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Lauenburg Russland torpediert europäische Verständigung beim Folksfest
Lokales Lauenburg Russland torpediert europäische Verständigung beim Folksfest
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12:20 01.06.2016

„Das Volksfest war schon immer ein politisches Festival. In den vergangenen Jahren ist das aber so ein wenig aus dem Blick geraten“, sagt Mark Sauer, Vorsitzender des Veranstaltervereins „Miteinander Leben“. Die 14. Auflage werde nun so politisch wie schon lange nicht mehr. Schon die Entscheidung über das Festivalthema sei in diesem Sinne gewesen. Als man sich im September vergangenen Jahres für das Fluchtmotto „ andere Heimat Europa?“ entschied, sei die Herausforderung gerade so richtig aufgekommen. Und so gäbe es während der fünftägigen Veranstaltung vom Mittwoch, 8., bis Sonntag, 12.

Juni, nicht nur Musik von und mit Flüchtlingen, sondern auch durch die ehrenamtliche Unterstützung von Migranten „so viele helfende Hände“ wie nie zuvor.

Mit dem Festival will der Verein künftig aber auch ein Gegenstück zur Europakritik setzen. Aus dem „Folksfest der internationalen Begegnung“ soll daher eine Veranstaltung der „europäischen Begegnung“

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Europäisch statt international – Das Möllner Folksfest wird größer. Hier die Bands, die auf dem Festival spielen.

werden. Das habe auch strategischen Wert, so Sauer. Dazu soll es am Freitagnachmittag eine Konferenz mit zivilen, also nicht staatlichen, Partnern aus der Steiermark (Österreich), Dänemark, Finnland und Norwegen geben.

Ziel sei ein gemeinsamer Antrag bei der EU für das Programm „Europa für Bürgerinnen und Bürger“. Ursprünglich sollten auch Vertreter einer Kindermusikschule aus Kaliningrad teilnehmen. Doch der aus Vermittlung des dortigen Hanse-Büros und Empfehlungsschreiben der Landesregierung zustande gekommene Kontakt musste wieder abgebrochen werden – auf Geheiß des Kremels. Der hatte jüngst das Hanse-Büro als Spionage-Einrichtung eingestuft. „Wir hatten einen intensiven Kontakt zwischen musikalisch-kulturellen Einrichtungen und auf einmal wurde das alles sehr schnell politisch“, bedauert Sauer. Aber auch der Besuch von Vertretern des Steirischen Volksliedwerkes hätte angesichts der jüngsten Wahlen in Österreich politisch brisant werden können. Die Vereinigung, vergleichbar mit dem Heimatbund, aber mit einer zehnköpfigen Geschäftsstelle hauptamtlich ganz anders aufgestellt, sei natürlich eine recht konservative Institution. „Ich hatte da zwischenzeitlich schon gedacht, ob die überhaupt kommen dürfen, wenn das mit der Präsidentenwahl anders ausgegangen wäre“, gesteht Sauer. Erst habe er gedacht, es sei selbstverständlich, die schleswig-holsteinischen Partnerregionen einzuladen.

„Aber dann wurde das ganz so richtig politisch“, sagt Mark Sauer. All dies zeige aber auch wie wichtig es sei, „dass uns die europäische Idee nicht abhanden kommt“, so Sauer.

Holger Marohn

Programmauszug

Musik aus Europa und aller Welt erwartet beim 14. Möllner Folksfest ein musikbegeistertes Publikum.

Drei Themenkonzerte bilden in diesem Jahr den Rahmen des Festivals. Am Donnerstag, 8. Juni, spielt das Ensemble Steirischer Brauch in der Lohgerberei (19 Uhr) ihr einziges öffentliches Konzert. Vielseitig wird es auf dem Europa-Konzert im Stadthauptmannshof am Freitag, 9. Juni, um 19.30 Uhr zugehen. Höhepunkt wird der Auftritt der griechischen Band Locomondo sein.

Für alle Nachtvögel gibt es am Sonnabend, 11. Juni, mit dem finnischen Nam-Trio und dem dänischen Duo Shotbox eine „Nordic Night“ ab 23.30 Uhr, ebenfalls im Stadthauptmannshof. Die Plätze in den Konzerten sind begrenzt.

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