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Lauenburg Pendler-Hoffnungen platzen: Ausschreibung verschoben
Lokales Lauenburg Pendler-Hoffnungen platzen: Ausschreibung verschoben
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22:22 27.10.2017
Tausende Menschen pendeln täglich aus dem Kreissüden mit den Regionalexpresszügen nach Hamburg. Diese Doppelstockwagen sind in den Hauptverkehrszeiten oft überfüllt. Quelle: hm
Schwarzenbek

Aufgrund eines großen Unmutes unter den Fahrgästen ist das auch für den RE 1 zwischen Rostock und Hamburg zuständige Land Mecklenburg-Vorpommern derzeit dabei, den gesamten Taktfahrplan des Landes neu zu konzipieren – einschließlich eines Betriebskonzeptes für den RE 1. Und das alles wird nach Angaben der Schweriner Landesregierung nicht rechtzeitig fertig, um die Neuvergabe für zehn Jahre ausreichend vorzubereiten. „Die Neuvergabe eines so großen Netzes bedarf unter anderem für die Fahrzeugbeschaffung eines erheblichen Vorlaufes. Aus diesem Grund wurde der Ausschreibungsbeginn verschoben, und es muss ein Überbrückungsvertrag ausgeschrieben werden“, heißt es auf LN-Anfrage aus Schwerin. Dieser Vertrag mit einer Laufzeit von vier Jahren sehe allerdings auch keine Verlängerung der Züge – wie aus Schleswig-Holstein erhofft – vor.

 

„30-Minuten-Takt war immer eine Forderung von uns." Stefan Barkleit, Sprecher des Fahrgastverbandes Pro Bahn.

Immerhin: Im Zuge der Ausschreibung des Überbrückungsvertrages soll es künftig einen 30-Minuten-Takt zwischen Büchen und Hamburg geben. Zurückhaltend dazu äußert sich die Bahn. Noch im Frühjahr verwies ein Bahnsprecher darauf, dass zwar auf der Strecke Zeitkorridore möglicherweise frei wären, aber im Hamburger Hauptbahnhof kein Platz an den Bahnsteigen sei. Dennoch werde man entsprechende Anfragen dann „zu gegebener Zeit prüfen, wenn alle Interessenten ihre Trassenanmeldungen eingespeist haben“, heiß es nun aus dem Kommunikationszentrum der Bahn.

Beim Fahrgastverband Pro Bahn ist die Ausschreibung des Überbrückungsvertrages in Schwerin auf Zustimmung gestoßen. „Der 30-Minuten-Takt war immer eine Forderung von uns“, sagt Stefan Barkleit, Sprecher des Fahrgastverbandes Pro Bahn. Natürlich sei die Herausforderung der Hamburger Hauptbahnhof. Dort sei es bekanntlich „etwas beengt“, so Barkleit. Allerdings sei aus Sicht des Verbandes dort durchaus noch „etwas mehr herauszukitzeln, wenn man sich anstrengt“. Mit „man“ ist dabei die Deutsche Bahn gemeint. Denn während sich auf der einen Seite die Regionalexpresszüge aus quasi allen Richtungen im Hauptbahnhof buchstäblich stapeln, rollt auf der anderen Seite der Fernverkehr fast im Minutentakt. Mit den Gleisen 9 und 10 gibt es allerdings zwei Gleise, die nur für durchfahrende Güterzüge vorgesehen sind.

„An einem zusätzlichen Gleis für die Personenzüge im Hauptbahnhof führt kein Weg vorbei“, sagt Pro-Bahn-Sprecher Barkleit. Die Forderung nach einem Umbau dieser Güterdurchgangsgleise für den Personenverkehr ist nicht neu. Bereits vor sechs Jahren tauchte der Bau eines Bahnsteiges anstelle des jetzigen Gleises 10 und damit die Erschließung des Gleises 9 für Fahrgäste im Verkehrsinvestitionsbericht 2010 der damaligen Bundesregierung auf. Beginn der Entwurfsplanungen: offen. Im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplanes steht der Umbau der Gleise jedenfalls, so der Bundestagsabgeordnete Norbert Brackmann, der zuletzt im Haushaltsausschuss des Bundestages auf CDU-Seite für den Verkehrsetat zuständig war. Bis dahin müssten allerdings erst einmal Alternativen für den auf den Gleisen 9 und 10 verlaufenden Güterverkehr geschaffen werden. Und das werde laut Brackmann noch dauern.

Eine weitere Maßnahme, die den Hauptbahnhof entlasten solle, sei die Weiterführung der S4 bis nach Bad Oldesloe. Durch die zusätzlichen Kapazitäten der S-Bahn könnten dann Regionalexpresszüge aus Bad Oldesloe „aus dem Hauptbahnhof herausgenommen werden“, so Brackmann. Bis es soweit sein wird, kann es allerdings noch Jahre dauern. Im Sommer erst wurde der Antrag auf Planfeststellung für den etwa acht Kilometer langen Abschnitt von der Hamburger Stadtgrenze bis Ahrensburg beim Eisenbahn-Bundesamt eingereicht. Die Gesamtinbetriebnahme ist laut Bahn frühestens in zehn Jahren zu erwarten.

Bahnhof Hamburg

Der Hamburger Hauptbahnhof ist mit bis zu 450000 Reisenden pro Tag einer der meist frequentierten Personenbahnhöfe Deutschlands. Rund 720 Züge des Nah- und Fernverkehrs machen täglich Station an Hamburgs Haupt-Verkehrsknotenpunkt.

Die Deutsche Bahn betreibt im Hauptbahnhof insgesamt 14 Gleise in Nord-Süd-Richtung. Vier davon werden für die S-Bahn genutzt, acht für die Fernbahn und Regionalbahnverbindungen. Die Gleise 9 und 10 haben keinen Bahnsteig und werden als so genannte Güterdurchgangsgleise und für den Rangierbetrieb von Personenzügen genutzt.

Für die U-Bahn gibt es im Hauptbahnhof-Nord und –Süd außerdem in bis zu 30 Metern Tiefe je zwei Bahnsteige. Sie verlaufen im Gegensatz zu den ebenerdigen Gleisen des Bahnhofes in Ost-West-Richtung. hm

 Holger Marohn

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