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Lauenburg Pogeez: Anwohner wehren sich gegen Verkehr
Lokales Lauenburg Pogeez: Anwohner wehren sich gegen Verkehr
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12:40 31.08.2018
Mit einer Petition und einer dicken Unterschriftenliste wenden sich (v. l.) Timo Schmidt, Hartmut und Hanne Matthiesen sowie Nadine Ryll aus Pogeez und Groß Sarau an den Schleswig-Holsteinischen Landtag. Sie fordern ein Tempolimit von 30 km/h innerorts in Pogeez und Groß Sarau sowie hier auch ein allgemeines Durchfahrtsverbot für Lkw über 7,5 Tonnen. Rechts die Bürgermeisterin von Pogeez, Christiane Füllner. Quelle: Strunk Joachim
Pogeez/Groß Sarau

Mit dem Neubau der B 207 von Lübeck nach Ratzeburg 2014 sollten die Orte Groß Sarau und Pogeez eigentlich vom Durchgangsverkehr entlastet werden. Doch immer noch heizen schwere Lkw und schnelle Autofahrer auf der jetzt zur Landesstraße heruntergestuften Strecke.

Um sich gegen diesen ihrer Meinung nach ungebremsten Schwerlast- und Durchgangsverkehr zur Wehr zu setzen, haben mehrere Bürger aus Groß Sarau und Pogeez in den vergangenen Monaten Unterschriften gesammelt. Geschätzt mehr als 90 Prozent der aufgesuchten und angetroffenen Bewohner der an der jetzigen L 331 liegenden Orte haben sich auf der Liste registriert: „In Groß Sarau haben 193 und in Pogeez 217 Einwohner unterzeichnet“, sagt Hanne Matthiesen aus Groß Sarau.

Lärm ist ein Stressfaktor

„Wir haben hier 2013 unser Haus in zweiter Reihe gekauft“, erzählt ihr Mann Hartmut. „Als wir den Makler nach dem Verkehrsaufkommen fragten, sagte er, das hört auf mit der Inbetriebnahme der B 207neu“. Und Nadine Ryll, die einige Zeit später gemeinsam mit ihrer Familie ihr Haus im Pogeezer Neubaugebiet „Sandfeld“ bezogen hatte, ergänzt: „Wir wollten eigentlich in einen ruhigen Ort ziehen. Aber wir müssen die Fenster schließen, um den Lärm nicht reinzulassen. Das ist ein Stressfaktor. Ich habe schon am ersten Tag geweint.“

Auszüge im Wortlaut

„Im Namen der Bürgerinnen und Bürger der Gemeinden Groß Sarau und Pogeez reichen wir folgende Petition ein: Tempo 30 und Durchfahrtsverbot für nicht dort liefernde Lkw über 7,5 Tonnen in den an der L 331 liegenden Gemeinden am Ratzeburger See Groß Sarau und Pogeez zwecks deutlicher Verkehrs-, Lärm- und Schadstoffausstoßreduzierung in einer naturschutzähnlichen Region. . .

Daneben geht es in nicht unerheblichem Maße um die Sicherheit der dort lebenden Kinder. Sämtliche Bushaltestellen befinden sich an der L331. Es gibt genügend Eltern, die sich trotz Fußgängerampeln gezwungen sehen, ihre Kinder täglich zu den Haltestellen und zurück zu begleiten. Die Einwohner- und Kinderzahl in beiden Orten hat mit jeweils einem neuen Baugebiet an der L331 und weiteren geplanten in den nächsten Jahren zugenommen bzw. wird weiter zunehmen. . .

