Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg Sahmser helfen Hungernden in Indien
Lokales Lauenburg Sahmser helfen Hungernden in Indien
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:13 02.04.2016
Werner Büttner (74, r.) übergibt Kuh „Amelie“ mit Kalb an die Adivasi-Familie in den Nilgirisbergen im Norden des indischen Bundesstaates Kerala.
Sahms

Auch in diesem Jahr ging die „Patengemeinschaft für hungernde Kinder e. V.“ aus Sahms auf ihre Inspektionsreise durch die Kinderheime. Diesmal reiste der stellvertretende Vorsitzende Werner Büttner (74) aus Schmilau aus dem Winter in Deutschland auf den heißen indischen Subkontinent, um nach dem Rechten zu sehen. Ein besonderer Schwerpunkt dieser Reise war die Kontrolle der Kinderheime in Bezug auf neue gesetzliche Vorgaben, das Wohlbefinden der Kinder und die Verwendung der überwiesenen Gelder.

„Patengemeinschaft für hungernde Kinder“ kontrolliert regelmäßig, ob Spenden in Kinderheimen ankommen.

So können auch Sie helfen

Einen ausführlichen Bericht zur Reise nach Indien wird Werner Büttner auf dem Patentreffen am Sonntag, 22. Mai um 14 Uhr in Sahms geben und die Fragen der Paten und gern auch der Gäste beantworten. Wer eine Patenschaft, die jederzeit kündbar ist, übernehmen möchte, findet weitere Informationen unter www.patengemeinschaft.de oder Telefon 04541/82515.

Büttner konnte beruhigt feststellen, dass der Patenbeitrag in Höhe von 30 Euro pro Kind und Monat gut angelegtes Geld ist und dass diese Unterstützung weiterhin nötig ist, damit dort geholfen wird, wo die Menschen zuhause sind. Für diesen Betrag können die Kinder ernährt, gekleidet, zur Schule geschickt und ärztlich versorgt werden, so dass sie bessere Zukunftschancen bekommen. Gerade die Schulbildung der Kinder sei wichtig, berichtet Büttner.

Die „Patengemeinschaft für hungernde Kinder“ mit Sitz in Sahms unterstützt in den beiden südlichen indischen Bundesstaaten Kerala und Tamil Nadu insgesamt 1800 Kinder in über 25 Kinderheimen und in bedürftigen Familien. Die Paten dafür kommen besonders aus dem Großraum des Kreises Herzogtum Lauenburg und Hamburg aber auch aus dem gesamten Bundesgebiet.

Trotz merkbarer Anstrengungen des indischen Staates gibt es immer noch viele Familien, die nur mit schlecht bezahlten Gelegenheitsjobs ihren Lebensunterhalt bestreiten können. In den meisten Fällen reicht dieses unregelmäßige Einkommen nur für eine Mahlzeit am Tag. „Nach wie vor ist es so, dass es vom indischen Staat keinerlei Unterstützung für Menschen ohne festes Einkommen gibt, so dass die Not sehr groß ist und die Mütter notgedrungen ihre Kinder in ein Kinderheim geben möchten, um wenigstens den Kindern durch Schulbildung und gute Ernährung eine bessere Zukunft zu ermöglichen“, sagt Büttner.

Er besuchte unter anderen eine 35-jährige Witwe, deren Mann im Dezember bei einem Verkehrsunfall getötet wurde. Diese Frau lebt mit ihren vier Kindern im Alter von elf, fünf, drei und zwei Jahren zusammen mit der alten Schwiegermutter in einer kleinen Hütte und kann ohne die Hilfe von Nachbarn nicht überleben. Wegen der vier zum Teil kranken Kinder sei eine Aufnahme von Arbeit nicht möglich.

Eines der Kinder sei bereits an einer Kiefer-Gaumen-Spalte operiert worden, das Jüngste Kind muss noch operiert werden.

„Wenn man so etwas erlebt, treibt es einem die Tränen in die Augen“, erklärt Büttner. Für diese Familie fand er nach seiner Rückkehr eine Patin in Pogeez, so dass durch diese Hilfe die größte Not gelindert werden kann. Bei Besuchen von Adivasi, der Ureinwohner Indiens, die zu den ärmsten Menschen gehören und in den letzten Jahren von der Regierung sesshaft gemacht wurden, konnte er eine Kuh mit Kalb übergeben. Das Geld dafür stammt aus der Spende eines Ratzeburgers, der an seinem 84. Geburtstag Geldgeschenke erbeten hatte, um dieser Familie zu helfen. Mit dem Erlös aus dem Verkauf der Milch hat die Familie ein Grundeinkommen zum Überleben.

Der 47-Jährige hat seit einem Unfall vor 20 Jahren eine beschädigte Hüfte und kann sich nur schwer bewegen, so dass seine Frau die Versorgung der Familie und der Kuh übernehmen muss. Neben der sehr sauberen Hütte hatte die Familie einen kleinen Gebetsraum eingerichtet. „Weil man wohl nur in tiefem Glauben dieses schwere Leben ertragen kann“, berichtet der Schmilauer.

In einer anderen Familie hatte sich der Ehemann vor einem Jahr das Leben genommen, weil er ohne Arbeit und geregeltes Einkommen angesichts dieser Hoffnungslosigkeit für sich keine Zukunft habe erkennen können. Für ihn war es eine Lösung, für die Witwe mit ihren drei Kindern im Alter von sieben, neun und 13 Jahren nicht. Das einzige Mobiliar in der kleinen Hütte seien zwei Plastikstühle.

Auch diese Familie bekommt jetzt Hilfe aus Deutschland.

Ungeachtet dieser Probleme in dem mit 1,3 Milliarden Einwohner sehr großen Land macht der indische Staat vermehrt zum Teil sehr komplizierte und auch unverständliche Auflagen für die Kinderheime, die in den meisten Fällen auch finanzielle Aufwendungen erfordern. Diese Anforderungen und die galoppierende Inflation von acht bis neun Prozent pro Jahr waren das große Thema bei den Gesprächen mit den vier indischen Mitarbeitern im indischen Büro. Alle vier haben in Deutschland beim Gründer der Patengemeinschaft, Adolf Klein, in Sahms die deutsche Sprache gelernt.

Diese Mitarbeiter kontrollieren ständig, was mit den gespendeten Geldbeträgen geschieht und welche Familien eine Förderung bekommen können oder müssen. Auf diese Weise und durch die Inspektionsreise werde absolut sichergestellt, dass die Spenden aus Deutschland in voller Höhe in den Kinderheimen und den geförderten Familien ankommen und die Not der Kinder und ihrer Eltern lindern.

Im Angesicht der Flüchtlingsströme, die zur Zeit unser Land erreichten, sei es sinnvoller, den Menschen in ihrer Heimat zu helfen, damit sie sich nicht auf den Weg nach Europa begeben müssten, erklärt die Patengemeinschaft.

LN

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!