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Lauenburg Rotmilan erleidet qualvollen Tod durch Gift
Lokales Lauenburg Rotmilan erleidet qualvollen Tod durch Gift
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11:04 07.07.2017
Ein Rotmilan-Weibchen, das am Schaalsee lebte, ist in seinem Horst in etwa 30 Metern Höhe vergiftet worden. Quelle: WWF
Mechow

Am 9. Juni hatten der WWF-Greifvogelexperte Thomas Neumann und der Tierfilmer Christoph Hauschild bei einer Kontrolle der Brutvögel im Mechower Holz den Tod des Vogels im Horst in fast 30 Meter Höhe festgestellt. Das Tier lag mit ausgebreiteten Flügeln regungslos auf dem Nest. Alarmiert durch verschiedene Vergiftungsfälle aus den vergangenen Jahren in Schleswig-Holstein informierte Neumann den geübten Baumkletterer aus Lankau, Erich Schütt, der sich sofort bereit erklärte, den Horst in einer Buche zu erklettern.

Für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, hat der WWF eine Belohnung von 5000 Euro ausgesetzt.

Ein totes Rotmilan-Weibchen sowie ein blau gefärbtes Hausentenküken wurden aus dem Horst geborgen. Im Kropf des Greifvogels wurden kleine Vogelknochen festgestellt. Bei der toxikologischen Untersuchung der Universitätsmedizin Göttingen wurde bei dem Hausentenküken Dimethoat nachgewiesen. Ein Stoff, der vor allem in verschiedenen Insektengiften verwendet wird und als starkes Nervengift besonders bei Vögeln wirkt. Mit der auffälligen Blaufärbung soll verhindert werden, dass Menschen das Gift versehentlich einnehmen.

Rotmilane ernähren sich von kleinen Säugetieren, Fischen und kleineren Vögeln sowie von Aas. „Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass jemand den Rotmilan als Konkurrenz empfindet und sich daher mit Gift des Problems zu entledigen hoffte. Die Art steht jedoch wie alle Greifvögel unter strengem Schutz. Diese aktive Vergiftung mittels ausgelegtem Köder ist eine Straftat. Wir haben daher bereits Anzeige erstattet“, sagt Neumann.

Der WWF hat zudem eine Belohnung in Höhe von 5000 Euro ausgesetzt, um die Ermittlungen zu befördern und um Hinweise auf den oder die Täter zu erhalten. Außerdem zieht der WWF in Erwägung, einige Vögel in der Region zu besendern, um Gefährdungsquellen ausfindig zu machen. „Wir hoffen, dass die Belohnung hilft, diese Tat aufzuklären“, sagt Thomas Neumann. Derartige Straftaten können mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden.

Die Flächen im Naturschutzgebiet Mechower Holz befinden sich im Eigentum des Zweckverbandes „Schaalsee-Landschaft“. Dieser hat als Träger des gleichnamigen Naturschutzgroßprojektes die Flächen für den Schutz der heimischen Tier- und Pflanzenwelt erworben und wurde dabei vom Bund und den Ländern Schleswig- Holstein und Mecklenburg-Vorpommern gefördert. „Dass es nicht einmal reicht, in unseren Wildniswäldern wie dem Mechower Holz diesen geschützten Vögeln einen Brutplatz zu sichern, weil sie dann im Umland vergiftet werden, ist besonders tragisch. Diese Handlungen sind kriminell und sie verderben den Gästen unserer Region das Naturerlebnis. Ich hoffe sehr, dass die Täter zur Verantwortung gezogen werden können“, sagt der Vorsteher des Zweckverbandes „Schaalsee-Landschaft“, der Landrat des Kreises Herzogtum Lauenburg, Dr. Christoph Mager.

Wer sachdienliche Hinweise geben kann, möge sich an die Polizeidienststelle in Ratzeburg wenden, Telefon 04541/8090, oder an das Projektbüro des WWF in Ratzeburg, Telefon 04541/8794001.

Kein Einzelfall

Umweltminister Robert Habeck sagt zu seinem Artenschutzbericht: „Das Ausmaß der illegalen Vergiftungen von Greifvögeln ist erschreckend.“ In den Jahren 2008 bis 2015 hat das Umweltministerium des Landes Schleswig-Holstein insgesamt 70 Proben insbesondere von Greifvögeln untersuchen lassen. In 30 Fällen wurden tödliche Vergiftungen nachgewiesen, darunter befanden sich Rotmilane, Seeadler oder Mäusebussarde.

Weitere Infos: https://www.schleswig-holstein.de/DE/Landesregierung/V/_startseite/Artikel/160106_ Jagd_Artenschutzbericht_2015.html

 ln

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