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Lauenburg Quadratisch, praktisch, gemütlich
Lokales Lauenburg Quadratisch, praktisch, gemütlich
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21:14 22.09.2017
Ekkehard Zschau in seinem kleinen Wohnzimmer, das sich im ersten Stock des Hauses an der Mühlenstraße befindet. Quelle: Fotos: Norbert Dreessen
Mölln

Riesig sind die Wohnhäuser in Möllns dicht bebauter Altstadt ohnehin nicht, aber in der Mühlenstraße 24 steht ein Fachwerkhaus, das ist doch noch ein ganzes Stück kleiner als alle anderen in der Umgebung. Das winzige Grundstück misst gerade mal sechs mal sechs Meter.

55 Quadratmeter, verteilt auf drei Etagen – und mittendrin ein Flügel.

Üppig sei der Platz im Haus nicht, erzählt Ekkehard Zschau, der einzige Bewohner, „aber für einen Junggesellen reicht es allemal“. Immerhin gibt es drei Zimmer, verteilt auf drei Stockwerke, dazu ein Bad – „natürlich ohne Wanne“, wie der 72-jährige Kaufmann einräumt –und sogar ein Gäste-WC. 55 Quadratmeter Wohnfläche kommen so zusammen.

Besonders kurios: Knapp die Hälfte des Erdgeschoss-Zimmers, das Zschau „meinen Aufenthaltsraum“ nennt und in dem auch eine Küchenzeile Platz findet, nimmt ein betagter Flügel ein. „Das ist ein Erbstück von meinem Vater, das ich in Ehren halte“, sagt Zschau, der selbst nur selten auf dem Instrument spielt. Im ersten Stock ist ein gemütliches Wohnzimmer eingerichtet, unter dem Dach findet man dann noch eine Kombination aus Bibliothek und Schlafzimmer. „Es ist alles da, was ich brauche, und das Haus ist gut in Schuss“, so Zschau.

Das war nicht immer so. Kurt-Peter Gaedeke, dem das Gebäude gehört, beauftragte 1987 einen Lübecker Architekten mit einer Grundsanierung des Fachwerkbaus, der sich damals in eher beklagenswertem Zustand befand. So viel alte Substanz wie möglich wurde erhalten, manches aber musste einfach erneuert werden.

Das Haus an der Ecke Mühlenplatz wurde im Jahr 1700 erbaut, einige Teile aber sind älter – etliche Balken nämlich. „Eichenbalken waren teuer, da bot sich eine Zweitverwertung einfach an“, sagt Zschau. Also baute man Holzteile ein, die vorher schon in anderen Bauten für Stabilität gesorgt hatten. Mittels Jahresring-Analyse konnten einige der Balken auf das Jahr 1650 datiert werden. In manchen ist sogar ein Datum eingeschnitzt. Daher weiß man auch, dass in der Mühlenstraße unter anderem Gebälk aus einem Haus verwendet wurde, das einst in der Hauptstraße 106 stand und abgebrochen wurde.

Einige der Balken tragen auch Inschriften, weisen auf frühere Besitzer hin oder oder haben biblischen Ursprung. So stand einst draußen über dem Eingang ein Vers aus dem 55. Psalm, nämlich „Wirf dein Anliegen auf den Herrn, der wird dich versorgen“. Erhalten sind davon nur wenige Worte.

So klein das Haus auch sein mag, es war zunächst noch kleiner, innen jedenfalls, denn es gab in den ersten 100 Jahren nur das Erdgeschoss. „Es war ein typisches Hallenfachwerkhaus, wie es sich damals kleine Handwerker bauten“, erzählt Ekkehard Zschau. Erst um 1800 wurden durch Einzug von Decken die beiden oberen Etagen geschaffen. Die oberen Fenster gibt es auch erst seitdem, dafür wurde die Luke im Dachbereich, durch die einst schwere Lasten ins Gebäude gezogen wurden, dauerhaft geschlossen.

Schwellenangst darf man hier übrigens nicht haben: Als Schutz gegen Hochwasser wurde unten in den Eingang eine hohe Schwelle eingebaut, die gegen eine mögliche Flut schützen soll. Dies ist nämlich der niedrigste Punkt der Stadt Mölln.

Quadratisch, praktisch, gemütlich und absolut zentral gelegen. Zschau hat am Haus, in dem er gut und gerne lebt, eigentlich nichts auszusetzen. Nur eins stört ihn: „Wenn ein Lastwagen vorbeifährt, wackelt das Haus ein bisschen“, verrät er. Dieses Phänomen ist in der Möllner Altstadt aber gar nicht mal selten.

Jahresringe geben Auskunft

Das Alter von Holzbalken in Gebäuden kann mittels Dendochronologie auf das Jahr genau bestimmt werden. Das Wort stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Lehre von der Zeit“. Anhand der Zahl der Jahresringe kann man nämlich nicht nur ablesen, wie alt ein Baum geworden ist. Man kann auch herausfinden, wann der Baum zu wachsen begann und in welchem Jahr er gefällt wurde. Der Abstand zwischen den Jahresringen ist nämlich immer unterschiedlich. War der Sommer trocken oder kalt, ist der Abstand zwischen den Jahresringen kleiner. War der Sommer feucht und warm, sieht man einen größeren Abstand. Deshalb haben Archäologen für verschiedene Regionen Jahresringchronologien erstellt.

Norbert Dreessen

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