Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg Prozess gegen Geesthachter Ärztin beginnt im Dezember
Lokales Lauenburg Prozess gegen Geesthachter Ärztin beginnt im Dezember
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:15 28.10.2013
Geesthacht

Es ist Mittwoch, 2. Januar 2013, als Luise L., Ärztin der Psychiatrie im Geesthachter Johanniter-Krankenhaus, einen folgenschweren Fehler macht: Sie entlässt Babak M., den Polizisten erst wenige Stunden zuvor in die Klinik gebracht hatten, weil er böse Stimmen gehört hatte, die ihm befohlen hatten, seine Mutter zu töten. Drei Stunden, nachdem Babak M. mit Zustimmung von Dr. Luise L. die Psychiatrie verlassen hatte, stirbt seine Mutter Manijeh F. durch 60 Stiche mit einer abgebrochenen Schere. Ihr Sohn skalpiert sie, sperrt von Nachbarn alarmierte Polizisten aus und lässt die Schwerverletzte verbluten.

Ab 2. Dezember wird sich die Medizinerin vor dem Lübecker Landgericht verantworten müssen. Es geht um die Frage, ob sie Babak M. falsch eingeschätzt hatte. Eine Schwester der Psychiatrie hatte dem damals 31-Jährigen noch erklärt, wie er vom Krankenhaus am Runden Berg zur Wohnung seiner Mutter (59) am Rothenburgsorter Weg komme. Dort nahm das Unheil dann seinen Lauf. Die Anklage ist wegen fahrlässiger Tötung vom Landgericht zugelassen worden. „Wir haben uns das nicht leicht gemacht“, sagt Günther Möller, der Sprecher der Lübecker Staatsanwaltschaft.

Im Juli dieses Jahres hat das Lübecker Landgericht Babak M. aufgrund seiner paranoiden Schizophrenie, wegen der er als gefährlich für die Allgemeinheit gilt, in eine geschlossene Psychiatrie eingewiesen. Nach Feststellung des Gerichtes folgte der 31-Jährige am Tattag „imperativen inneren Stimmen“. Wegen der mangelnden Einsichtsfähigkeit habe man ihn nicht verurteilen können, meinte das Gericht. Schon seit Jahren hatten sich immer wieder Ärzte, Betreuer und Gutachter um den jungen Mann gekümmert.

Seit der grausamen Tat ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung gegen die Ärztin. Rückblick: Es ist der 1. Januar 2013, kurz vor Mitternacht. Babak M. steigt in Hamburg in einen Linienbus. Er berichtet den Fahrgästen, böse Stimmen zu hören, „Todesengel“ würden ihm flüstern, er müsse in Geesthacht seine Mutter töten. Ein Fahrgast ruft die Polizei, zwei Männer kümmern sich um Babak M., bis die Beamten eintreffen. Die bringen den 31-Jährigen in die Psychiatrie, berichten dort von der wahnhaften Drohung. Babak M. erzählt bei der Verhandlung gegen ihn, dass er tagelang nicht geschlafen hatte, nicht wusste, wo er hingehöre. „Seit ich mich in Hamburg auf den Weg gemacht hatte, war der Entschluss da, es zu tun“, sagte er in seinem Prozess. Daran änderten auch die wenigen Stunden in der Psychiatrie nichts. Luise L. ließ den 31-Jährigen gehen.

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass die Ärztin einen Fehler gemacht hat. „Der Ärztin wird vorgeworfen, dem Mann den Weggang aus der Klinik ermöglicht zu haben, ohne ihn sich vorher noch einmal anzusehen. Hätte sie das getan, wäre sie sicher zu einer anderen Entscheidung gelangt“, so Möller. „Das widerspricht den Regeln der ärztlichen Kunst“, so Möller — deshalb jetzt die Anklage.

Am 2., 4. und 10. Dezember wird sich das Landgericht mit dem Fall befassen. Unter anderem werden dabei zwei Krankenschwestern als Zeuginnen zu Wort kommen. Eine, die sich vor M. gefürchtet hatte, und eine, die die Einschätzung der Ärztin teilte.

Erst nach seiner Festnahme in der Psychiatrie sei ihm langsam klar geworden, was er getan hatte, erklärte M. in seinem Prozess.

17 Jahre Erfahrung
1996 wurde am Geesthachter Johanniter-Krankenhaus der Fachbereich Psychiatrie ergänzt. Seitdem behandeln die Mediziner wohnortnah Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen. Geleitet wird die Abteilung von Dr. Matthias Heißler.

Timo Jann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Auch Bürgerbeauftragte Birgit Wille jetzt Mitglied der Parteispitze.

28.10.2013

Heute spielt „BrassAppeal“ in der Büchener Priesterkate.

28.10.2013

Seit gestern Mittag prangen auf den ersten Parkautomaten der Stadt Ratzeburg rotblaue Aufkleber, die darauf hinweisen, dass Kunden ihre Parkgebühren beim Einkauf in den teilnehmenden ...

28.10.2013
Anzeige