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Lauenburg Polizist lagerte Pumpgun und hunderte Patronen
Lokales Lauenburg Polizist lagerte Pumpgun und hunderte Patronen
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21:17 14.07.2016
Am Amtsgericht Schwarzenbek befasste sich das Schöffengericht unter Richter Suntke Aden mit dem unerlaubten Waffenbesitz. Quelle: Grombein

Ein 41-jähriger Polizeihauptkommissar aus einem kleinen Ort im Süden des Kreises Herzogtum Lauenburg ist gestern wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz zu einer Freiheitsstrafe von elf Monaten auf Bewährung verurteilt worden.  Das Amtsgericht Schwarzenbek sieht es als erwiesen an, dass er eine so genannte Vorderschaftrepetierflinte (englisch: Pumpgun) und hunderte Patronen verschiedenen Typs zu Hause hortete. Dafür hatte der Beamte keine Besitzerlaubnis.Weil der Polizist ein in Deutschland verbotenes Laserzielgerät aus China bei Ebay bestellt hatte, wurde der Zoll auf den Angeklagten aufmerksam.

Aus dem

Gerichtssaal

Bei einer Hausdurchsuchung im November 2015 fanden Zoll und Polizei in einem abschließbaren Wandschrank im Flur seines Einfamilienhauses die besagte Pumpgun, ein Luftgewehr, einen Schlagring, Wurfsterne und andere asiatische Kampfsportwaffen. Der 41-Jährige gab die Vorwürfe zu. Er sagte aus, er habe die Waffen aus der Wohnung seiner mittlerweile verstorbenen Mutter geholt, um deren Ansehen zu schützen. Seine Mutter sei Mitglied in der rechtsradikalen und verbotenen Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP) gewesen.

„Es tut mir unendlich leid. Das war ein riesiger Fehler“, erklärte der durchtrainiert wirkende Angeklagte in Jeans und gut sitzendem Jackett. Seine Verteidigerin hatte vor seiner Aussage noch darauf hingewiesen, dass ihr Mandant furchtbar aufgeregt sei. Die Aussage des 41-Jährigen war dann sehr flüssig, wirkte jedoch an vielen Stellen abgelesen. Seine todkranke Mutter habe ihn aus dem Hospiz heraus gebeten, etwas, das ihrem Ansehen nach dem Tode schaden könne, aus einem Versteck unter dem Bettkasten in Hamburg-Horn zu holen.

Von den Waffen will der in Hamburg tätige Polizist nichts gewusst haben. Die Waffen, Munition sowie einige eindeutige Devotionalien zu finden, sei eine Überraschung gewesen. Der Angeklagte gab an, ein eher distanziertes Verhältnis zu seiner Mutter gehabt zu haben. Sie habe unter Suchtproblemen gelitten und immer wieder schlecht über Ausländer geredet. Außerdem sei sie in die FAP eingetreten und habe versucht, auch ihn zum Eintritt zu bewegen.

„Ich war erschrocken und entsetzt, konnte keinen klaren Gedanken fassen“, so der 41-Jährige. Er habe die Waffen mitgenommen und zuhause im Lauenburgischen im Flurschrank eingelagert und abgeschlossen. Das sei wohl eine Art von „Verdrängung“ gewesen. Wenig später sei seine Mutter gestorben. Ihr Tod, die Trennung von seiner Partnerin sowie eine Sportverletzung seien Schicksalsschläge gewesen, die sich auf die Vorgänge ausgewirkt hätten. Die asiatischen Waffen und das Luftgewehr habe er noch aus seiner Jugendzeit. Das Laserzielgerät will er für den Sohn eines Bekannten bestellt haben, der mit Softair-Waffen spielt. Er habe bei der Bestellung nicht gewusst, dass der Besitz verboten sei.

Ein Zollbeamter und ein Polizist jedoch, die bei der Hausdurchsuchung im kleinen Ort im Süden des Kreises zugegen waren, sprachen von einer „aufgeräumten“ und „ordentlich“ sortierten Waffensammlung, nicht von eilig versteckten Waffen. Die Langwaffen seien in Kisten auf Regalen verstaut gewesen, Messer hätten teils in Halterungen gesteckt. Der Angeklagte erklärte, die Kammer sei abgeschlossen gewesen. Ein Zeuge behauptete das Gegenteil. Auf die Frage von Richter Suntke Aden, woher die Waffen der Mutter denn kommen könnten, sagte der Angeklagte: „Möglicherweise hat sie die Waffen für jemand anders gelagert.“

Der Angeklagte ist nicht vorbestraft. Ein Disziplinarverfahren von seinem Dienstherren bestehe im Moment nicht. Das Gericht legt ihm zusätzlich auf, 2000 Euro für wohltätige Zwecke zu spenden.

Verstoß gegen das Waffengesetz

Die Deutung des Waffenrechtes war in dem Prozess besonders schwierig. Es ging nicht nur um die fehlende Besitz-

erlaubnis für Waffen und Munition, sonder auch darum, ob es sich bei der gelagerten Vorderschaftsrepetierflinte um eine verbotene und bei den Behörden abzugebende Waffe handelt. Seit dem Amoklauf von Erfurt, bei dem eine „Slide-action shotgun” (engl. Bezeichnung für Vorderschaftrepetierflinte) benutzt wurde, gelten bestimmte Typen der Waffe nach dem Waffengesetz als verbotener Gegenstand.

Privatpersonen benötigen zum legalen Besitz einer modifizierten Variante eine Ausnahmegenehmigung des Bundeskriminalamts. Die Waffe wird geladen, indem der Vorderschaft zurück gezogen wird. Dabei fallen leere Hülsen heraus.

Florian Grombein

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