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Lauenburg Rettungswagen für Büchen mit Placebo-Effekt
Lokales Lauenburg Rettungswagen für Büchen mit Placebo-Effekt
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06:58 12.02.2019
Die neue Rettungswache in Büchen ist fast fertig. Gebaut hat sie die Gemeinde Büchen auf eigenes finanzielles Risiko. Quelle: Holger Marohn
Ratzeburg

Der Kreis Herzogtum Lauenburg und die Oldesloer Leitstelle krempeln die Einsatzplanung der Rettungswagen um. Die als reine Krankentransportwagen vorgesehenen Fahrzeuge sollen künftig auch nur noch als solche disponiert werden. Am Montag hat eine einwöchige Testphase begonnen. Das in Büchen stationierte Einsatzfahrzeug wird damit zu reinen Placebo-Rettungswagen.

Die Hoffnung in Büchen war groß. Ein vor Ort stationierter Rettungswagen sollte die Notfallversorgung in Ort deutlich verbessern und zu einem weiteren Standortfaktor für die aufstrebende Gemeinde werden. Dass das zugestandene „eigene“ Fahrzeug eigentlich nur ein Krankenwagen war, der auch mal zu Notarzteinsätzen ausrücken durfte, wurde verdrängt.

Büchen hat Krankenwagen

In der Euphorie bauten die Büchener sogar schon eine eigene Wache – gleich mit zwei Garagen für rund 2,4 Millionen Euro und auf eigene Kosten. Denn weder hatte die Entscheidungsträger vorher die erforderlichen Zusagen der Kostenübernahme durch die Krankenkassen eingeholt noch auf mahnende Worte von Fachleuten gehört.

Doch nun sorgt die organisatorische Neuordnung des Rettungsdienstes für Klarheit. Der in Büchen für 42,5 Stunden pro Woche stationierte Krankenwagen wird ab 1. März auch nur noch für Krankentransportfahrten eingesetzt. Eine entsprechende Information bestätigte die für die Oldesloer Leitstelle zuständige Kreisverwaltung in Stormarn.

Forplan-Gutachter fordert Trennung

Natürlich werde die Rettungswagenbesatzung nicht tatenlos zusehen, wenn quasi vor der Haustür ein Notfallereignis sei, heißt es. Aber ansonsten gelte die Dispositions-Neuordnung, die in dieser Woche erst mal getestet werde, künftig grundsätzlich. Zu der Umstellung höre auch, dass die absehbaren Krankentransportfahrten bereits am Vortag deutlich umfangreicher vorgeplant würden als bisher.

Rettungswachen

Bislang gab es im Kreis mit Steinhorst, Ratzeburg, Mölln, Basedow, Lanken und Geesthacht sechs Rettungsdienstbereiche im Kreis. In jedem Bereich ist mindestens ein Rettungswagen rund um die Uhr besetzt. Nach dem jüngsten Betzler-Gutachten der Firma Forplan kommen mit den 24-Stunden-Wachen Sarnekow und Salem zwei eigenständige Bereiche hinzu.

Bislang wurden von den Mitarbeitern der Leitstelle die identisch wie Rettungswagen ausgestatteten Krankentransportwagen auch für Notfalleinsätze disponiert, wenn sie gerade frei waren. Diese in Länge und Einsatzort unkalkulierbaren Einsätze sorgten am Ende allerdings offenbar eher für mehr Durcheinander als rettungsstrategischen Nutzen. Dies soll die ab März geltende Umstellung durch die verordnete Klarheit nun ändern. Mit der Neuregelung werden außerdem die Forderungen nach einer strikten Trennung aus dem jüngsten Betzler-Gutachten der Firma Forplan zur Rettungsdienstplanung umgesetzt.

Büchen profitiert auch ohne eigene Wache

Allerdings wird es auch weiterhin Fahrzeuge geben, die sowohl Notfalleinsätze als auch Krankentransporte durchführen. Für diese gilt allerdings eine klar festgelegte Zeitplanung, an welchen Tagen und zu welchen Zeiten welche Aufgabe zu übernehmen ist – wie im Gutachten vorgesehen.

Immerhin wird auch die Region Büchen künftig von einer besseren Notfallversorgung profitieren – ohne den rettungsdienstlichen Placebo-Effekt des vor Ort stationierten Krankenwagens mit der neu gebauten Wache. Durch den Neubau einer rund um die Uhr besetzten Wache in Sarnekow ist Büchen dann von zwei Rettungswagen innerhalb der vorgeschriebenen Hilfsfrist von zwölf Minuten theoretisch erreichbar.

Holger Marohn

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