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Lauenburg Rock’n’Roll im Möllner Augustinum
Lokales Lauenburg Rock’n’Roll im Möllner Augustinum
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23:22 13.06.2018
Backstage-Foto mit Groupie-Feeling: John Lennon (Paul Tudhope), George Harrison (Craig Gamble), Paul McCartney (Steve White) und Ringo Starr (Simon Ramsden) begrüßen die Möllnerinnen Gabriele Bähnck, Monika Riethmüller, Liz Fuhrhop aus Ratzeburg und Manuela Hagedorn aus Nusse (je v. links).

Im ersten Moment hat sich das komisch angehört. Die Beatles im Altersheim. Echt? Die Beatles – das ist nicht nur ein Hit nach dem anderen, unvergessen und nie getoppt. Die Beatles: Das sind auch kreischende Fans, nackte Sit-Ins, verklärte Meditationsklänge, abgefahren-psychedelische Töne – kurz, die Beatles, die Fab Four, sind alles, aber nicht Altersheim.

Will you still need me, will you still feed me – das Publikum beim Auftritt der Cavern Beatles war, mit wenigen Ausnahmen, deutlich 64+. Auch wenn die Liverpooler Beatles-Coverband gerade „When I’m Sixty-Four“ nicht spielte: Der Abend war ein toller Erfolg, die Zuhörer waren begeistert.

Tja, das ist die Stelle, an der die Realität zuschlägt. Schließlich liegen die musikalischen Ursprünge der Beatles im Rock ’n’ Roll der ausgehenden 1950er Jahre. Ihre erste Single „Love Me Do“

erschien 1962, den weltweiten Durchbruch schaffte die Band aus Liverpool 1963 mit „I Want to Hold Your Hand“. Wer damals Fan war – gehen wir mal von 18 Jahren aus – ist heute Mitte 70. Das ist Generation Altersheim. „Unsere Bewohner sind zwischen 60 und 104 Jahren alt“, sagt Dr. Margit Bansbach. Die Kulturreferentin des Möllner Augustinums weiß, „das Kulturinteresse im Haus reicht entsprechend von bis“.

Viele Plätze im Saal bleiben unbesetzt, obwohl die Cavern Beatles mit ihrer Covershow perfekt zum Altersdurchschnitt der Bewohner im Augustinum passen: Die meisten sind 75+. „Ich habe eine sehr breite Palette, die ich bespielen kann“, erklärt Bansbach, „unsere Bewohner sind eben alle unterschiedliche Charaktere mit unterschiedlichen Geschmäckern.“ Die 68er-Generation, das hat die Erfahrung sie gelehrt, ist „sehr viel individueller eingestellt“.

Wenn nun auch nur gut 150 Menschen gekommen sind, um die Musik der Beatles zu genießen, so ist der Abend dennoch ein absoluter Erfolg. Das ist natürlich der Band zu verdanken. Klamotten, Frisuren, selbst der Dialekt der Musiker aus Liverpool könnte besser nicht sein. Viele der Zuhörer erweisen sich in Gesprächen als Fans, sind noch immer im Herzen Generation Beat, und einige regelrecht profunde Kenner der Musik, Zeile für Zeile textsicher. „Absolut topp“ findet Michael Steppuhn das Konzert. Der Mann aus Kehrsen ist eingeschworener Beatles-Fan. Seine Frau wollte „eigentlich nur mit“, aber gerade sie reißt es zum Schluss vom Sitz, begeistert tanzt sie vor der Bühne, singt mit.

Das ist natürlich der zweite Part, der für ein gutes Konzert, für einen unvergesslichen Liveabend, unerlässlich ist: das Publikum. Mag ja gern sein, dass der Saal in Seniorenhand war – die Stimmung jedenfalls war bombastisch. Klatschen, mitsingen, pfeifen und vor allem: runter von der Bestuhlung, raus aus der engen Sitzreihe und tanzen. Der Aufforderung „clap your hands and stomp your feet“

bedarf es nicht. Die Cavern Beatles haben, wie einst das Original, etwas entfesselndes.

Seit fünf Jahren zeichnet Margit Bansbach für das Kulturprogramm im Augustinum verantwortlich. Davor hat sie – überwiegend freiberuflich – Kulturevents auf die Beine gestellt und organisiert, zum Beispiel „Die lange Nacht der Museen“ in Hamburg, oder die „Tage der Industriekultur“ in der Metropolregion Hamburg. „Das war sehr spannend“, sagt sie, „aber eine Festanstellung ist auch reizvoll.“

Und das ist nicht das einzige, das der jugendlich wirkenden Frau an ihrem Aufgabenbereich in Mölln gefällt. Bei der Programmgestaltung hat sie freie Hand. Das ist prima – aber reicht das Budget? Da muss Bansbach dann doch lachen: „Das Budget reicht nie, das ist nun mal so bei Kultur. Aber zumindest habe ich ein Budget.“

Die Cavern Beatles wurden für ihren beeindruckenden Cover-Auftritt mit Standing Ovations, begeistert tanzenden Fans und großartiger Stimmung im Saal belohnt. Kultur in der Seniorenresidenz im Wandel?

Eindeutig! Gerade erst war Heinz Rudolf Kunze zu Gast. „Da waren sofort alle Karten weg – da war ich selbst überrascht“, berichtet die Kultur-Fachfrau. Im Juli wartet der nächste Höhepunkt: der Musikvortrag „Mit Pink Floyd zur dunklen Seite des Mondes“, mit Bildern und Musikeinspielungen. Auch dafür haben sich im Hinausgehen diverse der Beatles-Fans angekündigt.

Kultur in der Seniorenresidenz: läuft. Heute „Roll over Beethoven“, morgen „Dark Side of the Moon“, irgendwann demnächst kommt AC/DCs „Hells Bells“. Und zu Weihnachten das Bundesjugendballett. Das hat sich etabliert. Und ein bisschen Besinnlichkeit ist ja auch ein schöner Kontrapunkt zu Rock’n’Roll um den Rollator.

Musikvortrag „Dark Side of the Moon“

Mit Pink Floyd zur dunklen Seite des Mondes: Das ist die nächste Veranstaltung im Rahmen des Jahresmottos „Tapetenwechsel – Die bewegten 60er Jahre“.

Am Mittwoch, 25. Juli, hält Dr. Lothar Jahn den bebilderten Vortrag mit Musikeinspielungen – anlässlich der Mondfinsternis am 27. Juli. Dr. Margit Bansbach hat den renommierten Musikwissenschaftler eingeladen. „Er erzählt zu viel Originalmusik und Bildmaterial die Geschichte der Band Pink Floyd.“

(19.30 Uhr im Theater, Eintritt: 7, ermäßigt 5 Euro)

 Dorothea Baumm

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