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Lauenburg Nur ein Zimmer war beheizbar
Lokales Lauenburg Nur ein Zimmer war beheizbar
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22:47 05.01.2018
In solch gemütlichen Zimmern sitzen die Gäste bei den Konzerten im Alten Kaufmannshaus. Die kulturellen Veranstaltungen dort sind stets gut besucht. Quelle: Fotos: Norbert Dreessen
Lauenburg

Das heute wunderschöne Alte Kaufmannshaus, erbaut anno 1652, hat sich zu einem weit über die Kreisgrenzen hinaus bekannten Kulturzentrum der ganz besonderen Art entwickelt. Die Herzogtum Lauenburg Marketing und Service GmbH, für die Tourismus-Förderung im Kreis zuständig, preist das Gebäude im Internet: „Das Alte Kaufmannshaus in Lauenburgs malerischer Altstadt ist ein liebevoll und original restauriertes Stadthaus. Es wurde im Renaissance-Stil erbaut und im Jahre 1769 im Stile des dann modernen Barocks umgebaut. Heute ist es das einzige original restaurierte und eingerichtete Stadthaus aus dieser Zeit im Süden Schleswig-Holsteins.“

Gemütlicher als in der Elbstraße 93 in Lauenburg kann man eine Veranstaltung gar nicht erleben: Man geht über knarrende Dielen und setzt sich dann in kuscheligen kleinen Stuben auf uralte Sofas und Stühle und hört zu. Sehen kann man die Künstler allerdings nicht immer.

Im nächsten Konzert gibt es Jazz

Das erste Konzert des Jahres 2018 im alten Kaufmannshaus in Lauenburg beginnt am Sonnabend, 27. Januar, um 20 Uhr und steht unter dem Motto „Jazz wie 1001 Nacht“.

Zu Gast ist die vierköpfige arabisch-deutsche „Shiblyband“, im Jahr 1999 vom Iraker Ali Shybly gegründet.

Eintrittskarten können unter Telefon 04131/

405228 bestellt werden.

Besitzer des Hauses ist seit 1979 Hans-Jürgen Rumpf. Er erwarb es von den Erben einer alten Dame, die bis zu ihrem Tod hier gewohnt hatte – in recht bescheidenen Verhältnissen. „Es gab nur einen Raum, der zu beheizen war“, erinnert sich Rumpf. Der Ofen steht heute noch in der „guten Stube“ des Hauses. Ansonsten aber waren umfangreiche Sanierungen nötig, um die Substanz des damals ja schon weit über 300 Jahre alten Gebäudes zu erhalten.

Rumpf beauftragte den Restaurator Curt Pomp mit den Planungsarbeiten. Pomp hatte zuvor etliche alte Häuser in Lüneburg vor dem Verfall gerettet. „Die von ihm restaurierten Häuser fielen uns durch besonders sensible und detailgenaue Restaurierung auf“, erzählt Rumpf. Rückblickend sei die Verpflichtung dieses erfahrenen Experten „ein wahrer Glücksgriff“ gewesen.

Gut Ding will Weile haben, und so dauerte es immerhin zehn Jahre, bis das zunächst wirklich traurig aussehende zweistöckige Fachwerktraufenhaus äußerlich komplett wiederhergestellt war. „Für die Restaurierung der Innenräume haben wir uns weitere fünf Jahre Zeit genommen“, so der heutige Besitzer. Dabei wurde so viel wie möglich von der historischen Substanz im Haus belassen, natürlich auch die umfangreichen Schnitzereien an den Balken. Vieles, was ersetzt werden musste, stammte aus anderen historischen Häusern. Rumpf: „Wir haben altes Baumaterial aus Abbruchhäusern erworben und Handwerker gesucht, die sich noch mit klassischen Bautechniken auskannten.“ Den Namen „Altes Kaufmannshaus“ habe er übrigens gewählt, weil hier wohl im Laufe der Jahrhunderte mehrere Kaufleute gelebt hatten, darunter Leinwandhändler, aber auch Handwerker wie Schneider und Schuhmacher. Dass aus dem Fachwerkgebäude ein Kulturzentrum wurde, ist einem Zufall zu verdanken. Während der Umbauzeit hätten viele Menschen das Haus besichtigt. Rumpf: „Unter den Besuchern war auch Heinrich Majowski, Cellist der Berliner Philharmoniker. Er war beeindruckt von unserem Bauvorhaben und versprach, nach der Fertigstellung hier ein Konzert mit seinen Kollegen zu geben.“

So kam es, und viele weitere Künstler folgten. Die sieben bis acht Konzerte pro Jahr sind immer sehr gut besucht, zumal die Akustik in seinem Haus ganz hervorragend sei, beteuert Rumpf.

 Norbert Dreessen

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