Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg Postbote soll tausende Euro veruntreut haben
Lokales Lauenburg Postbote soll tausende Euro veruntreut haben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:26 04.12.2018
Blick von der Postfiliale in Ratzeburg auf das Amtsgericht (hinten links) im Hintergrund. Im Prozess drehte es sich um die bereits geschlossene Filiale der Post in Berkenthin. Quelle: FOTO: Grombein
Mölln

Der Schlüssel zum Tresor lag unverschlossen in einer Schreibtischschublade, das Fehlen mehrerer tausend Euro fiel erst nach Jahren auf, im Prozess relevante Belege konnte die Post nicht vorlegen. Der Prozess gegen einen Mitarbeiter der mittlerweile geschlossenen Postfiliale in Berkenthin offenbarte viele unglückliche Missstände im Betrieb. Deshalb brach das Amtsgericht Ratzeburg die Verhandlung vorerst ab und schickte Zeugen unverrichteter Dinge nach Hause. Im Februar muss sich der 50-Jährige weiter verantworten für Untreue in sechs Fällen. Er soll knapp 7000 Euro aus Zahlungen per Nachname nicht in den Tresor gelegt haben.

Sechs Taten, fast7000 Euro Schaden

„Jeder der fünf Zusteller wusste, dass der Schlüssel für den Tresor in der unverschlossenen Schreibtischschublade liegt“, sagte der 50-Jährige sichtlich frustriert. Er könne sich die Vorwürfe nicht erklären. Er war eines Tages in das Büro seines Vorgesetzten zitiert und befragt worden und schließlich sei er entlassen worden – nach über 25 Jahren im Dienst. Auch über die verschiedenen Summen, die der Mann, der mittlerweile nicht mehr in Ratzeburg, sondern in einem kleinen Ort im Südkreis lebt, angeblich veruntreut haben soll, seien verstörend. Es sei doch schließlich möglich, dass jeder andere an den Tresor gegangen sein könnte. Die Vorwürfe erstrecken sich auf Vorfälle in den Jahren 2014, 2015 und 16.

Schlüssel zum Tresor war

jedem zugänglich

Es geht um Beträge, die Kunden per Nachname bei Empfang an der Haustür Bar bezahlten. Sendungen mit Autoteilen, Möbel-Rechnungen oder Beautyprodukte je im Wert zwischen 600 und 2000 Euro wurden in der Beweisaufnahme aufgezählt. Drei Zeugen sollten am Freitag aussagen. Es kam aber nur zur Befragung des internen Ermittlers der Post, der Unregelmäßigkeiten anhand von Zahlen und Einzahlungsbelegen in der Berkenthiner Filiale prüfte. Demnach sei Geld nach einzelnen Zahlungen etwa bis zu 17 Tage später vom Angeklagten eingezahlt worden. Das habe die Post auf die Spur des 50-Jährigen gebracht. Der Post-Ermittler gab zu, dass der Schlüssel für den Tresor „nicht zu jeder Tageszeit sicher aufbewahrt“ worden sei. Doch schließlich sei die Unterschrift des Angeklagten auf auffälligen Einzahlungsbelegen gewesen.

Taten fielen erst nacheineinhalb Jahren auf

Die Unstimmigkeiten sind der Post erst im Jahre 2016 aufgefallen, obwohl das Geld eigentlich tagesaktuell an die Abrechnungskasse in Bremen gemeldet werden müsste. „Warum wurde das nicht gleich am Folgetag geprüft“, fragte Richter Martin Mrozek. Der Ermittler erklärte, dass diese Unstimmigkeiten erst beim Abgleich der Zustellungskasse in Lübeck und der Abrechnungskasse in Bremen zutage gekommen sei. „Aber dauert so etwas eineinhalb Jahre. Das ist absolut nicht nachvollziehbar“, sagte Mrozek. Der Ermittler gab zu, dass es ein sehr langwieriger Prozess gewesen sei. Mittlerweile habe die Post deshalb auf eine tägliche Kontrolle umgestellt. Bei der Durchsicht der verschiedenen Belege fehlten einige Dokumente über eine der angeklagten Straftaten. Die Erklärung der Post: Belege werden nach zwölf Monaten vernichtet. Trotzdem sei man sicher, dass die fehlenden Beträge nicht im Tresor landeten.

„Wie können sie ausschließen, dass Geld und Belege nicht eingelegt und später wieder entnommen wurden“, fragte Mrozek. Ihm fiel auch auf, dass sich die Unterschriften auf den Belegen im Zustellbezirk des Angeklagten unterschieden. „Das eine ist glaube ich nicht meine Unterschrift“, so der Angeklagte. Mrozek fragte darauf, ob die Post geprüft hätte, ob der Angeklagte in betreffenden Zeiträumen eventuell wegen Urlaubs vertreten worden sei. Darauf gab der Post-Ermittler ad hoc keine Antwort.

„Scheinbar einiges nichtoptimal gelaufen“

Der Verteidiger fragte, ob die Post auch gegen andere Mitarbeiter ermittelt habe. Das wurde verneint. Doch der Angeklagte glaubte sich zu erinnern, dass ein Kollege wegen ähnlicher Fälle belangt worden sei. Darüber fehlte dem internen Ermittler die Kenntnis. Mrozek: „In dem Laden ist scheinbar einiges nicht optimal gelaufen.“ Er brach die Verhandlung ab. Es gäbe wichtige Straftaten, die noch in diesem Jahr verhandelt werden müssten. Er bitte die Post, beim nächsten Verhandlungstag fehlende Belege und Erklärungen über die Anschuldigungen besser vorzubereiten.

Florian Grombein

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Ein mit Kiesschlacke beladendes Schiff hat in der Schleuse Berkenthin sein Ruderblatt verloren. Das konnte mit einem Kran geborgen werden.

04.12.2018

Die Möllner Sportvereinigung und die Möllner Volkshochschule haben eine Kooperation beschlossen. Gemeinsam wollen sie ihrem Auftrag nachgehen: Bildung und Sport für Menschen aus Mölln und Umgebung.

06.12.2018

Die LN-Zusteller bringen Tag für Tag die Zeitung zu den Lesern. Jetzt trafen sie sich zu ihrer Weihnachtsfeier in Breitenfelde bei einem tollen Frühstück und jeder erhielt ein kleines Präsent als Dankeschön von den Lübecker Nachrichten.

03.12.2018