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Lauenburg Plakative Botschaft zum „WeiterDenken“
Lokales Lauenburg Plakative Botschaft zum „WeiterDenken“
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12:03 25.07.2016
Zur Eröffnung der Plakat-Ausstellung waren etliche Künstler und Kunstinteressierte, aber auch Freunde des Museums Grenzhus gekommen. Links im Bild Dr. William Boehart.

Idylle pur. Noch scheint die Sonne, doch es liegen Anzeichen der Abenddämmerung in der Luft. Warm ist es. Sehr warm. Vögel zwitschern, im Garten des Schlagsdorfer Grenzhus’ sitzen, stehen, lustwandeln Menschen, freundlich miteinander ins Gespräch vertieft. Auf dem Rasen stehen fröhlich bunte Farbtupfer, perfekt zur sommerlichen Stimmung passend.

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Zur Eröffnung der Plakat-Ausstellung waren etliche Künstler und Kunstinteressierte, aber auch Freunde des Museums Grenzhus gekommen. Links im Bild: Dr. William Boehart.

Dann der genaue Blick auf den leuchtenden Blickfang. Es sind Plakate, kritische Plakate. Hier wird die Ausstellung „WeiterDenken“ eröffnet, die bis zum 4. September zu sehen sein soll.

„Das Denkwürdige an unserer denkwürdigen Zeit ist doch, dass wir immer noch nicht denken“, sagt William Boehart. Andreas Wagner, Leiter des Museums Grenzhus, freut sich, dass er den Vorsitzender des Lauenburgischen Kunstvereins für die Eröffnung der Ausstellung „WeiterDenken – 27 Jahre nach der friedlichen Revolution“ gewinnen konnte. 21 Künstlerplakate zieren nun den Garten, Boehart will jedes einzelne kommentieren. Vorher aber gehört die Aufmerksamkeit Sopranistin Brita Rehsöft. Die Künstlerin aus Stove bei Carlow greift in die Saiten ihrer Gitarre und singt – „Die Gedanken sind frei“.

Eine Steilvorlage, die William Boehart gern aufnimmt. „Was gibt uns die Geschichte mit auf den Weg? Welche Gedanken sind neu?“ Das hat Andreas Wagner seine Gäste in der Begrüßung gefragt. Boehart erklärt, dass die Plakate für zwei Ausstellungen gefertigt wurden, die 2014 und 2015 in Ratzeburg zu sehen waren. Die Künstler sollten ihre Sicht auf den – andauernden? – Prozess der deutschen Einheit darstellen. „Heute sehen wir nun eine weitere Station, nämlich diese Ausstellung im Garten. Sabine und Christian Egelhaaf sind seit drei Jahren dabei. Danke für eure emsige Arbeit.“

Der Name WeiterDenken sei Programm, betont Boehart, „deswegen läuft das Programm auch weiter“. Er nimmt seine Zuhörer mit auf eine Reise in die Entwicklungsgeschichte der Plakatkunst. In Deutschland ist das Thema heute vor allem mit einem Namen verbunden: Klaus Staeck. Der 1938 in der sächsischen Kleinstadt Pulsnitz geborene Grafikdesigner, Karikaturist und Jurist war von April 2006 bis Mai 2015 Präsident der Akademie der Künste in Berlin. Was seine Arbeit auszeichnet? Provokation! Mit seinen Motiven trieb Klaus Staeck Politiker jahrelang zur Weißglut. Nun steht eine Arbeit von ihm im Garten des Schlagsdorfer Museums. Staeck hat mal wieder nicht lange gefackelt. Er hat den Betrachter auf einen Blick an den Hammelbeinen. Ein paar Schlagworte nur, und wir dürfen über unser Verhalten, unseren Medienkonsum nachdenken. Apple. Google. Facebook. Was treiben wir da eigentlich tagein, tagaus? Weiterdenken!