Die Bürger empfinden es als völlig widersinnig, wenn Bund und Land mit einem zweistelligen Millionenbetrag, nicht zuletzt auf Drängen der Gemeinden, eine schnelle Umgehungsstraße bauen und dann durch mangelnde verkehrslenkende Maßnahmen die angestrebten Ziele nicht erreicht werden.“

Auf das Problem des weiterhin bestehenden Durchgangsverkehr hat auch Christiane Füllner, Bürgermeisterin von Pogeez, schon öfter hingewiesen. „Wir haben vor den Sommerferien zwei mobile Geschwindigkeitsmessgeräte gekauft und aufgestellt. Dabei haben wir mehrere Autos mit über 90 km/h registriert – und zwar nachmittags gegen 16 Uhr!“

Zwei Kilometer kürzer

Zu diesen verantwortungslosen Rasern gesellen sich auffallend viele Schwerlaster. „Das sind auch immer wieder dieselben: beispielsweise die einer Holzfirma aus Mölln oder eines Möbelunternehmens aus Schönberg“, kennt Füllner ihre Pappenheimer. Statt wie erhofft, in Lübeck-Süd auf die neue B 207 ab- und gen Ratzeburg und weiter südlich zu fahren, nutzen viele Transportfahrer wie eh und je die Abfahrt Groß Sarau und preschen nicht gerade zimperlich durch diesen Ort und das folgende Pogeez.

Dass es sich dabei um Lkw-Maut-„Flüchtlinge“ handelt, kann sich Füllner eigentlich nicht vorstellen, denn die Mautsäule steht ohnehin erst kurz vor Ratzeburg an der B 207. „Aber die Strecke ist zwei Kilometer kürzer. Bei häufigen Fahrten macht sich das schon bemerkbar.“ Sie hat sich auch schon bei der Verkehrsaufsicht des Kreises beschwert – bislang vergeblich.

Auf Facebook diskutieren Leser und Betroffene das Thema sehr angeregt:

Auch nach Verlegung der #Bundesstraße 207 klagen Bewohner in #Pogeez über zu viel Verkehr.

Gepostet von Lübecker Nachrichten Herzogtum Lauenburg am Donnerstag, 30. August 2018

Kreissprecher Tobias Frohnert: „Das Problem ist der Verkehrsaufsicht des Kreises bekannt. Rechtlich gibt es derzeit jedoch keine Möglichkeit, Lkw ,auszusperren’. Die Daten der letzten Verkehrszählung genügten nicht, um das Tempolimit herabzusetzen oder ein Durchfahrtsverbot zu verhängen. Die Situation wurde seinerzeit geprüft und abgeschlossen. Es gibt derzeit kein offenes Verfahren für die beiden Orten betreffend die L 331.“

Durch die Einführung der Lkw-Maut für Bundesstraßen könnte sich für die L 331 als potentielle „Maut-Ausweichstrecke“ in einer erneuten Verkehrszählung nun aber etwas Neues ergeben, macht Frohnert den Kritikern etwas Hoffnung. „Ein entsprechender Antrag oder eine Petition liegen der Verkehrsaufsicht derzeit jedoch noch nicht vor. Die Aussicht auf Erfolg hängt von den neu zu erhebenden Daten ab. Ein Lkw-Durchfahrtsverbot und/oder ein Geschwindigkeitsreduzierung wären aber möglich, wenn die entsprechenden Voraussetzungen vorliegen.“

Potenzielle Ausweichstrecke

Im Übrigen weise auch ein Verkehrsschild an der B 207 Lkw-Fahrer darauf hin, dass sie zur A 20 auf der B 207 bleiben können. Frohnert: „Außerdem wurde dem Land die L 331 als potentielle Maut-Ausweichstrecke gemeldet. Hierüber sind die Gemeinden informiert und gebeten worden, dass festgestellte Veränderungen des Verkehrsaufkommens gemeldet werden, damit daraufhin erneut straßenverkehrsrechtliche Maßnahmen geprüft werden können.“

Hanne und Hartmut Matthiesen, Nadine Ryll und Timo Schmidt hoffen darauf. Ihre Klage mit der dicken Unterschriftenliste haben sie Ende vergangener Woche an den Petitionsausschuss des Landtags in Kiel geschickt – in Kopie ans Wirtschafts- und Verkehrsministerium, an Klaus Schlie als Vertreter der Bürger des Kreises sowie an Ministerpräsident Daniel Günther.

Joachim Strunk

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