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Lauenburg Polizei beschlagnahmt kistenweise Waffen
Lokales Lauenburg Polizei beschlagnahmt kistenweise Waffen
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22:44 06.04.2016
Große Durchsuchungsaktion in Dassendorf: 30 Polizisten waren auf der Suche nach Waffen und stellten umfangreiches Material sicher. Quelle: Timo Jann
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Dassendorf

Jetzt geht es darum, die sichergestellten Gegenstände strafrechtlich zu bewerten. Das könne dauern, hieß es. Vor zehn Jahren hatte die Polizei bei dem Mann, der Mitglied im Schützenverein und Bundeswehr-Reservist ist, schon einmal Waffen beschlagnahmt. Der 49-Jährige hat zwar einen Waffenschein, soll aber über illegale Waffen verfügt haben.

Dassendorfer Schütze und Bundeswehr-Reservist hatte überall im Haus Munition und Schusswaffen versteckt.

Wir bekommen in letzter Zeit verstärkt Hinweise, wen wir uns mal ansehen müssten“, erklärte Karsten Steffen, der Sprecher der Kreisverwaltung. Die Menschen seien im Umgang mit Waffen sensibler geworden, dulden vieles nicht mehr, heißt es.

Trotz der stundenlangen Durchsuchung bleibt der Fall brisant: Einerseits hatte sich V. am Dienstag selbst wegen gesundheitlicher Probleme aufgrund von Alkoholkonsum in die Psychiatrie des Johanniter-Krankenhauses einweisen lassen, andererseits fand die Polizei bei der Durchsuchung gestern seine legalen Waffen nicht. V. war den Behörden außer durch seine in Schieflage geratene Lebenssituation auch aufgefallen, weil er mit seinen Nachweisen, die er als Sportschütze regelmäßig bei den Behörden liefern muss, deutlich in Verzug geraten war.

Der arbeitslose Elektriker lebt seit Jahren alleine in einem Einfamilienhaus, das er im Garten seines Elternhauses am Stemmenkamp gebaut hatte. Immer wieder war die Polizei in den vergangenen Wochen bei dem 49-Jährigen im Einsatz, zuletzt am Wochenende, weil er seinen Selbstmord angedroht hatte.

Die Ordnungsbehörden von Amt Hohe Elbgeest und Kreis Herzogtum Lauenburg waren aufgrund der erforderlichen Gefahrenabwehr schon länger in dem Fall aktiv. Am Montag beantragten sie schließlich einen Durchsuchungsbeschluss, den das Schwarzenbeker Amtsgericht am Dienstag erließ. Gestern Morgen um 6 Uhr schlug schließlich das Spezialeinsatzkommando (SEK) der Polizei aus Kiel zu: Die Spezialisten brachen die Türverkleidung auf, drangen in das Haus ein, trafen den Bewohner aber nicht an. Die Beamten wussten zunächst nichts von dem Klinikaufenthalt. Nach dem Einsatz des SEK rückten Polizisten aus Schwarzenbek an, unterstützt vom technischen Zug der Bereitschaftspolizei aus Eutin. Die Beamten ließen keinen Stein auf dem anderen. Überall, wo sie nachschauten, fanden sie Waffen, Teile von Waffen oder Munition. Selbst in Müllsäcken hinter Brennholzstapeln im Garten hatte V. sie versteckt.

Bis zum Nachmittag dauerte der Einsatz in der ruhigen Wohnstraße. „Wenn wir durchsuchen, dann ja auch richtig“, sagte Polizeisprecherin Sonja Kurz. Die Polizei war allerdings nur in Amtshilfe für Amt und Kreis aktiv. Mit einer Rohrkamera untersuchte ein Polizist den Inhalt eines Holzfasses. Mit einem Metalldetektor wurden die Betonplatten der Terrasse und des Gartenwegs abgescannt und bei Signalen aufgenommen. Andere Polizisten drehten Blumenvasen im Haus auf den Kopf oder durchsuchten einen älteren Mercedes in der Garage auf dem Hof. Die Polizisten, die im Einsatz waren, hatten bei der Suche nach vermuteten illegalen Waffen einiges zu tun — und fanden fast an jeder Stelle, wo sie suchten, etwas.

Nachbarn wunderten sich tagsüber über das mit zehn Fahrzeugen angerückte Aufgebot, von dem Einsatz des SEK im Morgengrauen hatten sie nichts bemerkt. Nur die aus der Tür gehebelte Füllung deutete darauf hin, dass sich hier jemand Zutritt verschafft hatte, der die Tür nicht normal öffnen konnte. Das SEK hatte die Füllung kurzerhand herausgehebelt. Der Einsatz des Kommandos war laut Polizei nötig, weil man nicht einschätzen konnte, wie Carsten V. reagiert, wenn die Behörden vor der Tür stehen.

Es wurde Zeit, dass etwas unternommen wurde, wird in Dassendorf gemunkelt. Hausbesitzer Carsten V. war vielen im Dorf als schwierig und als Waffennarr bekannt, fiel zuletzt immer wieder wegen Alkoholproblemen auf. Entsprechende Hinweise zu seinem Waffenarsenal erreichten auch das Ordnungsamt des Amtes Hohe Elbgeest, das schließlich handelte. Ergebnis: Die Stunden dauernde Durchsuchungsaktion gestern.

Doch obwohl die Polizei kistenweise Waffen und Munition sicherstellte, scheint die Gefahr nicht gebannt zu sein: V. gilt als unkooperativ, er gab weder die Verstecke seiner illegalen Waffen bekannt, noch verriet er den Behörden, wo er seine Waffen, die er als Sportschütze mit Waffenschein besitzen darf, lagert. Und diese offiziellen und registrierten Waffen sind nach Informationen unserer Zeitung weiter verschwunden. Der Fall wird die Behörden also weiter beschäftigen.

Von Timo Jann

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