Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg Prozessauftakt: Lauenburger erwürgte Ex-Freundin
Lokales Lauenburg Prozessauftakt: Lauenburger erwürgte Ex-Freundin
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:10 29.06.2017
Lauenburg

Ob sich die junge Frau von ihrem Freund trennte, weil dieser schon einmal mit einer Machete eine Spielhalle überfiel, ist ungewiss. Nach mehreren Trennungsversuchen machte die 27-Jährige am 30. Dezember 2016 schließlich Schluss. Schon am 2. Januar allerdings wartete in ihrer Wohnung überraschend der Ex-Partner auf sie. Er erwürgte sie, legte sie in die Badewanne und stach schließlich mit einem Messer auf sie ein. Einen Tag später stellte er sich in der Lauenburger Polizeistation.

Gestern nun hat das Sicherungsverfahren gegen den Mann am Landgericht Lübeck begonnen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 25-Jährige zum Tatzeitpunkt aufgrund einer psychischen Erkrankung schuldunfähig war. Außerdem gehe von ihm Gefahr für die Allgemeinheit aus.

„Overkill“ – so bezeichnete der Beschuldigte seine Tat in einem Brief an die Staatsanwaltschaft, den er aus der Haftanstalt schrieb. Er schildert darin furchtbare Details seiner Tat. Auch Kriminalisten sprechen von „Übertötung“, wenn ein Täter sein Opfer noch nach Eintritt des Todes weiter verletzt. Er bat in dem Brief darum, vom Gefängnis in die Psychiatrie gebracht zu werden, weil er unter einer „narzisstisch soziopathischen Neigung“ sowie einer „multiplen Persönlichkeitsstörung leide“. Zu diesem Zeitpunkt war das Schlimmste bereits passiert. Der 25-Jährige hatte seine Ex-Freundin gewürgt und aller Voraussicht nach noch nach dem Tode mit Messerstichen traktiert.

Es war nicht das erste Mal, dass er als Beschuldigter darum bat, eingesperrt zu werden. So wurde er bereits Jahre zuvor wegen Raubes angeklagt, weil er im August 2013 bewaffnet mit einer Machete eine Spielhalle in Lauenburg überfallen hatte. Zweieinhalb Jahre Haft lautete damals die Strafe des Amtsgerichtes Schwarzenbek.

Seitdem der Angeklagte zwölf Jahre alt ist, habe er Kokain, Marihuana und Alkohol konsumiert, hieß es damals. Nach der Tötung seiner früheren Partnerin hatte er sich bei der Polizei gestellt und auch da angegeben, er habe die Frau unter Einfluss von Drogen und Alkohol getötet. „Latent aggressiv“ sei der Mann auf der Polizeiwache gewesen, erklärte ein Polizist gestern im Zeugenstand. Am ersten Verhandlungstag von insgesamt sieben wollte sich der Angeklagte nicht persönlich äußern. Sein Pflichtverteidiger erklärte, der junge Mann mit kurzem dunklen Haar in Hand- und Fußfesseln stehe unter dem Einfluss starker Medikamente. Begleitet wurde er von drei Mitarbeitern der psychiatrischen Ameos Klinik in Neustadt. In dem beengten Verhandlungssaal saß er nur wenige Meter von der Mutter des Opfers entfernt, die schon vor dem Prozessbeginn mit den Tränen kämpfte. Auch im Publikum, das durch Panzerglas von Angeklagten und den Organen der Rechtspflege getrennt war, flossen immer wieder Tränen. Dort hatte etwa ein Dutzend Angehörige Platz genommen. Das Gericht verlas kriminaltechnische Berichte sowie aus einem Brief des Angeklagten an seine Schwester. „Es tut mir unendlich leid.

Aber ich denke, wir werden uns die nächsten zehn bis 15 Jahre nicht sehen“, schrieb er. Er habe versucht, sich etwas aufzubauen. Doch dann habe ihn das Leben wie immer „gef . . . .“.

Am nächsten Verhandlungstag, 20. Juli, um 8.30 Uhr will der 25-Jährige aussagen.

Totschlag

Die Anklage lautet Totschlag, begangen im Zustand der Schuldunfähigkeit. Im Prozess werden noch eine Rechtsmedizinerin und eine psychiatrische Gutachterin auftreten. 2013 im Prozess um den Spielhallenraub hatte der Angeklagte darum gebeten, viereinhalb Jahre ins Gefängnis zu gehen. Hätte das Amtsgericht diesem Wunsch entsprochen, hätte er seine Ex-Freundin nicht töten können – er wäre noch in Haft gewesen.

 

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!