Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg Probealarm! - Und keiner hat’s gemerkt
Lokales Lauenburg Probealarm! - Und keiner hat’s gemerkt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:41 30.09.2016
„Wir haben Katastrophenalarm ausgelöst, und keiner hat’s gemerkt“, sagt Karsten Steffen, Sprecher der Ratzeburger Kreisverwaltung. Quelle: Timo Jann

„Wir haben Katastrophenalarm ausgelöst, und keiner hat’s gemerkt“, sagt Karsten Steffen, Sprecher der Ratzeburger Kreisverwaltung. So blieb wenigstens Panik aus, könnte man meinen. Doch die Sache ist ernst, und wie gut, dass es nur ein Probelauf sein sollte: Die Sirenen im Lauenburgischen rund um das Kernkraftwerk Krümmel blieben am Mittwochmorgen stumm. Eigentlich hätten sie als Warnsignal für die Bevölkerung im 25-Kilometer-Radius zwischen 10.15 und 10.20 Uhr heulen sollen.

Wer sorgt für den Alarm?

Die Leitstelle in Bad Oldesloe ist für die Alarmauslösung für Feuerwehr, Rettungsdienst und Technisches Hilfswerk in den Kreisen Herzogtum Lauenburg, Stormarn und Ostholstein zuständig. Auch die Sirenen werden von dort aus ausgelöst. Dazu wird ein Funksignal gesendet, das die Sirenen empfangen. tja

Immerhin heulten die Sirenen im Kreis Stormarn zu der Zeit – wenn auch mit dem falschen Signal, dem Ton für den Feuer-Alarm. Die Feuerwehrleute nahmen das ernst und fuhren zu ihren Wachen, brauchten aber nicht auszurücken, es brannte ja nicht. „Bekannt ist bisher nur, dass es sich wohl um ein Softwareproblem in der zuständigen Leitstelle in Bad Oldesloe handelt. Dort wird fieberhaft nach dem Fehler gesucht“, so Steffen. „Aber genau deshalb gibt es ja diese Probeläufe der Technik“, kann er dem Defekt auch etwas Positives abgewinnen.

Im Ernstfall hätte das Ausbleiben der Alarmierung fatale Folgen haben können. Bei dem Probebetrieb sollte das Signal „Rundfunkgeräte einschalten – auf Durchsagen achten“ heulen. Dabei schwillt der Sirenenton eine Minute lang auf und ab. Die Sirene soll bei einem Störfall im Kernkraftwerk Krümmel die Bevölkerung warnen. Gegebenenfalls würden dann Warn- und Verhaltenshinweise für die Menschen im Nahbereich um das Kernkraftwerk im Radio laufen.

Für die Bürger waren mit der gestrigen Überprüfung keine Verhaltensmaßregeln verbunden, jedoch sollte die Technik geprüft werden. Wie wichtig das ist, wurde deutlich. Steffen: „An so einen kompletten Ausfall kann ich mich nicht erinnern, in früheren Jahren hatten wir höchstens mal vereinzelt Ausfälle einzelner Sirenen aufgrund lokaler Defekte, die dann erkannt und anschließend behoben wurden.“

In Geesthacht hatte die Sirene zuletzt am 24. Mai geheult. An dem Tag hatte die Leitstelle auf das neue Alarmierungssystem „Cobra 4“ umgestellt. Statt dem Feuer-Alarm auf den Meldern der Einsatzkräfte hatte das System bei einem Einsatz im Helmholtz-Zentrum dann die Sirenen heulen lassen und die Bürger in Angst und Schrecken versetzt. Steht doch am Forschungszentrum auch eine Atomanlage.

„Gerade rund um Geesthacht ist es absolut wichtig, dass die Sirenen funktionieren. Es ist völlig unzureichend, wenn sich die Bevölkerung auf diese Informationsquelle nicht verlassen kann“, sagt Kreiswehrführer Michael Raddatz. Er ist aufgrund verschiedener Probleme bedingt durch „Cobra 4“ ohnehin in ständigem Kontakt mit der Leitstelle. „Wir haben auch bei unseren normalen Alarmierungen seit der Umstellung im Mai noch immer Probleme. Das muss endlich abgestellt werden“, so Raddatz.

 Timo Jann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige