Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg Ratzeburgerin radelte um die Welt — jetzt kommt sie heim
Lokales Lauenburg Ratzeburgerin radelte um die Welt — jetzt kommt sie heim
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:32 31.10.2013
Eine Etappe an der Seidenstraße: Johanna Brause (31) aus Ratzeburg und ihr Freund Andreas Krüger (44) radeln an einer Koranschule in Usbekistan vorbei. Quelle: Fotos: Privat/hfr
Ratzeburg

„Wir wollten die Welt nicht nur durch eine Glasscheibe beobachten“, antwortet Johanna Brause auf die Frage, wie jemand auf die Idee kommt, mit dem Rad um die Welt zu fahren? Am 1. März 2011 startete sie mit ihrem Freund Andreas Krüger (44) mit dem Fahrrad und einer Campingausrüstung in die Fremde. Ihren Job kündigte die 31-Jährige, brach alle Brücken ab. Vor Augen war zu dieser Zeit nur das erste Etappenziel, Singapur, ganz im Osten des eurasischen Kontinents. Ihre Tour dauerte fast zwei Jahre. Gewaltige Naturschauspiele, viele Begegnungen mit Menschen anderer Kulturen — aber auch Momente der Angst und Gefahr haben sie erlebt. Nach ihrer Rückkehr wollen sie diese Ereignisse mit den Ratzeburgern teilen. Am Montag, 4. November, präsentieren sie ihre Multimediashow im Burgtheater.

Von unterwegs aus dokumentierten sie ihre Reise mit sagenhaften Fotos und ließen über das Internet die Öffentlichkeit an ihrem Abenteuer teilnehmen. Unterwegs hatten sie jedoch viele Hürden zu nehmen. Es ging durch die Berge von Kirgisistan und durch die Wüste in China. Manchmal mussten die Norddeutschen dann mehrere Tage durch die Wildnis fahren und dabei streng mit Wasser und Proviant haushalten. Zum Beispiel, als sie 1000 Kilometer entlang der Seidenstraße radelten. Eine Strecke außerhalb der Zivilisation.

Viele Sorgen machte sich daheim in Ratzeburg in dieser Zeit die Mutter von Johanna Brause, die heute im Barlachmuseum arbeitet. „Je länger die Reise dauerte, desto mehr verlor ich aber meine vorherigen Bedenken“, erklärt Christel Brause. Als sie merkte, wie akribisch die beiden ihre Reise vorbereitet hatten, schwanden ihre Sorgen. Einmal besuchte sie ihre Tochter dann auch in Vietnam.

Besonders bitter, dass Johanna Brause gerade mit der Reise durch Vietnam eine unangenehme Erinnerung verbindet. Nach dem Treffen mit der Mutter nämlich gab es nachts beim Campen am Strand einen Zwischenfall. Plötzlich kamen fünf bewaffnete Männer. „Wir hatten wirklich Angst. Wir wussten nicht, was sie von uns wollten.“ Erst später wurde klar, dass sie die Radler nur vertreiben wollten.

Ein anderes Mal saßen sie im Iran in einem Internetcafé. Wieder waren es bewaffnete Männer, die ihnen einen Schrecken einjagten. Diesmal jedoch Polizisten, die sie verhafteten und drei Stunden auf der Polizeiwache einsperrten. „Wir wissen bis heute nicht, warum wir festgehalten wurden“, berichtet Brause. Es sind aber auch einige der schönsten Erinnerungen, die das Paar mit dem Iran verbindet.

Auf den staubigen Straßen bei 40 Grad Celsius Hitze hielten ständig wildfremde Autofahrer und versorgten sie mit Früchten und Wasser. Viele Familien luden sie zum Essen in ihre Häuser ein. „Sie waren begeistert über unser Projekt und waren sehr herzlich“, erklärt die 31-Jährige.

Die Gedanken an den politisch ungeliebten Iran, das Pulverfass Ferghanatal in Usbekistan oder die aufständischen Uiguren haben die Radler auf ihrer Reise stets versucht zu verdrängen. „Man steht als Europäer ja nicht im Fokus der Rebellion“, berichtet Brause.

Positiv beeindruckt waren die Ratzeburgerin und ihr Freund von der Ankunft am Bosporus, einem wichtigen Etappenziel. „Die Reise durch Europa und Asien war besonders beeindruckend. Wir haben jede landschaftliche und kulturelle Veränderung hautnah auf dem Fahrrad miterlebt.“ Bis auf die Flüge von Singapur nach Buenos Aires, von Peru nach Vancouver und von Los Angeles nach Barcelona ging es auf dem Drahtesel über Stock und Stein. Nur einmal pro Woche gönnten sich die Abenteurer ein Hotelzimmer. „Aber das waren häufig dreckige Absteigen“, berichtet Johanna Brause.

Der Vortrag „Weltfremd — mit dem Fahrrad von Hamburg um die Welt“ dauert zwei Stunden. Viele der 12 000 Fotos und der zahllosen Filme der Reise werden gezeigt.

Infos über den Trip auf www.cycle-the-world.de. Der Vortrag beginnt am Montag um 20 Uhr im Burgtheater.

Zur Person
Johanna Brause ist 1982 in Ratzeburg geboren und später auf die Grund- und Hauptschule St. Georgsberg in Ratzeburg gegangen. Ab 1994 war sie Schülerin der Ernst- Barlach- Realschule. Mit 17 Jahren hat sie dort ihren Abschluss gemacht und die Kleinstadt anschließend Richtung Düsseldorf verlassen.

Mittlerweile lebt sie in Hamburg und arbeitet als Diplom-Ingenieurin bei der Hamburger Hochbahn. Ihre Eltern und ihr Bruder leben bis heute in Ratzeburg. Die Familie ist für Johanna Brause jedoch nicht der einzige Anziehungspunkt in der Geburtsstadt.

Auf dem Ratzeburger See segelt sie noch immer regelmäßig. Dort liegt ihr acht Meter langes Segelboot mit Kajüte beim Ratzeburger Seglerverein.

Florian Grombein

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige