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Ohne Wasserschutzpolizei sinkt die Disziplin an Bord

Lauenburg/Ratzeburg Ohne Wasserschutzpolizei sinkt die Disziplin an Bord

Seit die Wapo dem Spardiktat des Landes zum Opfer fiel, ufern offenbar Regelverstöße bei Gewässernutzern aus.  Anwohner auf Seen und Flüssen klagen über Motorbootrennen auf der Elbe.

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Mai 2014 bei der Wasserschutzpolizei in Ratzeburg: Sorge bei der Polizei wegen des Sparkurses des damaligen Innenminister Andreas Breitner. Der überprüfte alle Wasserpolizeistandorte. Auch in Ratzeburg fiel schließlich die Wapo weg.

Quelle: LN-Archiv

Lauenburg/Ratzeburg. Was der Abzug der Wasserschutzpolizei (Wapo), wie zuletzt aus Ratzeburg, für ein Wassersportgebiet bedeuten kann, zeigen jetzt vermehrt Vorfälle auf Seen und Flüssen im Lauenburgischen. In Lauenburg beschweren sich Altstadtbewohner und Ruderer über mangelnde Disziplin an Bord. Von rasanten Jet-Ski-Fahrern, die reichlich Wellen erzeugen, und Motorbootskippern, die den Elbabschnitt als Rennpiste ansehen, ist die Rede. Für die Anwohner ein klarer Zusammenhang mit dem Weggang der Wapo 2013 aus Lauenburg.

LN-Bild

Seit die Wapo dem Spardiktat des Landes zum Opfer fiel, ufern offenbar Regelverstöße bei Gewässernutzern aus – Anwohner klagen über Motorbootrennen auf der Elbe.

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„Wir liegen auf dem Sofa und schon ballert der nächste Jet-Ski vorbei.“ Ulrich Perthun, Elbe-Anwohner

Auch die Disziplin in den ehemaligen Revieren der Wapo Ratzeburg beginnt zu bröckeln. Auf dem Ratzeburger See, wo Privatleuten der Einsatz von Verbrennungsmotoren verboten ist, werden immer wieder eben solche gesichtet, berichten Wassersportler. Auch die Vorfahrt werde häufig missachtet, da kein Ordnungshüter mehr da ist.

„Wir liegen auf dem Sofa und schon ballert der nächste Jet-Ski vorbei“, sagt Ulrich Perthun, Bewohner der Lauenburger Altstadt. 65 Km/h können die rasanten Fahrzeuge erreichen. Perthun wohnt direkt am Elbufer. Das Ganze spiele sich direkt vor seiner Haustür ab, das Wasser trägt den Schall der aufheulenden Motoren in sein Wohnzimmer. Der Lauenburger ist aber nicht nur von der gewachsenen Lautstärke der Schifffahrt auf der Elbe seit dem Abzug der Wapo aus Lauenburg genervt. „Wir Ruderer haben bemerkt, dass auch die Rücksicht der Motorbootfahrer seit 2013 abgenommen hat“, berichtet Perthun, der auch Mitglied in der Ruder-Gesellschaft Lauenburg ist.

Ortswechsel: Auch im Nordkreis hat sich einiges geändert „Man merkt schon, dass die Disziplin seit dem Abzug der Wasserschutzpolizei auf dem Ratzeburger See leidet“, sagt Walter Hentschel, Pressesprecher des Ratzeburger Segler-Vereins. Früher mussten Bootsführer noch damit rechnen, dass längsseits ein Polizeiboot festmacht. Die Vorfahrtsregeln seien damals noch eingehalten worden.

Außerdem stellt er immer wieder fest, dass Motorboote auf dem See unterwegs sind, obwohl das nur DLRG, THW oder etwa der Feuerwehr gestattet ist.

Die Boote der ehemaligen Station der Wapo Ratzeburg sind weg. Auf den Möllner Seen haben zuletzt Streifenpolizisten auf Booten ehrenamtlicher Organisationen sporadisch die Querung vom Elbe-Lübeck-Kanal zum Ziegelsee kontrolliert, haben die LN von Insidern erfahren. Denn für die nur etwa 300 Meter lange Überfahrt zahlen Sportboot-Inhaber im Jahr pro Boot etwa 50 Euro. Diese Kontrollen gibt es nun allzu selten. Ohne Boot kein schneller Einsatz für die Polizei, wenn ein Skipper in Seenot gerät oder ein betrunkener Bootsführer das Ruder zu rasant herumreist. Seit die Wapo weg ist, müssen die Polizisten um Hilfe bei ehrenamtlichen Organisationen bitten. Das ist auch der Weg zur Kompensation des-Wapo-Abzuges aus der Inselstadt, den Manfred Börner, Chef der Zentralstation in Ratzeburg, vor einigen Monaten skizzierte (die LN berichteten).

Und das sagt die Polizei: „Beamte aus der Polizeistation in Lauenburg haben von den Beschwerden der Anwohner gehört. Allerdings gab es noch keine Anzeigen“, berichtet Kathrin Bertelsen, Sprecherin der Polizeidirektion Ratzeburg. Für den Ratzeburger See gelte, dass die Beamten der Polizeizentralstation in möglichen Notfällen Feuerwehr, THW oder DLRG um Unterstützung bitten. Dabei geht es, wie die LN berichteten, um eine Art Fahrdienst an Einsatzorten auf dem Wasser. Die Kollegen der in Lauenburg zuständigen Wapo Scharnebeck hätten laut Bertelsen erklärt, dass es auch möglich sei, die Kennzeichen auffälliger Bootsführer aus der Ferne mit einem Fernglas zu erkennen.

Als die Wapo sich aus Lauenburg zurückzog, wurde durch ein Abkommen die Wapo Scharnebeck im Elbe-Seitenkanal auf der niedersächsischen Seite der Elbe für den Bereich zwischen Geesthacht und Schnakenburg zuständig. Der Stationsleitung sei das Problem bekannt, heißt es in Medienberichten. „Wenn die zu uns herüberfahren ist auch erst einmal Ruhe. Doch wenn sie wieder weg sind, geht der Lärm wieder los“, sagt Perthun. Die Beamten könnten leider nicht ständig auf Lauenburger Seite sein.

Die Elbe ist an dieser Stelle über 300 Meter breit. Daniel Wullschleger vom Ratzeburger Kanuclub beobachtete jetzt zunehmend Motorboote, die ohne entsprechende Sondernutzungsflagge unterwegs sind.

Bislang fahren diese Motorboote allerdings ruhig.

Selbstdisziplin gefragt

Zumindest die Besitzer von Motorjachten in Mölln sehen die Situation entspannt. „Wenn sich jemand nicht an die Regeln hält, klären wir das untereinander“, sagt Jens Heitmöller, Umweltbeauftragter des Möllner-Motorboot-Clubs (MMC) am Ziegelsee.

„Es gibt natürlich einige unverbesserliche Bootsführer. Doch ich kann zum Glück nichts Negatives erkennen, seitdem die Wapo abgezogen ist“, erklärt Jörg Kruse, zweiter Vorsitzender des Möllner Ruderclubs. Regelverstöße versuchen die Wassersportler selbst zu klären.

 Florian Grombein

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