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Lauenburg Penny-Räuber aus Schwarzenbek verurteilt.
Lokales Lauenburg Penny-Räuber aus Schwarzenbek verurteilt.
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20:47 31.01.2018
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Schwarzenbek/Lübeck

„Ich hatte die Idee, in den Knast zu gehen", sagte der 39-Jährige. Laut Gericht ist der Angeklagte aus Liebeskummer am Abend vor dem Raubüberfall nach Hamburg gefahren und hat jeweils etwa zwei Gramm Heroin und Kokain geraucht. Zurück in Schwarzenbek habe er geweint und die Nerven verloren, als das Internet nicht funktionierte.

Ein Polizeibeamter, der zufällig im Markt stand, nahm die Verfolgung des Täters auf. „Komm, den holen wir uns“, habe er zu einem Passanten gesagt. Im Verbrüderungsring sah er in einem Laubengang einen Mann, auf den die Beschreibung zutraf, gab sich als Polizist zu erkennen und forderte ihn auf, sich auf den Boden zu legen. Er sei seinen Forderungen nicht nachgekommen, so dass er mit körperlicher Gewalt nachhelfen musste.

Auch im Gerichtssaal fängt der Angeklagte wieder an zu weinen. Seine Eltern sitzen im Saal, und seine Mutter gibt dem Verteidiger in der Verhandlungspause zu erkennen, dass sie bereit ist, gegen ihren eigenen Sohn auszusagen.

Vor allem emotional berührt ist aber die Kassiererin im Zeugenstand, die mit dem Messer bedroht und nach dem Überfall geschockt in eine Klinik gebracht wurde. „Olga komm her, wir sind überfallen worden“, rief sie weinend ihrer Kollegin am Backofen zu, als der Täter flüchtete. Der Mann mit zugeschnürter Kapuze auf dem Kopf und Messer in der Hand hatte sich auf die Worte „Kasse her“ beschränkt. Sie sei in der Folge lange krank gewesen und sei noch immer in psychiatrischer Behandlung, weil sie unter Angstzuständen leide.

Die Version des Angeklagten über die Festnahme weicht von der eines Polizisten ab. Der Polizist habe ihn am Hals gepackt und ihm wehgetan. Er habe sich zuvor freiwillig auf den Boden gelegt. Der Mann ist wegen Diebstahls und Drogenbesitzes vorbestraft und hat bereits zuvor eine mehrjährige Haftstrafe wegen räuberischer Erpressung verbüßt, was sich straferschwerend auswirkte. Ebenfalls negativ wirkte sich aus, dass das Opfer bis heute unter psychischen Problemen leidet.

Der 39-Jährige entschuldigte sich bei der Kassiererin. „Ich wollte niemandem etwas tun. Es hat sich einfach ergeben.“ Strafmildernd wirkte sich auch das Geständnis des Angeklagten aus. Laut psychiatrischem Gutachten gilt aufgrund eines erheblichen Kokainwertes im Blut des Angeklagten zum Tatzeitpunkt eine verminderte Steuerungsfähigkeit als sehr wahrscheinlich. Die verminderte Schuldfähigkeit senkte die zu verhängende Mindeststrafe von fünf auf zwei Jahre ab.

Die Staatsanwaltschaft plädierte auf eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren. Weil eine hohe Rückfallquote bestehe und dadurch eine Gefahr für die Öffentlichkeit drohe, wurde die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt für zwei Jahre angeordnet. Bei Erfolg könnte die Reststrafe danach zur Bewährung ausgesetzt werden.

Von Florian Grombein

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