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Lauenburg Protest gegen geheime Kamera in Möllns Gymnasium
Lokales Lauenburg Protest gegen geheime Kamera in Möllns Gymnasium
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21:21 07.06.2017
Spontane Demonstration gestern im Foyer des Möllner Gymnasiums: Hunderte Schüler sollen sich aus Empörung über eine heimlich installierte Kamera versammelt haben. Sie sollen „Stasi“ und „Schulverräter“ gerufen haben. Mittlerweile ist die Kamera wieder abgebaut worden. Quelle: Fotos: Hfr
Mölln

Auf einem Video von der Demo rufen sie „Stasi“ und „Schulverräter“. Die Schulleitung gab trotz mehrfacher Anfrage der LN keine Stellungnahme ab.

 

Diese Kamera wurde professionell an der Decke installiert und befand sich im Flur vor einem Kunstraum des Gymnasiums.
„Ich bedauere Irritationen bei Schülern, Eltern und Lehrern.Jan Wiegels Möllner Bürgermeister

Schüler berichten, Schulleiter Dr. Thomas Eggers habe gestern nur spärliche Informationen zum Vorfall gegenüber den Schülern bei der Demo geäußert. Ein Schüler oder eine Schülerin sollte demnach mit der Kamera vor einer Gefährdung bewahrt werden. Mittlerweile ist die Kamera abgebaut worden.

„Das geht gar nicht. Ich möchte im Schulalltag nicht heimlich beobachtet werden“, sagt Alexander Dimcevski. Den Gymnasiasten erreichte die Nachricht von der geheimen Kamera mitten im Abiturstress. Er hat gestern bei der spontanen Demo davon erfahren und sieht die Installation der Kamera als Verstoß gegen Datenschutz. „Der Schulleiter hat uns nur gesagt, dass die Kamera installiert wurde, um einen Schüler vor einer Gefährdung zu schützen. Er hat sich aber nicht zu den Hintergründen geäußert“, berichtet Florian Falkenberg, ebenfalls Schüler am MDG. Ob es um Mobbing oder etwa sexuelle Übergriffe gehe, habe der Schulleiter offen gelassen. „Ich finde diese Geheimniskrämerei suspekt. Offenbar haben auch die Lehrer nichts davon gewusst“, sagt Dimcevski. Zwei von den LN telefonisch kontaktierte Lehrer des MDG gaben an, ebenfalls nichts von der Überwachung zu wissen.

Die Kamera soll auf einen Spind im Flur vor einem Kunstraum gerichtet gewesen sein. Wie viel sie tatsächlich abgebildet hat, kann nur vermutet werden. Schließlich wurde sie nun genauso klammheimlich wieder abgebaut, wie sie installiert wurde. Schulleiter Dr. Thomas Eggers gab gestern keine Stellungnahme ab. Aus seinem Sekretariat kam bei mehreren Anrufen der Hinweis, dass er gerade „im Gespräch“ sei. Eine Rückrufbitte führte ebenfalls nicht zum Erfolg.

„Aus Sicht des Schulträgers bedauere ich die aufgetretenen Irritationen bei Schülern, Eltern und Lehrer sehr und möchte versichern, dass wir alles versuchen werden, solche Fälle künftig zu vermeiden“, erklärte der Möllner Bürgermeister Jan Wiegels gestern auf Anfrage. Nach den ihm vorliegenden Informationen sei die Videokamera auf Veranlassung der Schulleitung als Ultima Ratio zur Aufklärung eines spezifischen Einzelfalles vor wenigen Tagen installiert worden, um für das Wohlergehen eines/einer Schüler/in zu sorgen. „Die Anschaffung der Videokamera wurde über die Stadt ohne Kenntnis des Einzelfalles getätigt. Persönlich habe ich davon heute Vormittag erfahren“, berichtet Wiegels. Ob mit der Installation der Kamera datenschutzrechtliche Vorschriften verletzt wurden, werde gegenwärtig auf mehreren Ebenen geprüft.

KOMMENTAR

Kein gutes Vorbild

Die Schüler des Möllner Marion-Dönhoff-Gymnasiums können stolz auf sich sein. Sie haben ihre Schulleitung bei etwas erwischt, das rechtlich fragwürdig ist, sie haben protestiert und sie haben sich durchgesetzt. Die Überwachungskamera wurde prompt wieder abgebaut. Der Protest gegen die (Schul-)Obrigkeit wäre sicher im Sinne von Marion Dönhoff gewesen. Haltung zeigen: Genau darum ging es der ostpreußischen Gräfin.

Wenig Haltung hat dagegen die Schulleitung an den Tag gelegt. Wenn es in der Schule eine Ausstellung oder eine Aktion zum Thema Demokratie gibt, klopft sich der Direktor gerne selbst auf die Schulter, wenn es aber etwas zu kritisieren gibt, taucht er ab und ist für die Presse nicht zu erreichen. Auch seinen Schülern gegenüber hat sich der oberste Pädagoge des Dönhoff-Gymnasiums nur knapp und kryptisch erklärt. Das ist wenig vorbildlich.

 Florian Grombein

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