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Lauenburg Personalmangel beim Blitzermarathon
Lokales Lauenburg Personalmangel beim Blitzermarathon
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19:13 21.04.2016
Für Autofahrer ist die Geschwindigkeitsmessanlage Leiftec XV3 des Kreises kaum zu sehen. Und wer zu schnell ist, sieht auch keinen Blitz. Die Anlage kommt ohne aus. Quelle: Jens Burmester

Den Polizisten in Geesthacht steht für die Verkehrsüberwachung ein Lasermessgerät vom Typ Laveg zur Verfügung. Ähnliche Geräte gibt es auch in Schwarzenbek und Lauenburg. Doch beim bundesweiten Blitzermarathon gestern blieben die Geräte im Schrank — wegen Personalmangel. Statt dessen setzte die Polizei morgens in Escheburg (Höhe Bergsiedlung) und nachmittags an der Lauenburger Straße in Schwarzenbek ihre Lichtschranke ein. Die Kreisverwaltung postierte ihre beiden Videoanlagen in Lauenburg, Büchen, Talkau, Alt-Mölln und Ratzeburg.

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Zumindest die Lasermessgeräte der Polizisten blieben aus Mangel an verfügbaren Kräften im Schrank — Trotz Ankündigung reichlich Verstöße — Unerwartete Orte für Radarfallen.

„Ziel des Blitzermarathons ist es, die Aufmerksamkeit der Autofahrer gezielt auf die Geschwindigkeit zu richten“, erklärte Polizeisprecher Holger Meier an der Messstelle in Escheburg. Meier: „Es geht nicht darum, viele Verstöße festzustellen, sondern darum, Präsenz zu zeigen und auf das Thema Geschwindigkeit als Unfallursache Nummer eins hinzuweisen.“ Dem ersten Anschein nach brachte die öffentliche Bekanntgabe des Messpunktes in Escheburg zwar einen Effekt — doch zufrieden waren die Beamten damit nicht. Statt sonst zehn bis 15 Prozent Beanstandungsquote waren es gestern Morgen in Escheburg knapp zehn Prozent. 1868 Autofahrer wurden in Escheburg von der Polizei kontrolliert, 144 waren zu schnell — für einen bekannten Messpunkt zu viel.

Der Kreis hatte seine Messstellen, wie an der Hafenstraße in Lauenburg, vorab gar nicht öffentlich bekannt gegeben. So wurde gestern trotz der allgemeinen Vorabinformation doch noch an Orten geblitzt, die eben nicht bekannt waren. Ärgerlich für die Autofahrer, die sich auf ihrer Fahrtroute vorab über die Blitzer informiert hatten.

„Hier in Escheburg stehen wir an einem Ort, der als Deliktschwerpunkt gilt. Hier wird oft zu schnell gefahren, obwohl hier Kinder die Straße kreuzen müssen, um die Bushaltestellen zu erreichen“, berichtet Jürgen Rodehorst vom Messtrupp der Polizei. Die Kameras waren an einem Laternenmast und hinter einem Buswartehäuschen platziert und für Autofahrer, die zu schnell unterwegs waren, nicht rechtzeitig zu erkennen. Dann leuchtete ihnen der rote Blitz aus der etwa 100000 Euro teuren Überwachungsanlage entgegen. „Das hat auch nicht mit Abzocke zu tun, man muss sich einfach nur an die Regeln halten“, sagte Rodehorst. Er empfiehlt ein Reaktionstraining, das abhängig von der gefahrenen Geschwindigkeit zeigt, wie weit Reaktions- und Bremswege bei unerwarteten Hindernissen sind. Bei 40 Stundenkilometern kann man bei einer Gefahrenbremsung von acht Metern ausgehen, bei Tempo 60 sind es 18 und bei 80 schon 32 Meter. Da sei es schwierig, einem Kind noch auszuweichen oder vor ihm anzuhalten, appelliert Rodehorst auf Rücksichtnahme.

„2015 hatten wir alle 3,5 Tage einen Toten und täglich 44 Verletzte auf den Straßen in Schleswig-Holstein durch Verkehrsunfälle“, macht Meier deutlich, wie wichtig es ist, sich an die Verkehrsregeln zu halten. „Hinter jedem Toten stecken auch menschliche Tragödien in den betroffenen Familien“, weiß Rodehorst. Bei den Opfern wie bei den Verursachern. Er spricht an den Messstellen auch gerne mit Autofahrern oder Anwohnern über das Thema Verkehrsüberwachung. „Wir sind immer ansprechbar“, sagt er.

Unauffällige Messung dank Lasertechnik

Für Autofahrer ist die kleine Geschwindigkeitsmessanlage vom Typ Leiftec XV3 des Kreises Herzogtum Lauenburg kaum zu sehen. Und wer zu schnell ist, sieht auch keinen Blitz, denn die Anlage macht am Tage auch ohne Blitz knackscharfe Fotos. Die Daten werden übrigens per W-Lan an den Empfänger gesendet, den der Mitarbeiter des Kreises in seinem Fahrzeug in einer maximalen Entfernung von 50 Metern im Auge hat. Jetzt beim Blitzermarathon sind die meisten Autofahrer mit relativ normaler Geschwindigkeit unterwegs. Auf der Bundesstraße 207 in Höhe der Alt Möllner Mühle zählte der Mitarbeiter zwischen 10 und 12 Uhr etwa 1000 Fahrzeuge in Richtung Norden. Genau diese Richtung wurde ausgemessen und wer bei erlaubten 70 km/h mindestens 79 km/h oder schneller unterwegs war, bekommt demnächst Post von der Bußgeldstelle. Das waren in diesem 120-minütigem Zeitraum gerade einmal 50 Autofahrer. Der schnellste Fahrer wurde in diesem Zeitraum mit 105 km/h gemessen.

Kreissprecher Karsten Steffen hatte die Zahlen des vergangenen Jahres parat: „Die Polizei erwischte im ganzen Jahr 2015 insgesamt 10400 Raser. Daraus resultierten Buß- und Verwarngelder in Höhe von exakt 859681,43 Euro. Die beiden Messanlagen der Kreisverwaltung waren noch erfolgreicher. Sie erwischten 39000 Autofahrer und erwirtschafteten für den Kreis die stolze Summe von 1014186,80 Euro im vergangenen Jahr. jeb

Von Timo Jann

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