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Patrizierhaus mit altem Fachwerk

Mölln Patrizierhaus mit altem Fachwerk

In der „Kramerdeel“ mitten in Mölln wird schon seit der Errichtung anno 1667 Handel getrieben.

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Das Lastenrad unter dem Dach der „Kramerdeel“ in Möllns Altstadt, mit dem einst die angelieferten Waren auf den Speicher gezogen wurden, blieb bis heute erhalten.

Quelle: Fotos: Norbert Dreessen

Mölln. Es ist eines der drei ältesten Privathäuser in der Möllner Innenstadt, an der Hauptstraße sogar das älteste: Das seit mehr als 60 Jahren als „Kramerdeel“ bekannte Patrizierhaus wurde anno 1667 erbaut und seitdem äußerlich so gut wie nie verändert. Und noch etwas blieb über die Jahrhunderte gleich: „Hier wurde vom ersten Tag an Handel getrieben“, erzählt Gesa Spies, Besitzerin des traditionsreichen Gebäudes.

LN-Bild

In der „Kramerdeel“ mitten in Mölln wird schon seit der Errichtung anno 1667 Handel getrieben.

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Dies ist ein typisches in Fachwerk-Bauweise errichtetes Bürgerhaus jener Zeit mit einem Dach, das fachmännisch als „Stummelwalm“ bezeichnet wird. Im Eingangsbereich findet sich zunächst eine relativ kleine Stube, daran schließt sich eine deutlich größere und über zwei Stockwerke reichende Diele an. Ungewöhnlich ist, dass diese mit Treppe und Galerie versehene Diele auch durch einen Seiteneingang betreten werden kann, weil es sich hier um ein Eckhaus handelt. Zur Schäferstraße hin ist die Hausseite sogar deutlich länger als zur Hauptstraße.

Im Obergeschoss befanden sich früher Wohnräume, heute steht dieser Teil des Hauses leer. Noch vorhanden ist allerdings das große Lastenrad, mit dem einst die angelieferten Waren auf den Speicher gezogen wurden.

Gesa Spies' Eltern, Walter und Eva Klein, erwarben das Gebäude 1952 und richteten hier einen kleinen Laden für Textilien und Kunsthandwerk ein. Eva Klein war Webmeisterin und verkaufte schöne Dinge, die sie größtenteils in der eigenen Werkstatt geschaffen hatte. Vor allem die Jacken und Röcke „Made in Mölln“ waren stets begehrt.

„Damals befand sich das Haus allerdings in einem schlechten Zustand und sollte eigentlich abgerissen werden. Mein Vater hat sich dann dafür eingesetzt, dass dies nicht geschah“, sagt die heutige Besitzerin. Nach und nach erfolgte eine gründliche Sanierung, aber zum Glück keine Entkernung oder totale Modernisierung. So stammen die Fußbodenplatten aus einem alten Bauernhaus, das abgerissen worden war. Als sich ihre Eltern zur Ruhe setzten, übernahm Gerda Spies die „Kramerdeel“ und erweiterte das Angebot unter anderem um Schmuck, Porzellan, Lampen und Kleinmöbel. Bei ihr habe man stets „Hochwertiges, keine Massenware“ gefunden, erklärt sie.

Fast 40 Jahre führte Gerda Spies ihr Geschäft, und an Interessenten mangelte es nach ihren Worten nie: „Die Stammkunden kamen aus einem Gebiet von Rostock bis Hamburg, von Lübeck bis Ahrensburg“. Das blieb auch so, als sich die Besitzerin des sehenswerten Altstadthauses im vergangenen Jahr aus der Geschäftsleitung zurückzog und die „Kramerdeel“ an Hildegard Glowalla übergab. Die hatte hier schon mal als Aushilfe gearbeitet und sich dabei „in den Laden verliebt“, wie sie sagt. Dann zog sie jedoch nach Hameln und kehrte erst 18 Jahre später in die Eulenspiegelstadt zurück.

Die Chance, die „Deel“ zu übernehmen, ließ sich Hildegard Glowalla dann aber nicht entgehen: „Hier ging für mich ein Traum in Erfüllung“, erklärt sie. Am Konzept habe sie wenig geändert, denn „Frau Spies hatte stets ein gutes Händchen für schöne Sachen“. Von einer anderen „schönen Sache“ will sich Gerda Spies allerdings demnächst trennen: Ihr charakteristisches Haus an der Hauptstraße möchte sie in absehbarer Zeit verkaufen. Das Angebot ist alles andere als alltäglich – 350 Jahre alte Gebäude, im absoluten Zentrum einer kleinen Stadt gelegen, finden sich sonst kaum in den Anzeigen der Immobilienmakler, sei es online oder aber in der guten alten Zeitung.

Gottvertrauen in Gold

Manche Häuser in der Möllner Altstadt sind mit schönen Sprüchen an der Fassade verziert, oft sind sie mit goldenen Lettern geschrieben. Viele der Texte haben dabei einen christlichen Bezug.

So auch an der „Kramerdeel“ an der Hauptstraße 106. Hier steht über dem Eingang: „Wer Gott vertrauet, hat woll gebauet im Himmel und auf Erden. Wer sich verleßt auf Jesum Schrift, dem soll der Himmel werden“.

Norbert Dreessen

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