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Lauenburg Radweg: Werden Bürger ausgesperrt?
Lokales Lauenburg Radweg: Werden Bürger ausgesperrt?
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21:41 03.11.2017

„Ich nenne das Diskriminierung. Warum sperren sie bewusst Fußgänger aus und erschweren den direkten Zugang zum Wald?“, fragt Matthias Heidelberg, ehemaliger Bürgermeister von Wentorf bei Hamburg in einer Stellungnahme an den Bauausschuss. Er wohnt selbst im Hansaviertel und fühlt sich von dem neuen Schild „Fahrradstraße“ ausgesperrt. Er bezieht sich auf den Hein-Hollenbek-Weg an der Bahnlinie, der jahrzehntelang Wanderweg und Abkürzung für verschiedene Verkehrsteilnehmer zwischen Waldstadt und Grambeker Weg ist.

Parken und radeln

Ein Konflikt zwischen Verkehrsteilnehmern ist kein Möllner Phänomen. Zum Vorschein kommt es oft, wenn veränderte Verkehrsführungen eine „Gruppe“ stärken. Im Wasserkrüger Weg (Foto) etwa parken auf den Schutzstreifen für Radfahrer (Parkverbot laut Anlage 3 zur StVO) oft Autos. Radler müssen dann die „Schutzzone“ verlassen.

Die Fahrradstraße, wie sie jetzt durch die Verkehrsaufsicht des Kreises auf Antrag des Bürgermeisters festgesetzt wurde, habe die fatale Folge, dass Fußgänger nicht oder nur so zugelassen werden wie auf ortsübergreifenden Straßen ohne Bürgersteig. „Also hintereinander und ganz links gehen.“ Auch Werner Wurr aus der Hansestraße hat einen Brief an die Redaktion geschrieben: „Althergebrachte Wanderwege sind unterbrochen“, schreibt er. Die Einrichtung der Fahrradstraße sei Steuerverschwendung, die Investition nicht durch die Zahl der Radfahrer, die täglich über den Weg fahren, gerechtfertigt. Die bisherige Regelung sei gut gewesen. Im Winter sei es nun schwer, den Lehm-Kies-Weg von Eis zu befreien. Der ÖPNV werde gefährdet, weil auch Busse gegenüber der Fahrradstraße wartepflichtig seien.

Die Kreuzung Massower Straße/ Hein Hollenbek-Weg ist einer der bereits realisierten Knotenpunkte der Veloroute, deren Umsetzung noch einige Jahre dauern wird. Andere Verkehrsteilnehmer, die auf der Massower Straße fahren oder gehen, müssen sich über einen Rampe und ein Struktur im Asphalt bewegen. Sie soll blinden Menschen erlauben, sicher über die Straße zu gelangen, verrät Thorsten Blasey, Möllns Behindertenbeauftragter. Bei dem Ortstermin gestern mit Blasey, Bauamtsleiter Manfred Kuhmann und Bürgemeister Jan Wiegels reagiert die Stadt auf die Kritik: „Lediglich andere Fahrzeugführer wie Autofahrer oder Motorradfahrer sind auf der neuen Fahrradstraße ausgeschlossen“, sagt Manfred Kuhmann. Nicht aber Rollstuhlfahrer. Sie seien laut Verkehrsaufsicht genau wie Fußgänger auf der Fahrradstraße weiter zugelassen. Wenn ein Radler komme, müsse der Fußgänger an die Seite gehen. Wiegels: „Das ist genauso wie vorher.“ Es sei vorgesehen und gewollt, dass der Fahrradverkehr in Mölln gefördert werde. Und es werde künftig noch mehr Stellen geben, an denen Radfahrern Vortritt gewährt werde.

Heidelberg, der die Idee einer Veloroute im Gegensatz zu Wurr grundsätzlich für geeignet hält, schlägt vor, Zusatzschilder anzubringen, die Fußgängern die Benutzung erlauben. Doch er hat eine Vermutung: Fördergeld der EU, das für klimafreundliche Maßnahmen gezahlt werde, könnte an das neue Schild geknüpft sein. Kuhmann glaubt das nicht. Das sei jedoch mit dem Fördermittelgeber nicht besprochen worden. Eine Fahrradstraße auszuweisen sei im Sinne des Konzeptes aber nur konsequent.

Im Bauausschuss wurde die Veloroute unterdessen erneut kontrovers diskutiert und vereinzelt grundsätzlich in Frage gestellt. „Ich habe keine Angst vor Autos. Aber vor Fahrradfahrern, weil sie auf dem Fußweg fahren“, sagte etwa Horst Flöter (FDP), bekennender Velorouten-Gegner. Er hält es nicht für sinnvoll, das Fahrräder auf einer Fahrradstraße Vorfahrt haben sollen.

Mehr zur Möllner Veloroute: www.bit.ly/2yteu5s

Kommentar: Weiter! Aber mit Rücksicht

Die Politik hat beschlossen, dass Mölln eine klimafreundliche Stadt wird. Ein fertiger Fahrradschnellweg wäre ein Meilenstein. Doch wer die Gremien besucht, merkt schnell: Ein Teil der Stadtvertreter steht nicht richtig dahinter. Politiker verschiedener Parteien fahren selbst kaum Rad. Sie sind in einem Flächenkreis schon jahrzehntelang dringend auf das Auto angewiesen. So geht es Vielen: Auch uns Redakteuren. Doch die Idee, mehr Fahrrad zu fahren, um den CO2-Ausstoß zu senken, ist deshalb noch lange nicht schlecht. Eine Straßen- oder U-Bahn wird es in Mölln wohl nie geben. Aber vielleicht eine sinnvolle Anbindung von Auto, Fahrrad und ÖPNV. Dabei müssen alle Rücksicht nehmen. Erste Schritte sind gemacht. Beim Stadtradeln geht die Verwaltung voran.

Auch Lübeck beginnt erst dieser Tage zaghaft, Fahrradschnellwege anzulegen. Mölln ist also vorn dabei und sollte dranbleiben. Die Stadt macht sich damit immer mehr zur Marke im Land. Das interessiert auch Touristen.

 Florian Grombein

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