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Lauenburg Raubmord: Lebenslänglich oder Freispruch?
Lokales Lauenburg Raubmord: Lebenslänglich oder Freispruch?
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20:10 21.06.2017
Lübeck

Ein schweigender Angeklagter, eine von seiner Schuld überzeugte Staatsanwältin und eine Verteidigerin, die Freispruch fordert. Der Prozess um den Raubmord an einer 85-jährigen Frau im August 2016 steht kurz vor dem Ende. Gestern wurden die Plädoyers gehalten.

Dafür, dass der Angeklagte Rainer P. (Name geändert) das Opfer in seinem Bungalow erstickt haben soll, nachdem es ihn beim Einbruch in sein Haus überrascht hatte, forderte die Staatsanwaltschaft gestern eine lebenslange Haftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung. „Es gibt für mich keinen Zweifel“, sagte Staatsanwältin Ann-Sofie Portius, „dass der Angeklagte sie getötet hat.“ Der 47-Jährige habe die Rentnerin kennengelernt, als er – zusammen mit einem anderen Mann – Reinigungsarbeiten auf ihrer Terrasse ausgeführt habe. In den frühen Morgenstunden des 24.

August sei er dann über den Gartenzaun durch den moddrigen Garten auf ihre Terrasse vorgedrungen, habe dort die Tür eingeschlagen und sei im Flur auf die 85-Jährige getroffen. „Ob er nicht damit gerechnet hatte, dass sie wach war oder vielleicht dachte, sie sei gar nicht zu Hause, wissen wir nicht“, so Portius. Für die Staatsanwaltschaft stünde aber fest, dass Rainer P. in diesem Moment entschieden habe, die Frau zu töten, um sein eigentliches Verbrechen – den Einbruch – zu verdecken und weiter auszuführen. Anschließend, sagte Portius, habe Rainer P. die Frau ins Schlafzimmer gedrängt, mit ihr gekämpft und sie schließlich mit einem Kissen erstickt. Irgendwann zwischen 5.30 Uhr und 10.30 Uhr starb die 85-Jährige so einen qualvollen Erstickungstod.

Dann soll Rainer P. sich daran gemacht haben, seine Spuren zu beseitigen; das Bett habe er abgezogen, die Scherben der eingeschlagenen Terrassentür beseitigt. Auch die zuckerartige Substanz, die Ermittlern und Gericht bis zuletzt Rätsel aufgegeben hatte, soll P. auf dem Körper der 85-Jährigen verteilt haben; das ganze mit dem Ziel, DNA-Spuren zu beseitigen. Die aber hatte man trotzdem an verschiedenen Orten in der Wohnung und an der Leiche feststellen können. Anschließend habe der Angeklagte den Raub vollendet, indem er eine EC-Karte und verschiedene Schmuckstücke entwendete.

Was unklar bleibt: Woher stammen die DNA-Spuren eines oder sogar zweier weiterer Männer, die ebenfalls am Tatort festgestellt, aber nicht zugeordnet werden konnten. „Sie können vom Angeklagten übertragen worden sein“, erklärte Portius. Dem entgegnete Verteidigerin Annette Ott: Das könne genauso andersherum geschehen sein. Die unbekannten DNA-Spuren seien zwar schwächer, was aber nicht automatisch den Schluss zulasse, dass Rainer P. allein am Tatort war. Den Zeugen, Werner R. (Namen geändert), der später aussagte, P. habe ihm Schmuck angeboten, bezeichnete die Rechtsanwältin des 47-Jährigen als unglaubwürdig. Werner R. habe bereits gelogen, als er zum Prozessauftakt aussagte, er könne sich aufgrund eines Schlaganfalls nicht an seine erste Aussage bei der Polizei erinnern.

Insgesamt bewertete die Verteidigerin die Indizien als nicht ausreichend, um ihren Mandanten eines Tötungsdeliktes – und schon gar nicht eines Mordes – zu überführen. Sie beantragte einen Freispruch.

„Sie werden sich befassen müssen mit ,in dubio pro reo‘“, so die Anwältin. Sollte ihr Mandant aber verurteilt werden, plädiere sie für eine Unterbringung im Maßregelvollzug. Denn wie von einem Gutachter zuvor erläutert, sei der Erfolg einer Therapie nicht ausgeschlossen. Die Notwendigkeit für eine Sicherungsverwahrung sieht die Anwältin hingegen nicht.

Das letzte Wort überließ das Gericht Rainer P. Der aber äußerte nur: „Ich möchte nichts sagen.“

Luisa Jacobsen

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