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Lauenburg Niedrigwasser in Mölln
Lokales Lauenburg Niedrigwasser in Mölln
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21:28 12.07.2018
Der Wasserstand am Möllner Stadtwehr auf dem Mühlenplatz ist sehr niedrig. Anfang der Woche wurden nur 37 Zentimeter Höhe gemessen. Quelle: Fotos: Fg

„So wenig Wasser haben wir noch nie im Mühlengraben erlebt“, sagt Sina Rönnau, seit fünf Jahren Betreiberin der Pension Seeschlösschen, die direkt am Mühlengraben liegt. Ihre Gäste können hauseigene Boote nutzen, um Mölln zu erkunden. Im Mühlengraben sei das Fahren mittlerweile nur noch möglich, wenn man sich sehr gut auskenne. „Immer wieder setzt man mit den Booten auf“, so Sina Rönnau.

Die Stadt Mölln macht die Trockenheit dafür verantwortlich. „Nach zwei Monaten ohne Niederschläge wird der Wassernachschub aus dem Einzugsgebiet knapper“, sagt Jörg Thun, Fachbereichsleiter Stadtgrün. Entsprechend weniger fließe über die festen Überläufe. Durch die alte Stadtmühle und den Durchlauf „Auf den Dämmen“ fließe bereits vergleichsweise wenig Wasser in den Schulsee ab.

Der Wasserstand im Möllner Mühlengraben ist so niedrig wie lange nicht. Anwohner und Touristen in Booten haben Schwierigkeiten, ohne aufzusetzen durchzukommen. Sind das Auswirkungen der Renaturierungen rund um Mölln durch den Gewässerverband Hellbach-Boize?

Nur der Ablauf im Bereich der alten Fischteiche an der Villenstraße gebe noch Wasser an den Hegesee ab. Dieser Durchlauf sei gewünscht, um stärkere Verlandung im Hegesee durch geringe Wasserbewegung zu vermeiden. „Fallen in den nächsten Tagen keine größeren Niederschläge und werden die Wassermengen im Mühlengraben noch geringer, wird auch der Ablauf in den Hegesee zu schließen sein“, so Thun.

Dr. Hennig Giese vom Gewässerunterhaltungsverband Hellbach-Boize erklärt: „Die Renaturierungsmaßnahmen haben mit dem niedrigen Wasserstand des Mühlengrabens nichts zu tun“, sagt er. Bisher sei nur ein größerer Durchlass am Schwanenhof zwischen Hegesee und Schulsee gebaut worden. Die zweite Maßnahme des Verbandes war, dass man am Wehr der Schaafbrücke die Sohlrampe in eine langgezogene Sohlgleite umgewandelt habe. „Die Abflussverhältnisse haben wir nicht verändert“, so Giese.

Ein Rückblick: Einheimische und Touristen fahren gerne Kanu von Lehmrade nach Mölln. Weil der Umbau des Mühlengrabens sowie Wildwuchs und Sturmschäden die Route behindern, hatte die Möllner CDU vergangenen Herbst die Pflege und touristische Erschließung der Route gefordert. Laut Möllner Grünamt gefährde das allerdings den Naturschutz. Der Antrag wurde abgelehnt.„Wir können keine Karawanen von Touristen durchlassen. Das ist ein Eingriff, der nicht erlaubt ist“, hatte Jörg Thun, Fachbereichsleiter Stadtgrün, im Ende 2017 gesagt.

„Mölln verschenkt eine Chance für den touristischen Bereich“, sagt hingegen Lothar Krebs, Vermieter von Booten und Vorsitzender des Bundesverbandes Kanu, dazu. Zumindest Einrichtungen zum Umsetzen und zum Ausstieg sowie Rastplätze entlang der Strecke zwischen Lehmrade und Mölln wünscht er sich. Bislang gebe es lediglich wenige Touren pro Jahr über die Kanu-Route. „Auch im Geiste des Naturschutzes könnte die Route ein paar mehr Touren vertragen“, so Krebs.

„Touristische Nutzung und Kanufahren ist nicht im Sinne der Wasserrahmenrichtlinie“, erklärt nun jedoch Dr. Giese vom Gewässerunterhaltungsverband auf Nachfrage. Wenn die Kanufahrer die Natur nehmen, wie sie ist, habe er überhaupt keine Probleme damit. „Wenn das aber in die Richtung ausartet, dass man einen härteren Tourismus fahren möchte und im schlimmsten Fall Busladungen von Kanufahrern ablädt, dann ist das eine negative Beeinträchtigung des Gewässers.“

Ein Problem sei auch die private Entnahme von Wasser aus dem Mühlengraben, gerade in Trockenphasen, so Giese. Auf der Nordseite des Mühlengrabens Richtung Schulsee gebe es eine Teichwirtschaft, die sich Wasser aus dem Hegesee ziehe, obwohl sie keine Berechtigung dazu habe, so Giese. Das verbiete die Wasserrahmenrichtlinie. Einzig die Stadt Mölln habe ein Recht, Wasser zur Bewässerung des Kurparks zu entnehmen, so Giese. „In Trockenphasen sinken die Wasserstände, wenn jeder Anwohner Wasser entnimmt“, sagt Giese.

„Die private Entnahme von geringen Wassermengen aus dem Mühlengraben durch Anlieger wird im Rahmen des Gemeingebrauchs bisher geduldet“, sagt jedoch Jörg Thun von der Stadt Mölln. Wo die Grenze geringer Wasserentnahme liege, werde derzeit von der Wasserbehörde der Kreisverwaltung im Rahmen der in Planung befindlichen Umgestaltung des Mühlengrabens geprüft und den jeweiligen Anliegern beizeiten mitgeteilt.

Graben verengen

Der Gewässerunterhaltungsverband Hellbach-Boize ist eine Gesellschaft öffentlichen Rechts. Der Verband sorgt für die Gewässerunterhaltung und Entwicklung im Namen der Gemeinden auf der Grundlage des Wasserverbandsgesetzes beziehungsweise des Landeswassergesetzes.

Zur Verbesserung der Durchgängigkeit für Fische vom Elbe-Lübeck-Kanal bis zum Gudower See (auch gegen Stromrichtung) will der Verband den Mühlengraben noch in diesem Jahr verengen lassen. Fische sollen besser in den Hegesee gelangen. Die Verengung diene dazu, dass die Wasserstände im Mühlengraben gleich blieben, obwohl anderswo Durchlässe verändert werden, sagte Giese jetzt.

Informationen zur Renaturierung der Möllner Gewässer online unter www.bit.ly/2L5nwbe

Florian Grombein

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