Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg Römer und Ritter im Regen
Lokales Lauenburg Römer und Ritter im Regen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:52 29.07.2017
Ausgefeilte Technik gegen Nass von oben: Centurio Gaius Valerius Procillus (rechts) und seine Soldaten Agrippa Metellus (Mitte) und Sextus Caelius demonstrieren die zum Regenschutz abgewandelte Schildkröten-Taktik. Quelle: Hanno Hannes

Regen, Regen, immer wieder Regen. Er macht sie alle gleich. Und zwar gleich nass: Römer, Wikinger, Germanen, Slawen, Ritter, Landsknechte und Bürgervorsteher. Ratzeburgs Ottfried Feußner zeigte sich dabei standhaft. Ohne den Schutz eines Schirmes eröffnete der Schirmherr am Sonnabend den Racesburg Wylag.

Mit Kind und Kegel: Einige Darsteller sind im Familienverband angereist, denn es geht beim Wylag ums ganze Leben. Quelle: Hanno Hannes

Und das Wetter war dabei immer wieder Thema. Feußner mutmaßte in liebgewonnener Feindschaft gar, die Möllner seien für den Regen verantwortlich, aber dann kam er zum wichtigen Teil seiner Eröffnung: den Regeln, die zehn Tage lang im Wylag an der Schlosswiese gelten sollen. „Das Plündern, Hausieren und Gefangennehmen von weiblichen Wesen ist untersagt.“ „Und was ist mit Männern?“, fragte prompt einer der im Rund versammelten Recken. Ja, da gibt es wohl keine Regeln, und das ist auch gut so, denn schließlich wird es an den kommenden Tagen nicht gerade zimperlich zugehen, auf der Schlosswiese. Ritter werden ihre Klingen kreuzen, Römer die Schlagkraft ihrer Legion XXI Rapax demonstrieren oder Marketenderinnen und Handwerkerinnen ihre Kunstfertigkeit. Dazu kommen der Falkner mit seinen Vorführungen, Reiter und Landsknechte. Denn der Racesburg Wylag ist weit mehr als eine Ansammlung von Kriegern. Seine Teilnehmer sind eine verschworene Gemeinschaft, die zehn Tage lang die Vergangenheit lebt. Unter einfachsten Bedingungen im Zelt und mit selbstgefertigter Kleidung. Gummistiefel und Regencape gehören nicht dazu. Vielleicht hat Ottfried Feußner deshalb bei seiner Ansprache auf den Schirm verzichtet. Denn der hätte zwischen all den martialischen Gestalten seltsam deplatziert gewirkt.

Quelle: Hanno Hannes

Begonnen hatte der Wylag einst mit Wikingern. Im Laufe der Jahre sind immer mehr Figuren aus der Vergangenheit dazugekommen. Auf dem Zeitstrahl der Geschichte sind die Römer die am weitesten von uns entfernten Protagonisten und der vereinzelte Offizier der Südstaatenarmee aus dem amerikanischen Bürgerkrieg (1861 bis 1865) ist derjenige, der unserer Zeit am nächsten ist.

Die Verbindung zwischen all diesen Darstellern ist ihre Liebe zur Geschichte. „Sie stellen sie nicht nur dar, sie leben sie“, sagt Tim Schneider, Geschäftsführer des Vereins Racesburg Wylag, der die Schau an der Schlosswiese veranstaltet. Und sie leben sie nicht nur, sondern sie erklären auch gerne. Insofern ist der Wylag eine Art interaktives Geschichtsmuseum. Gerade junge Besucher können die historischen Figuren nicht nur beobachten, sondern sie auch ansprechen und von ihnen das aus der Geschichte erfahren, was sie wirklich interessiert. Das ist spannender als jeder Schulunterricht. Und mitmachen können sie auch – als kleine Wikinger im Ruderboot oder Knappen beim Schwertkampf.

Was macht da schon der Regen?

Von Hanno Hannes

Täglich geöffnet

Der Wylag ist täglich von 11 Uhr bis Mitternacht geöffnet. Es gibt stündlich Vorführungen, die aufeinander abgestimmt sind, damit die Zuschauer nichts verpassen. Das Programm ist am Eingang ausgelegt und auch im Internet veröffentlicht unter www.wylag.de

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige