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Reaktorrückbau: Atom-Gegner loben Gespräche auf Augenhöhe

Geesthacht Reaktorrückbau: Atom-Gegner loben Gespräche auf Augenhöhe

Verfahren „HZG im Dialog“ gilt bundesweit als vorbildlich.

Geesthacht. Seit mehr als viereinhalb Jahren begleitet das Forum „HZG im Dialog“ den Rückbau des Forschungsreaktors auf dem Gelände des Helmholtz-Zentrums Geesthacht (HZG). Zeitweise sogar im Zwei-Wochen-Rhythmus sitzen Forscher und Atom-Gegner an einem Tisch. Anfangs von den Anti-Atom-Initiativen kritisch beäugt, hat sich inzwischen eine bundesweit gelobte kritische und ergebnisoffene Diskussion entwickelt. Mit der kurz vor dem Abschluss stehenden Öffentlichkeitsbeteiligung hat das Verfahren einen wichtigen Punkt erreicht. Das wurde während der Sitzung am Montagabend in Geesthacht deutlich.

„Ja, wir sind anfangs sehr verhalten in den Dialog gegangen“, sagt Dr. Bernd Redecker vom Lüneburger Aktionsbündnis gegen Atom und einer der Sprecher der Begleitgruppe. Einer der Knackpunkte sei dann gewesen, dass die Vertreter des Helmholtz-Zentrums bereit gewesen seien, die Einreichung des Stilllegungsantrages bei der Kieler Atomaufsicht um fünf Monate zu verschieben, um offene Fragen zu klären, sagt Redecker.

Und die Atomkritiker wurden nicht nur ausführlich angehört, sondern auch gehört. So willigte das HZG – wenn auch nach langen Diskussionen – auf Anregung der Begleitgruppe ein, parallel mit dem Rückbau des Forschungsreaktors auch den seit 35 Jahren auf dem Gelände des Forschungszentrums lagernden Atomreaktor der „Otto Hahn“ zu entsorgen. „Damit hat der Dialog-Prozess seine erste Bewährungsprobe bestanden und bewiesen, dass es auch beim sehr umstrittenen Umgang mit Atommüll möglich ist, auf der Sachebene gemeinsam nach Lösungen zu suchen, obwohl man in der politischen Bewertung weit voneinander abweicht“, zogen HZG und Atomkritiker im April 2015 Bilanz.

Und nicht nur das. Auf Wunsch der Begleitgruppe willigte das HZG auch ein, den atomkritischen Physiker Wolfgang Neumann damit zu beauftragen, das bisher vorliegende Zerlegungskonzept und den Umgang mit dem entstehenden Atommüll zu bewerten. Die Moderation des Verfahrens übernahm mit Silke Freitag eine Mediatorin, die sich selbst seit Jahrzehnten für einen sofortigen Atomausstieg einsetzt.

„Das alles waren vertrauensbildende Maßnahmen, die inzwischen bundesweit beachtet werden“, sagt Redecker. „Ich bin auch in einem bundesweiten Verband von Initiativen. Da wird das, was wir hier in Geesthacht machen, als einmalig gesehen“, so der Atom- Gegner. Begleitende Unterlagen würden in einer Ausführlichkeit vorgelegt, „wie man sie sonst nirgendwo finden kann“. Man sei zwar nicht immer einer Meinung, ergänzt Co-Sprecher Jörg Kunert. „Aber wir besprechen das.“ Und dass die HZG-Gruppe mit Sprecher Torsten und Peter Schreiner als Leiter des Forschungsreaktors immer noch so hochrangig besetzt ist, sei ein gutes Zeichen. Alles das ist nicht selbstverständlich. Immerhin hält sich in Kreisen der Atom-Gegner immer noch der Vorwurf, dass es vor gut 30 Jahren im Forschungsreaktor einen Unfall gegeben habe, der dann vertuscht wurde.

Doch im Dialogprozesse steht das im Hintergrund. Stattdessen sogar würdigt der atomkritische Gutachter Wolfgang Neumann die HZG-Idee, Teile des Betonabbruches des Forschungsreaktors mit zu nutzen, um die Zwischenräume zwischen den Fässern in den Endlager-Behältern zu verfüllen. Er hoffe, dass es auch umgesetzt werde. Ein Maßstab für den Erfolg der Arbeit des Formates „HZG im Dialog“

wird sich aus Sicht des HZG schon bald zeigen. Je weniger Eingaben im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung bis zum 6. Februar gemacht würden, desto besser sei das bisherige Dialogverfahren gewesen, heißt es von den Helmholtz-Vertretern.

Holger Marohn

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