Das Plakat, das Christian Egelhaaf beigesteuert hat, zeigt einen Radfahrer mit einem halsbrecherischen Manöver, dazu in großen Lettern „Mut tut gut“. Ja, sagt Boehart, „wir brauchen alle viel mehr Mut“. Sabine Egelhaaf zitiert auf ihrem Plakat Franziskus: „Was gerade vor sich geht, stellt uns vor die Dringlichkeit, in einer mutigen kulturellen Revolution voranzuschreiten“. Diese Aussage stammt aus der Enzyklika „Laudato Si“ des Papstes. Egelhaafs Plakat veranlasst Boehart zu sinnieren. „Wozu gibt es Kultur? Sie ist nicht nur die Sahne auf der Torte. Sie ist das, was uns vorantreibt!“

Bei manchen Plakaten stellen sich die Gäste gemeinsam der Frage, die schon Generationen von Schülern schier verzweifeln lassen hat: Was will uns der Künstler sagen? Bei der Arbeit der Ratzeburger Künstlerin Regine Bonke ist es ganz klar. „Wagen zu wissen“ steht schwarz auf weiß auf ihrem Plakat. „Das ist doch unser großes Thema heute“, sagt sie. „Was will ich wissen? Will ich alles wissen? Denn: Wenn ich etwas weiß, muss ich womöglich handeln.“

William Boeharts Lieblingsarbeit legt den Finger in die Wunde. Die Leiterin des Künstlerhauses Schloss Plüschow, Miro Zahra, hat nach dem Vorbild der ehemaligen Auto-Länderkennzeichen in das Oval schlicht „Ich“ geschrieben. „Das zeigt, was Plakatkunst kann, prägnant, eben plakativ. Heute herrscht das Ich, wir leben im Zeitalter des Egozentrismus.“

Wer selbst weiterdenken und sich dabei von den Plakaten inspirieren lassen möchte, hat dazu noch bis Anfang September Gelegenheit. Kunst im Garten auf dem platten Land – Idylle pur!

„WeiterDenken. 27 Jahre nach der friedliche Revolution“: Künstlerplakate im Garten des Museums Grenzhus, Schlagsdorf, Neubauernweg 1. Öffnungszeiten: montags bis freitags 10 bis 16.30 Uhr, sonnabends und sonntags 10 bis 18 Uhr. Eintritt: 4,00, ermäßigt 3,00 Euro. Die Plakatausstellung im Garten ist kostenfrei zugänglich. – Am 24. und 25. August laden Sabine und Christian Egelhaaf Kinder und Jugendliche zu einem Plakat-Workshop ein. Am 4. September, 15 Uhr, wird die Finissage gefeiert, mit Vorstellung der Workshopergebnisse und anschließend Gespräche bei Kaffee und Kuchen.

Definition und Geschichte des Plakats

Ein Plakat ist ein großer, in der Regel mit Text und Bild bedruckter Bogen aus Papier, der an einer Plakatwand, einem Plakatreiter, einer Litfaßsäule oder einer anderen geeigneten Fläche in der Öffentlichkeit angebracht wird, um eine Botschaft zu übermitteln. Seinem Wesen nach ist das Plakat eine Mitteilung an eine anonyme Gruppe von Empfängern. Der Absender kann nicht unmittelbar kontrollieren, ob seine Botschaft den einzelnen Empfänger erreicht und wie dieser darauf reagiert.

Der Satiriker Johann Fischart verwendete 1578 erstmals in Deutschland das Wort Plakat in der Bedeutung einer Bekanntmachung der Obrigkeit.

Mitte der 1930er Jahre kam das Wort aus dem Amerikanischen („Poster“) im deutschen Sprachraum an. Die Kölnische Illustrierte Zeitung überschrieb in ihrer Ausgabe vom 9. Februar 1935 einen Artikel mit „Plakat – ein neues photographisches Schlagwort aus Amerika“. Es wurde zum bedeutendsten Werbemittel bis zum TV um 1970.

Seither hat sich das Plakat kaum verändert. Damals wie heute wurde es in hoher Auflage gedruckt, war groß, farbig, auffällig, enthielt Bild und Schrift in möglichst sinnvoller Anordnung. Quelle: Wikipedia

 Dorothea Baumm

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