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Lauenburg Ratzeburg steigt bei der HLMS aus
Lokales Lauenburg Ratzeburg steigt bei der HLMS aus
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13:13 05.02.2016
Muss das Gästeverzeichnis der HLMS künftig ohne Ratzeburger Adressen auskommen? Die Kreisstadt hat ihre Zusammenarbeit in der Tourismusagentur aufgekündigt. Quelle: LN
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Ratzeburg

Anlass war der Gesellschafterbeschluss der HLMS, den Sitz der Tourismus-Agentur zum 1. April von Ratzeburg (Junkernstraße) nach Mölln ins dortige „erlebnisreich“ zu verlegen. Leitung und Kontrollgremium der HLMS zeigten sich bestürzt über den Schritt. Geschäftsführer Günter Schmidt: „Der Schritt ist für mich schwer nachvollziehbar.“ Die Entscheidung sei für beide Seiten, die Stadt Ratzeburg und die HLMS, „kein großer Gewinn“. Aufsichtsratsvorsitzender Markus Matthießen bezeichnete die Aktion als „sehr bedauerlich, zumal es dazu vorher keine Kommunikation in den regelmäßigen Aufsichtsratssitzungen und Gesellschafterversammlungen“ gegeben habe. Der Umzug, den Schmidt als „wirtschaftliche Notwendigkeit“ bezeichnet, könne „eigentlich nicht der Grund sein“.
„Der Umzug der HLMS nach Mölln war der Tropfen, der das Fass überlaufen ließ“, begründete Jürgen Hentschel, Fraktionsvorsitzender der Freien Ratzeburger Wähler (FRW) den Austritt, der seiner Aussage nach gar nicht so überraschend kam. „Wir hatten uns schon länger im Ausschuss für Wirtschaft, Tourismus und Stadtmarketing (AWTS) und im Finanzausschuss darüber unterhalten und dann aus finanziellen Gründen die Empfehlung an die Stadtverordnetenversammlung gegeben.“
In der letzten Sitzung 2015, am 14. Dezember, beschlossen die Stadtvertreter in nicht-öffentlicher Sitzung, „für den Fall einer Entscheidung der Sitzverlegung der HLMS nach Mölln den Austritt zum 31.12.2016 zu erklären“, wie Bürgervorsteher Ottfried Feußner zu Beginn der Ratssitzung am vergangenen Montag der Versammlung und der Öffentlichkeit verkündete.
Hentschel führte neben dem Kostenfaktor – angesichts der Sparzwänge der Stadt seien auch der normale Beitrag (für Ratzeburg laut HLMS 38 000 Euro im Jahr) zuzüglich weiterer Leistungen für Umlagen, Verzeichnisse, Drucklegungen und andere Sonderausgaben (im vier- bis fünfstelligen Bereich) in Frage zu stellen – noch zwei weitere Gründe an.
So habe explizit die FRW strukturelle Bedenken. Hentschel: „Die Gesellschaft kann nicht steuerfinanziert sein und gleichzeitig als Wirtschaftsbetrieb agieren“. Die HLMS betreibe mittlerweile einen Fahrradverleih und biete weitere touristische Leistungen an, die „eigentlich Privatleute übernehmen könnten“.
Drittens sei man mit der Führung der HLMS nicht einverstanden. So habe es in der Vergangenheit Unterrichts- und Prüfberichtsversäumnisse gegeben. Die Entscheidung, den Sitz der Gesellschaft zum 1. April nach Mölln zu verlegen, empfinde seine Partei als „schlechten Stil. Denn es gab diesbezüglich keine Vorgespräche.“ Außerdem fühle sich die Stadt Ratzeburg in der touristischen Außendarstellung der HLMS unterrepräsentiert.
Auf letzteren Vorwurf entgegnete Schmidt: „Das ist sehr abstrakt und bisher noch nicht weiter erläutert worden.“ Dem könne er aber nicht beipflichten. Er sehe ein, dass angesichts der hohen Schulden „jeder guckt, wo er bleibt“.
Der Austritt sei dagegen ein finanzieller Schaden für beide Seiten. „Wir sind eine touristische Familie, die gehört zusammen, die muss unter einem Dach vermarktet werden. Wir haben die Hoffnung und den Wunsch, dass dieser Beschluss so nicht bestehen bleibt.“
Dass das letzte Wort noch nicht gesprochen sein könnte, erkennt man an der Aussage von Stefan Koch, Fraktionsvorsitzender der Ratzeburger CDU: „Aufgrund diverser, rein intern die Gesellschaft betreffender Angelegenheiten“, habe die Stadtvertretung Ratzeburg mehrheitlich die Kündigung beschlossen. Allerdings: „Es mehren sich die Anzeichen, dass die angesprochenen, internen Anlegenheiten verbessert werden. Eine weitere Beratung ist im AWTS am 1. März geplant. Dort wird Herr Schmidt zusätzlich persönlich anwesend sein. Dem Ergebnis der Sitzung und etwaiger Empfehlungen des Ausschusses kann und wird die CDU-Fraktion nicht vorgreifen.“
Kochs Pendant in der SPD-Fraktion, Oliver Hildebrand, verwies ebenfalls auf den Beschluss der Stadtvertretung. Doch auch die SPD-Fraktion sei „jederzeit für Gespräche und eine Neuentwicklung offen“. Klaus-Stefan Clasen von den Grünen hatte sich als einziger im Ältestenrat der Stadtvertretung gegen den Beschluss ausgesprochen. „Ich habe so meine Zweifel, dass die Stadt Ratzeburg die touristischen Ziele alleine erreichen kann.“ Zwar könne er nachvollziehen, dass sich die Stadt von der HLMS „nicht so gut behandelt gefühlt“ habe, doch insgesamt sei es eine überzogene Entscheidung. „Ich hoffe und gehe davon aus, dass man sich noch mal einigt.“
Jan Wiegels, Bürgermeister der Stadt Mölln, die ebenfalls wie Ratzeburg zehn Prozent der Anteile an der HLMS hält, erklärte: „Der Schritt, den Ratzeburg gegangen ist, ist für den Kreis und die Stadt selbst keine gute Entwicklung. Wenn das Bestand haben sollte, wäre es ein echtes Problem.“ Man müsse sich als Region verstehen und sich gemeinschaftlich touristisch vermarkten. „Der Naturtourist will doch nicht dreimal hintereinander in den Uhlenkolk gehen, sondern auch nach Ratzeburg fahren.“ Er halte es „für absolut wichtig, dass dieser Schritt revidiert wird“.

Joachim Strunk

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