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Lauenburg Per Videovisite zum Patienten
Lokales Lauenburg Per Videovisite zum Patienten
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21:48 26.01.2018
Dr. Henning Krämer, Internist am MZV Buntenskamp in Geesthacht, während seiner ersten Video-Visite. Der Mediziner ist per Computerbild mit Pflegepersonal und Patient verbunden – schnell und unkompliziert.  Quelle: Timo Jann
Geesthacht

„Man kann den Patienten zwar nicht anfassen, aber man kann natürlich sehen, in welcher Verfassung er ist. Und da wir diesen Service zunächst nur den uns bekannten Hausbesuchs-Patienten anbieten, erkennen wir natürlich Auffälligkeiten“, berichtet Krämer.

„Ab sofort bieten wir regelmäßige Video-Sprechstunden und Video-Notfallbehandlungen als ergänzendes Werkzeug zu unseren regulären, persönlichen Hausbesuchen bei den Heimbewohnern an“, erklärt Dr.

Barbara Hogan, die Geschäftsführerin und Ärztliche Leiterin des MVZ Buntenskamp. Der Gesundheitsversorger gehört damit zu den bundesweit ersten Anbietern dieses neuen Formats in der Patientenversorgung.

Den Auftakt für das telemedizinische Angebot macht das MVZ in Kooperation mit dem „Haus Elbsonne“ in Geesthacht. „Der demografische Wandel hat uns längst erreicht, darauf müssen wir irgendwie reagieren. Und Kapazitäten beim Rettungsdienst und in Notaufnahmen zu binden, weil ein Patient ‚komisch' ist, ist nicht sinnvoll. Da können unsere Hausärzte sicher oftmals durch einen Blick auf den Patienten schon erkennen, wie es um ihn steht“, erklärt Hogan.

Schneller Kontakt ins Seniorenheim

Bei der Premiere der Video-Visite gestern schaltete sich Henning Krämer über seinen Computer im Behandlungszimmer im zweiten Obergeschoss des MVZ in das Seniorenheim an der Johannes-Ritter-Straße. „Im ersten Schritt generiere ich einen Verbindungscode, den ich dann telefonisch an das Pflegepersonal durchgebe. Wenn der Code von beiden Seiten aktiviert ist, haben wir eine zertifizierte sichere Verbindung“, berichtet Krämer. Während er vor seinem Computer sitzt und über dessen Kamera für das Pflegepersonal und die Heimbewohner zu sehen ist, dient auf der anderen Seite ein Tabletcomputer mit Videokamera als Gegenstück. Krämer kann seinen Patienten und die Pflegekraft sehen, die er von Hausbesuchen ohnehin kennt. Der Patient kann seinen bekannten Arzt ebenfalls sehen. „Eine möglicherweise veränderte Hautfarbe oder die Atmung sind ja manchmal schon Anhaltspunkte, was vorliegen kann“, sagt Barbara Hogan. Dafür muss der Patient oftmals weder in die Klinik noch in die Praxis, und auch der Hausarzt muss nicht notfallmäßig anrücken.

„Der demografische Wandel mit einer immer älter werdenden Bevölkerung führt zu einem steigenden Bedarf der medizinischen Versorgung in Senioren- und Pflegeheimen. Dem gegenüber stehen sinkende Arztzahlen im niedergelassenen Bereich, insbesondere in ländlichen Gebieten“, erläutert die ärztliche Leiterin des MVZ. „Deshalb müssen wir bereits jetzt Konzepte entwickeln, um auch in Zukunft eine hochwertige medizinische Versorgung in unserer Region garantieren zu können.“ Zum Einsatz bei der Video-Visite kommt ein speziell auf die Arzt-Patient-Kommunikation zugeschnittenes Tool, das einen reibungslosen und in Datenschutzbelangen sicheren Ablauf der telemedizinischen Sprechstunde gewährleistet. „Auf diese Weise können wir das Pflegepersonal in unklaren Situationen mit einer schnellen, medizinischen Einschätzung unterstützen“, erklärt Barbara Hogan.

Zurzeit absolviert das MZV die ersten Schritte, doch der Gesundheitsversorger hat weitere Pläne. Immerhin hat das MVZ etwa 80000 Patienten-Kontakte pro Jahr. Als ehemalige Präsidentin der Europäischen Gesellschaft für Notfallmedizin und der Deutschen Gesellschaft für Notfall- und Akutmedizin gehört Barbara Hogan europaweit zu den erfahrensten Experten für Notfall- und ambulante Medizin sowie deren Prozesse und Behandlungskonzepte. „Ich sehe bisher nicht, dass wir die Video-Visite für alle Patienten anbieten können. Aber es ist ein wichtiger Schritt zur Entlastung des Systems“, sagt sie. „Man hat ja ein Bild seines Patienten vor Ort, das man natürlich auch braucht, um bei der Video-Visite Auffälligkeiten erkennen zu können“, sagt Krämer.

„Die Video-Visite ist sehr innovativ“, erklärt Dr. Carsten Leffmann, ärztlicher Geschäftsführer der Ärztekammer Schleswig-Holstein. Leffmann: „Aus Sicht der Ärztekammer ist das eine sehr interessante Sache. Gerade hier in Schleswig-Holstein, wo im ländlichen Bereich die Wege manchmal weit sind.“ Er führt beispielsweise die Zuckerkrankheit als Paradebeispiel einer Video-Diagnose an.

 Von Timo Jann

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