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Lauenburg Ratzeburg hinkt Gleichstellung hinterher
Lokales Lauenburg Ratzeburg hinkt Gleichstellung hinterher
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20:21 11.03.2016

Als „skandalös“ bezeichnete der Vorsitzende des Ratzeburger Hauptausschusses, Klaus-Stephan Clasen (Grüne), spontan die Situation in der städtischen Verwaltung bezüglich der Frauenquote. Da ab dem 1. April 2016 der Frauenförderplan der Stadtverwaltung bis zum 31. März 2020 fortgeschrieben werden muss, präsentierte Bürgermeister Rainer Voß die Zahlen zur aktuellen Situation in seinem Hause. Die sieht nicht besonders modern aus.

Frauen sind in der Stadtverwaltung in leitenden Positionen immer noch stark unterrepräsentiert.

Die aktuellen Situation empfinde ich als skandalös.“

Klaus-Stefan Clasen, Grüne

Frauen sind nach wie vor stark unterrepräsentiert, sowohl was Bekleidung leitender Positionen betrifft als auch bei der Berücksichtigung von Bewerberinnen auf neue beziehungsweise frei werdende Stellen. Demnach gibt es zurzeit sechs männliche Beamte im höheren und gehobenen Dienst (Gehaltsstufen A 16 bis A 12), aber nur zwei weibliche. Und die rangieren in den Besoldungsgruppen A 11 und A 10. Ähnlich sieht es bei den Angestellten aus. Hier gibt es sechs Herren in A 12/A 11. In A 10 sind es mit zwei Männern noch doppelt so viel wie Frauen.

Erst in den Entgeltgruppen A 9 und niedriger haben weibliche Angestellte die Mehrheit.

Zum Vergleich: Auch in der Kreisverwaltung in Ratzeburg gibt es ein entsprechendes Missverhältnis. Bei der Gesamtzahl der Mitarbeitenden liegt der Frauenanteil zwar immerhin bei knapp 65 Prozent.

Wobei der Anteil der Frauen als Vollbeschäftigte 45,4 Prozent und als Teilzeitbeschäftigte bei 88,3 Prozent zum Ende des vergangenen Jahres ausmachte. Elke Hagenah, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises: „Nach wie vor ist der Anteil in den unteren Besoldungsgruppen überproportional hoch, in den oberen Besoldungsgruppen und in Leitungsfunktionen dagegen völlig unzureichend.“ Am deutlichsten wäre das in der Besoldungsgruppe A 13, wo alle neun Stelleninhaber Männer seien. „Das ist eine reine Männerdomäne“, so Hagenah, die allerdings historisch gewachsen sei.

Sehr zu denken gebe in der Stadtverwaltung Ratzeburg, so Klaus-Stephan Clasen, auch die Situation bei den Bewerbungen. Von insgesamt 111 Bewerbern — 65 weibliche, 46 männliche — bei der Stadt Ratzeburg wurden am Ende vier eingestellt. Hier immerhin noch pari: zwei und zwei. Bei den Wirtschaftsbetrieben zählten die Statistiker 21 Bewerber: 20 Männer, eine Frau. Genommen wurde: ein Mann.

„Eine Katastrophe“, so der Ausschussvorsitzende sei das Ergebnis bei den Bewerbungen im Schulverband Ratzeburg, wo zwölf Frauen mit zwei Männern konkurrierten. Clasen: „Sie können sich vorstellen, wer genommen wurde: beide Männer!“

Bürgermeister Rainer Voß, der aktuell auch den Posten der „Gleichstellungsbeauftragten“ der Stadt bekleidet, weil sich seiner Aussage nach keine Ehrenamtlerin für diesen Job interessiere, erklärte, die Kritik sei von der statistischen Lage nicht unberechtigt. Allerdings berief er sich auf bestehende Dienstverhältnisse, die schon existierten, bevor er Bürgermeister wurde. „Die Leitungsposten sind seit Jahren so besetzt. Das kann ich nicht im Nachhinein ändern.“

Bei den Bewerbungen würde er schon darauf achten, dass Frauen mit ins engere Auswahlverfahren kämen. Tatsächlich seien die Leistungen der männlichen Bewerber aber bislang besser gewesen.

Nichtsdestoweniger wolle er auch weiter um eine weibliche Gleichstellungsbeauftragte werben.

Diese Aussage mochte die Kreisgleichstellungsbeauftragte Elke Hagenah noch nicht so recht glauben: „Von einem solchen Werben habe ich bislang nichts gehört. Es wäre aber schön, wenn diese Stelle auch von einer Frau besetzt würde. Es würde mir helfen und auch den Kollegen nützen, wenn mit dieser Position neben dem Personalrat eine zweite Säule in der Arbeitnehmervertretung besetzt wäre.“

In der Diskussion im Hauptausschuss relativierte Hagen Winkler von den Grünen die eingangs von seinem Parteikollegen Clasen als „skandalös“ bezeichnete Situation. Er könne die Argumente des Bürgermeisters verstehen, sehe kein direktes Verschulden einer Person, empfinde die Situation aber zumindest als „ernüchternd oder enttäuschend“.

Von Joachim Strunk

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