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Lauenburg Pendler werden zu Wutkunden
Lokales Lauenburg Pendler werden zu Wutkunden
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12:39 28.09.2018
Überfüllte Züge, Verspätungen und Zugausfälle sind schon längst nicht mehr die Ausnahme auf der Bahnstrecke zwischen Lüneburg und Lübeck. Quelle: Lennard Schröder
Mölln/Büchen

Nach den zahlreichen Störungen im Zugbetrieb der Regionalbahn-Linie Lübeck-Büchen hat sich die Lage deutlich verschlechtert. Wie die LN berichteten, hat der Bahnbetrieb DB Regio seit Kurzem mit massivem Personalmangel zu kämpfen und die Notbremse gezogen: geplante Zugausfälle und Ersatzverkehr mit Bussen. Aus leidgeprüften Bahnkunden wurden inzwischen Wutkunden.

Die beim Landesverkehrsminister Bernd Buchholz einbestellte DB Regio-Leitung hat zwar Abhilfe versprochen. Doch erst bis Ende des Jahres sollen die technischen und personellen Engpässe behoben sein. Das heißt, dass sich Bahnkunden zunächst auf weitere Störungen einstellen müssen.

„Man weiß, dass irgendwann am Tag Züge fahren, nur eben nicht genau, wann.“

Einer der Leidtragenden ist Hendrik Degener. Er pendelt täglich zwischen Lübeck und Mölln. Stellvertretend für viele andere Bahnnutzer, die fast täglich mit Zugverspätungen und teils völlig überfüllten Zügen zu kämpfen hatten und weiterhin haben. Eine Schülerin berichtet, sie sei schon mal zwei Stunden später in der Schule gewesen wegen der massiven Verspätungen und der überfüllten Züge auf der Linie 83, die sie durchfahren lassen musste. Der geplante Zugausfall wegen Lokführermangels, der auch nach dem jüngsten Krisengespräch im Kieler Verkehrsministerium nicht so schnell behoben sein wird, verärgert die Kunden genauso. Für die Strecke Mölln – Lübeck benötigen die Ersatzbusse viel mehr Zeit als die Züge. Die Busfahrten sind in einem Ersatzfahrplan ausgewiesen, auf dem sich nicht einmal versierte Bahnkunden auf Anhieb zurechtfinden würden, schimpfen Degener und andere.

Unter den Fahrgästen hörten sich die LN in Büchen um. Margret Fahrenkrug aus Radebeul fährt häufig Bahn und ist von Verspätungen betroffen: „Meine Bahnen sind häufiger verspätet. Ärgerlich, aber ich kann damit leben.“ „Was die Deutsche Bahn macht, ist eine Sauerei. Jedes andere Unternehmen bekommt eine vernünftige Personalpolitik hin, nur bei der Bahn fehlen die Lokführer. Und das ist ja nicht das einzige Problem der Bahn“, sagt Stefan Streicher aus Lüneburg.

Brigitte Paradies aus Berlin hat gerade ihren Anschlusszug verpasst. „Gerade hier auf dem Land ist das schlimm, weil viele Menschen auf die Bahn angewiesen sind.“ Ursula Kummert aus Mainz ist gerade der Anschlusszug wegen Verspätung ihres Zuges vor der Nase weggefahren. „Ich erlebe hin und wieder Verspätungen und Ausfälle. Da muss sich dringend etwas ändern. Jetzt muss ich zusehen, wie ich an mein Reiseziel komme.“

Degeners lakonisches Fazit: „Ich und andere Fahrgäste der DB Regio kommen sich allmählich vor wie in Indien. Man weiß, dass irgendwann am Tag Züge fahren, nur eben nicht genau, wann. Und dazu ist es ungewiss, ob man überhaupt mitkommt. Vorteil in Indien: Wenn der Zug voll ist, kann man wenigstens auf dem Dach mitfahren.“ Ganz ernsthaft schlägt das Pro-Bahn-Mitglied vor, die DB Regio vom aktuellen Bieterverfahren um das Netz Ost auszuschließen. Das Unternehmen habe seine Unfähigkeit und Inkompetenz unter Beweis gestellt. Auf LN-Anfrage, wer bei der DB Regio dafür Verantwortung trage, dass es überhaupt soweit kommen konnte, gab es bei dem Unternehmen keine Antwort.

Mittlerweile rührt sich auch Unmut in der Politik. Burkhard Peters, Landtagsabgeordneter von Bündnis 90 / Die Grünen für die Region Herzogtum Lauenburg und Lübeck, erreichten zahlreiche Beschwerden zu den Zugausfällen. Peters befürchtet, dass die nächstliegenden Maßnahmen seitens der Bahn kaum schnelle Abhilfe bringen würden, eher vielleicht in einem Jahr. Die personellen Engpässe ließen sich nicht so schnell einfach beseitigen. Es handele sich aber um ein vermeidbares Ärgernis, das den Bemühungen, mehr Pendler langfristig auf die Schiene zu bringen, konträr entgegenstehe. Ebenso sieht es der Grünen-MdB Konstantin von Notz, der oft zwischen Berlin und Mölln mit der Bahn unterwegs ist.

Matthias Wiemer

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