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Lauenburg Rauchverbot: Angst war unbegründet
Lokales Lauenburg Rauchverbot: Angst war unbegründet
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21:30 07.04.2017
Raucher haben seit 2008 einen schlechten Stand. In Hotels, Gaststätten und Kneipen müssen sie ihre Zigarette oder gar Zigarren in der Tasche lassen oder nach draußen gehen. In Schleswig-Holstein gibt es aber auch ausgewiesene Raucherkneipen. Quelle: Fotos: Florian Grombein, Jens-Ulrich Koch/ddp

Die LN-Leserbriefe aus dem Jahre 2006 sind voller Leidenschaft: Ein Rauchverbot in öffentlich zugänglichen Räumen sei eine Gängelung durch den Staat, sagten die Raucher. Die Nichtraucher forderten mehr Verantwortungsgefühl im Hinblick auf die gesundheitlichen Folgen des Rauches und kritisierten die Tabakindustrie. Am heftigsten war aber vielleicht die Reaktion aus der Gastronomie: Wirte hatten Angst um rauchende Kunden und sahen sich gezwungen, in teure Raucherräume mit Lüftung zu investieren.

Im Januar 2008 trat das „Gesetz zum Schutz vor den Gefahren des Passivrauchens“ dennoch in Kraft. Und heute? Zehn Jahre später zieht die Gastronomie sogar ein positives Fazit.

Zehn Jahre Rauchverbot in der Gastronomie: Dehoga und Gastwirte im Nord- und Südkreis berichten von Panik und teuren Raucherräumen – Der gefürchtete Gästeschwund trat jedoch niemals ein.

„Irgendwann kam die Keule. Und dann war das Geschrei groß“, sagt Günther Heiligenstühler, Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbandes. Der Hotel- und Gaststättenverband habe schon lange vor dem Gesetz bei Gastronomen dafür geworben, das Rauchen einzuschränken. Denn im europäischen Ausland und auch durch die Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation zeichnete sich ein Rauchverbot ab.

Doch damals habe es nur wenige Gastronomen interessiert. Einige hätten dann plötzlich Angst um ihre Existenz gehabt. „Der Effekt ist doch eigentlich ganz gut: Wo gegessen wird, muss nicht unbedingt geraucht werden“, sagt Heiligenstühler heute. Von Reglementierung mit vorgeschriebenen Quadratmeterzahlen für Speise- und Raucherbereiche hält er allerdings nicht viel. Und auch über das Argument Schutz der Angestellten könne er nur lachen: „Die Angestellten rauchen doch am meisten.“ Ein Dreivierteljahr nach Einführung des neuen Gesetzes habe kaum ein Gastronom noch von Problemen geredet.

„Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird“, sagt Sönke Schlie, gelernter Koch und Besitzer des Restaurants und Hotels „Zum Weissen Ross“ in der Möllner Hauptstraße. An der Einführung des Rauchverbots vor zehn Jahren sei seines Wissen niemand Pleite gegangen. Doch sicher habe es unter den Gastronomen die Sorge gegeben, Kunden zu verlieren. Es sei auch viel Panik gemacht worden.

In Schleswig-Holstein gäbe es die Regelung zur Einführung eines separaten Raucherraumes. So wurden damals in einigen Restaurants eilig Glaskästen gebaut, in denen nun auch heute Raucher sitzen.

Schlies Gäste hingegen seien es nun gewohnt, rauszugehen. Und bei Stammtischen, deren Teilnehmer wie selbstverständlich seit Jahrzehnten Zigarre und Pfeife rauchten, sei es möglich, in einem abgeschlossenen Nebenraum das Schmöken zu ermöglichen. „Natürlich will ein Gastronom allen seinen Gästen gerecht werden – auch den Rauchern.“ Heute seien aber sogar Raucher froh, dass beim Essen nicht mehr gequalmt werde.

Vor Einführung wurde der Niedergang der Gemütlichkeit proklamiert – und der Ruin der Gastwirte gleich mit. „Heute redet kein Mensch mehr drüber“, sagt Klaus-Dieter Mertens. Er führt gemeinsam mit seinem Bruder das Ratzeburger Restaurant „Askanierkeller und Hohenzollernstube“ an der Töpferstraße. „Wenige haben damals gemeckert, aber lassen Sie es mich so sagen: Unsere Gäste haben Niveau, denen ist gutes Essen in einem guten Ambiente wichtig.“

Ein Raucherzimmer hat es im Restaurant nie gegeben. „Wir führen ein historisches Haus und hätten die Möglichkeiten nicht gehabt.“ Wobei Klaus-Dieter Mertens kritisch anmerkt, dass das neue Gesetz nie so recht überprüft worden sei. „Es gibt klare Richtlinien für ein Raucherzimmer. Es darf dort kein Essen ausgegeben werden, und die Gäste dort müssen älter als 18 Jahre sein“, erklärt er. Das habe so mancher Gastronom umschifft.

Das Niveau ist auch im Ratzeburger Seehof hoch – immerhin führt Phillip Grasekamp ein Vier-Sterne-Hotel. Alle 50 Zimmer sind Nichtraucherzimmer, in den Zimmern sind Glimmstengel auch tabu. Auf den angeschlossenen Balkonen oder Terrassen darf hingegen geraucht werden. „Das funktioniert wunderbar.“ Dass ein Gast nach einem Raucherzimmer fragt oder sich gar beschwert, komme selten vor. Gepafft wird vor der Tür.

Im Fahrendorfer „Fahrenkrug“ von Maike Wolf waren die Sorgen vor zehn Jahren auch groß. „Einige Stammgäste meinten, sie würden nicht mehr zu uns kommen, wenn sie hier nicht mehr rauchen dürften“, erinnert sich die Gastwirtin. „Tatsächlich war das Gesetz zum Nichtraucherschutz für uns aber gut. Wir konnten plötzlich neue Gäste begrüßen, denen es vorher zu verqualmt war, uns selbst gefiel es rauchfrei auch viel besser und unsere Raucher kommen trotzdem und gehen jetzt eben raus“, berichtet Maike Wolf.

 F. Grombein, D. Baumm und T. Jann

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