Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg Politik mit Jungwählern: Erste Müdigkeit nach einer Stunde
Lokales Lauenburg Politik mit Jungwählern: Erste Müdigkeit nach einer Stunde
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:02 06.04.2017
Unter der Moderation des Ratzeburger VHS-Leiters Holger Martens (ganz rechts) stellten sich fünf Kandidaten der im Landtag vertretenen Parteien dem programmatischen Wettstreit im Ratzeburger Ratssaal. Schüler der Lauenburgischen Gelehrtenschule hatten die Parteiprogramme analysiert. Quelle: Fotos: Wr
Ratzeburg

Junge Leute und Politik – zwei Dinge, die oft nicht so recht zusammenkommen wollen. Die Ratzeburger Volkshochschule hatte jetzt zu einer Wahlveranstaltung mit Kandidaten der im schleswig-holsteinischen Landtag vertreten Parteien speziell mit Jungwähler/innen aus Ratzeburg eingeladen. Und die Mädchen und Jungen der Lauenburgischen Gelehrtenschule haben zu der Kandidatenrunde im Ratssaal des Rathauses ein beachtliches Stück Arbeit vorlegt: Aus jeweils 80 bis 100 Seiten Wahlprogramm der Parteien hatten sie eine vergleichende Übersicht mit unterschiedlichen oder ähnlichen Schwerpunkten auf ganzen drei Seiten erstellt. So wurde auch dem nur oberflächlich Interessierten schneller deutlich, worin sich die Parteien unterscheiden.

 

„Wir sind gegen ein ständiges Hü-und-Hott in der Politik. Christin Hönemann, Piraten
„Inklusion braucht die Förderschulen als Assistenz. Burkhard Peters, Grüne
„Sozialstatus darf nicht über Bildung entscheiden. Manfred Börner, SPD
„G 8 war der falsche Weg, das ist die Resonanz aus den Schulen.Klaus Schlie, CDU
„Personal in den Schulen, das ist die große Baustelle.Christopher Vogt, FDP

Ein wichtiges Stück Arbeit, denn in den bewusst knapp gehaltenen Statements der fünf Parteienvertreter waren naturgemäß kaum alle Themen der Landespolitik unterzubringen. In die Bereiche Bildung, Wirtschaft und Umwelt hatten die Schüler die Parteiprogramme untergliedert, auf Unterschiede und Schwerpunkte abgeklopft und in Kurzübersichten vorgestellt. Unter der Moderation des VHS-Leiters Holger Martens stellten die Kandidaten ihre Schwerpunkte zu den Themen dar, gefolgt von Fragen aus dem Publikum.

Inklusion, G8 oder G9, Windkraft, Belt-Querung, nachhaltige Landwirtschaft, Verkehrsinfrastruktur – Nicht einfach, sowohl für die Kandidaten als auch für die Wählergemeinde, sich in der Fülle der Themen zu orientieren. Da hat schon mal leicht derjenige mit der besten Vortragskunst die Nase vorn. Klaus Schlie (CDU) – der Jahrgangs-Politprofi; konzentrierte, straff gegliederte Statements, gekonnt gewürzt mit Seitenhieben auf die Mitbewerber. Manfred Börner (SPD) – der am Sachbezug orientierte Neuling; programmnah, eher defensiv als angriffslustig. Christopher Vogt (FDP) – der Jüngste, aber erfahren und routiniert; spricht am ehesten die Sprache junger Leute, argumentationsstark, streitbar. Burkhard Peters (Bündnis90 /Die Grünen) – der ökologisch-bodenständige Gewissensvertreter; diskursfreudig, benennt oft Fragestellungen ohne Anspruch auf schlussendliche Antworten. Christin Hönemann (Piraten) – die Sachorientierte; uneitle, knapp gehaltene Statements, nur wegen der blaugrau getönten Haarsträhnen etwas schillernd.

Bleibende Eindrücke des fast dreistündigen Abends: 1. Politik wird anstrengend, wenn der unterhaltsame Klamauk ausbleibt, kann aber auch interessant sein, wenn sachorientiert diskutiert wird. 2. Man kennt sich, dutzt sich über Parteischranken hinweg. Die vielbeschworenen Risse durch die Gesellschaft – im Lauenburgischen geht’s noch beschaulich zu. 3. Gekonnt zu pointieren, ist nicht jedem Kandidaten gegeben. Wer sich im Kleinklein der Themen verheddert, erntet müde Gesichter, vor allem beim jungen Publikum. 4. Die Sachkenntnis ist durchaus unterschiedlich verbreitet. Mancher Kandidat flüchtet sich bei Detailfragen schnell in die Grauzonen der Allgemeinplätze. 5. Bei aller Geselligkeit werden am Ende eklatante Streitpunkte deutlich, als da sind: Beltquerung, Naturschutzumsetzung, A 20-Erweiterung und Landwirtschaft. Die CDU- und FDP-Vertreter üben am häufigsten Blickkontakt – Alte schwarz-gelbe Koalitionszeiten lassen grüßen.

Nach der ersten Stunde macht sich vor allem in den Reihen des jungen Publikums erste Müdigkeit breit. Nach einer weiteren halben Stunde lichten sich die Reihen. Die meisten Fragen, die auf politischen Hintergrund schließen lassen, kommen von reiferen Zuhörern.

Ende der ersten Runde in der Kandidatenmanege. Bis zum Wahltag am 7. Mai gibt es für manchen noch manches zu üben.

„Jetzt weiß man besser, was man wählen kann“

„Es war ganz gut, dass wir Einblick in die unterschiedlichen Parteiprogramme bekommen haben, und so eine gewissen Vorstellung über die Ziele und Unterschiede der Parteien gewonnen haben. So haben wir nun bessere Vorstellungen von dem, was wir wählen können.“ (Beke, LG-Schülerin).

„Es hat sehr geholfen, sich einen genauen Überblick über alle Parteien zu verschaffen. Hier war interessant, wie sich die Politiker verhalten haben, wie sie aufeinander eingegangen sind. Da hacken sie in einem Moment auf einander ein und im nächsten Augenblick sind sie wieder per Du und die besten Freunde.“ (Siemon, LG-Schüler)wr

 Matthias Wiemer

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!