausbildung steht auf drei Pfeilern: Nasenarbeit, Gehorsamsübungen, Schutzdienst.

 Dorothea Baumm

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