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Restaurierung mit Fachverstand und Fingerfertigkeit

Lauenburg Restaurierung mit Fachverstand und Fingerfertigkeit

Neuer Glanz für den Marienleuchter der Maria-Magdalenen-Kirche zu Lauenburg.

Lauenburg. Das Jesuskind auf den Armen seiner Mutter: Ein beliebtes Motiv in der (Kirchen-)Kunst. Es ziert – sogar in doppelter Ausführung – auch den spätgotischen Marienleuchter der Lauenburger Maria-Magdalenen-Kirche. Mutter und Kind sind allerdings etwas angeschlagen. Die Zeit macht nämlich auch vor altehrwürdigem Kirchenschmuck nicht Halt, und deswegen ist der Marienleuchter umgezogen von der Kirche in die nahegelegene Werkstatt des Restaurators Gerold Ahrends.

LN-Bild

Neuer Glanz für den Marienleuchter der Maria-Magdalenen-Kirche zu Lauenburg.

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Der soll das Prunkstück fachmännisch wieder herrichten. Pinsel und Farbe her, und los geht’s? So einfach ist es nicht. Der Leuchter datiert aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts und liegt nicht nur Pastor Philip Graffam von der Maria-Magdalenen-Kirche am Herzen: Auch das Landesamt für Denkmalpflege hat erhebliches Interesse. „Ende Februar kamen Fachleute von der Bauabteilung der Kirchenkreisverwaltung in Lübeck und Vertreter des Landesamtes für Denkmalpflege in Kiel, um die Leuchter der Kirche zu begutachten und später notwendige Genehmigungen zu erteilen“, erklärt Manfred Maronde vom Verein der Freunde und Förderer der Kirche in Lauenburg.

Restaurator Gerold Ahrends hat die Schäden an den Leuchtern dokumentiert. „An dem farbig überarbeiteten Marienleuchter mit geschnitzter Doppelfigur sind erhebliche Konservierungs-Arbeiten erforderlich, unter anderem Oberflächenreinigung, eine Malschichtfestigung und nach all den Jahren eine statische Überprüfung der Einzelteile.“ Einige hat er zur Sicherheit schon abgenommen und beiseite gelegt. An diversen Stellen hat er das Kunstwerk zum Schutz fürs erste mit Japanpapier überklebt.

An der Konservierung führt kein Weg vorbei. Zu klären bleibt die Frage, ob und in welchem Umfang der Leuchter restauriert wird. An ein so altes Stück wurde im Laufe der Jahrhunderte schon öfter Hand angelegt. So hat es vor Ort 1799 und 1959 Restaurierungen gegeben. Das weiß der Restaurator so genau, weil er entsprechende Signaturen gefunden hat. „Deshalb kann etwas auch heil aussehen, und dann verbirgt sich trotzdem kaputte Malerei darunter.“ Dennoch: Eine Freilegung bis auf den Originalzustand werde es sicher nicht geben.

Was uns die Falten im Gesicht sind, sind bei den Figuren Risse im Holz. Die könne man mit Balsaholz schließen, erläutert Ahrends. Fehlstellen ließen sich kitten und dann retuschieren.

Oberflächenfirnis würde nach Absprache mit dem Landesamt für Denkmalpflege und der Landeskirche aufgetragen.

Der Restaurator ist begeistert von dem wertvollen Stück. Fachkundig und mit behandschuhter Hand weist er auf Details hin, zeigt zum Beispiel, dass im Laufe der Jahrhunderte drei verschiedene Grüntöne aufgetragen wurden – für Fachleute spannend, „da fügt sich manchmal ein fehlender Puzzlestein ein“.

Im Herbst wird es ein Treffen mit dem Landesdenkmalamt geben, um über die Ergebnisse zu reden. Wenn alles gut geht, hofft Gerold Ahrends, noch vor Sommer 2017 mit der Arbeit fertig zu werden.

Holz, Metall und ein echtes Hirschgeweih formen den drei Meter hohen Leuchter

Den Marienleuchter aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert ziert die geschnitzte Doppelfigur Mondsichelmadonna und Anna Selbdritt.

Die Halbfiguren sind aus Eichenholz. Eine Frauengestalt trägt zwei Kinder: Es ist Anna mit ihrer Tochter Maria und ihrem Enkel Jesus. Die andere Figur trägt eine Krone und hat ebenfalls Jesus auf dem Arm. Ein goldener Kranz aus Sonnenstrahlen umgibt die Frauen und ihre Kinder, und sie stehen auf einer Mondsichel.

Den Rahmen bilden oben ein verzierter Bogen aus Schmiedeeisen und unten ein echtes Hirschgeweih.

Unter diesem Teil hängt der eigentliche Leuchter und darunter ein Salzkahn, ein Geschenk der Schiffergilde.

Dorothea Baumm

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