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Lauenburg Rettungsdienst: Späte Hilfe für Einwohner auf dem Land
Lokales Lauenburg Rettungsdienst: Späte Hilfe für Einwohner auf dem Land
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09:45 26.01.2017
Bei einem Herzinfarkt oder anderen schweren Verletzungen zählt oft jede Minute. Auf dem Dorf müssen Patienten jedoch häufig länger warten. Quelle: Carsten Rehder/dpa
Ratzeburg

Bei einem Herzinfarkt oder anderen schweren Verletzungen zählt oft jede Minute. Doch immer häufiger müssen Patienten länger auf Hilfe warten, als es vom Gesetz her eigentlich maximal sein sollte. Vor allem die Dörfer sind betroffen. Vertreter aus dem ländlichen Raum fordern ein Umdenken. Ein neues Gutachten könnte Aufschluss über die Gründe des Problems bringen.

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Notfalleinsätze ist der Rettungsdienst im vergangenen Jahr gefahren. Das sind 10,89 Prozent mehr als im Vorjahr – ein Anstieg von fast 50 Prozent innerhalb von fünf Jahren. Hinzu kamen noch 16626 Krankentransporte in 2016.

94 Mal rückten Rettungsassistenten und Notfallsanitäter im vergangenen Jahr aus, um in Güster schnelle Hilfe zu leisten. Die sollte laut Gesetz eigentlich spätestens nach zwölf Minuten eintreffen.

Doch in fast zwei Drittel der Fälle schafften die Retter das nicht. Und in den Nachbardörfern sieht es nur wenig besser aus. Für Amtsvorsteher Martin Voß ist das ein unhaltbarer Zustand.

„Das ist einfach nur traurig und beschämend“, sagt Voß. Zwar habe es durch die provisorische Stationierung eines Rettungswagens in Büchen eine punktuelle Verbesserung ergeben. Dennoch seien die Zahlen immer noch weit von einem akzeptablen Wert entfernt. Voß warnt davor, bei möglichen Verstärkungen des Rettungsdienstes wie in der Vergangenheit vor allem eine Verbesserung der Versorgung in den Städten im Blick zu haben. Dort lässt sich mit relativ wenig finanziellem Aufwand der kreisweite Durchschnittswert verbessern, ohne dass sich viel für den ländlichen Raum tut. Schon jetzt liegt der Hilfsfristerreichungsgrad, also der Anteil der Einsätze, bei denen die Notfallretter innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Frist vor Ort sind, zwischen 92 Prozent in Lauenburg und 95 Prozent in Mölln und Ratzeburg. In Güster sind es 36 Prozent, in Nusse sogar nur 20 Prozent. „Man nimmt einfach in Kauf, dass die Hilfsfristen auf dem Land nicht eingehalten werden“, sagt Voß. Das sei den Bürger vor Ort nicht zu erklären.

Problem ist aus Voß’ Sicht, dass der Hilfsfristerreichungsgrad nur als kreisweiter Durchschnittswert relevant sei – anders als bei der Feuerwehr. Dort müssten die theoretischen Hilfsfristen flächendeckend eingehalten werden. Natürlich stehe auch bei der Feuerwehr die Personenrettung im Vordergrund, aber wenn der Rettungswagen gerufen werde, gehe es in der Regel fast immer um Menschenleben und nicht um Sachwerte.

Ein wichtiger Schritt wäre der Bau einer richtigen Rettungswache in Büchen, die auch rund um die Uhr besetzt ist. Doch das würden die Krankenkassen als Kostenerstatter für die Notfallrettung nur finanzieren, wenn ein Gutachten dies auch fordern würde.

Im Bereich Nusse soll die Verlegung der Möllner Rettungswache von der Praxisklinik an den Vorkamp eine deutliche Verbesserung bringen. Das würde bei der Anfahrt in die Region Nusse durch die gesparte Fahrt durch die Möllner Innenstadt eine Zeitersparnis zwischen 90 Sekunden und zwei Minuten bringen, haben Messfahrten des Rettungsdienstes in Zusammenarbeit mit dem Kreis ergeben. Hochgerechnet auf die Einsatzzahlen aus 2016 würde das für Nusse bedeuten, dass der Hilfsfristerreichungsgrad von 20 auf 87 Prozent klettern würde.

Die baureifen Pläne für die Wache liegen bereits seit Monaten beim Kreis in der Schublade. Doch die Krankenkassen, ohne deren Zustimmung es später keine Erstattung der Kosten geben würde, blockieren den Neubau seit mehr als einem halben Jahr. Sie weigern sich, eine aktualisierte Norm für die Arbeitssicherheit anzuerkennen, wonach die Fahrzeughalle um 52 Quadratmeter größer sein müsse, damit auch moderne Rettungswagen in die Halle passen.

Die Rettungsdienststatistik steht auch auf der Tagesordnung des Kreishauptausschusses. Dieser tagt am Montag, 6. Februar, im großen Sitzungssaal des Kreishauses.

 Holger Marohn

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