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Lauenburg Pächter und Stadt streiten weiter um die Seebadestelle
Lokales Lauenburg Pächter und Stadt streiten weiter um die Seebadestelle
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21:58 07.11.2013
Rückblick in den April 2010: Unternehmer Oliver Victor freute sich, dass die Bauarbeiten an der Ratzeburger Seebadestelle schnell voran kamen. Damals wurde das Gebäudedach neu gedeckt. Quelle: Martin Stein
Ratzeburg

Es war eine eher dürre Mitteilung, die aus dem Ratzeburger Rathaus kam: „Der Pachtvertrag der Stadt Ratzeburg mit der Erlebnisbahn Ratzeburg GmbH über die Seebadeanstalt Schlosswiese ist zum Ablauf der Vertragslaufzeit am 31.1.2016 aufgrund des Beschlusses des Ausschusses für Wirtschaft, Tourismus und Stadtmarketing gekündigt worden. Die Stadt Ratzeburg möchte ab 2016 wieder selbst und frei über das Grundstück verfügen“, teilte Bürgermeister Rainer Voß mit.

Voß‘ Vorgänger im Bürgermeisteramt, Michael Ziethen, hatte im Januar 2006 den Pachtvertrag mit Victor über zehn Jahre mit Verlängerungsoption abgeschlossen. Damals hatte der Unternehmer bekundet, eine fünfstellige Summe in Spiel- und Freizeitgeräte sowie in eine Kleingastronomie zu investieren, den reetgedeckten Anbau sowie Toiletten und Dach zu sanieren. Alle Beteiligten frohlockten und freuten sich über einen potentiellen neuen Gästemagneten für die Inselstadt Ratzeburg.

Diesen Versprechungen sei Victor aber in den folgenden Jahren nicht nachgekommen, hieß es schon bald von der Stadt, die daraufhin im Sommer 2009 per Gerichtsbeschluss versuchte, den Pachtvertrag wieder aufzuheben, damit aber vor dem Oberlandesgericht in Schleswig scheiterte. Dennoch sah die Stadt in dem Urteil auch einen Erfolg der Klägerin, weil der „untaugliche Versuch“ des Pächters, sich teilweise aus der pachtvertraglich übernommenen Investitionsverpflichtung zu lösen, dargestellt worden sei.

Im März 2010 verlautete die Stadt Ratzeburg als Reaktion auf das Urteil, man „erwarte, dass sich die Geschäftsführung der Erlebnisbahn strikt an die geschlossenen Verträge halte und nicht wieder in der Öffentlichkeit den Eindruck erwecke, sie sei das ,Opfer kommunalpolitischer und verwaltungsleitender Engstirnigkeit‘“.

Auf Nachfrage der LN und als Reaktion auf die jetzt vorliegende städtische Kündigung erklärte Unternehmer Oliver Victor den LN: „Wir haben unsere Investitionsverpflichtung vollumfänglich erfüllt (eine sechsstellige Summe übrigens), und die Stadt hat an der Entwicklung nie inhaltlich etwas mitgestalten wollen oder das Gespräch gesucht oder selbst bzw. als Touri-Info Leistungen nachgefragt oder sogar gebucht. Ich gehe davon aus, dass die Stadt daran gar kein Interesse hat, sonst würde sie nicht ihre Kinderfeste vor dem Gelände des Strandbades auf dem Parkplatz abhalten.“

Und zum Thema „Touristenmagnet“ fügte Victor hinzu: „Ich habe mal die Gästezahlen der letzten acht Pachtjahre zusammengerechnet: Von 2006 bis 2013 haben wir 132 399 zahlende Gäste am Strandbad bedient. Dazu kommen die Badegäste (geschätzt ca. 8000 in acht Jahren) und die der Großveranstaltungen und vielen Sommerangebote der letzten Jahre sowie des Strandcafés (alle zusammen nochmal etwa ca. 1000), also über 140 000 Gäste. Angesichts der wirklich erschwerten Bedingungen an diesem Standort ist das doch allemal passabel, oder?“

Bei einer Nachfrage zu den Victor vorgeworfenen Versäumnissen war aus dem Rathaus von Verwaltungssprecher Mark Sauer nur dies zu erfahren: „Ich kann Ihnen dazu mitteilen, dass die Stadt Ratzeburg in ihrer Pressemitteilung zu dem Sachverhalt abschließend Stellung genommen hat.“

Eine zufriedenstellend-positive Perspektive für die Seebadeanstalt und ihre künftigen Nutzer beinhaltet diese Aussage eher nicht.

Findiger Kopf
Einen Namen gemacht weit über die Region hinaus hat sich Oliver Victor als Betreiber des Schmilauer Erlebnisbahnhofes. Vor etwa 20 Jahren entschloss sich der Computerspezialist, einen beruflichen Neustart im kulturellen und Veranstaltungsbereich zu wagen. Eines seiner bekanntesten und beliebtesten Projekte sind die Draisinenfahrten im nördlichen Kreisgebiet.

Joachim Strunk

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