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Sanduhren bestimmten die Dauer der Predigt in St. Willehad

Groß Grönau Sanduhren bestimmten die Dauer der Predigt in St. Willehad

Ziemlich einzigartig: Die Kanzel der Kirche in Groß Grönau. Auch Pastor Martin Luther wirkte hier – aus Schmilau.

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Eine der ältesten Kirchen im Kreis: St. Willehad an der Hauptstraße von Groß Grönau.

Groß Grönau. Ab 1856 hat Martin Luther als Pastor in der St. Willehad-Kirche in Groß Grönau gepredigt. Das könne gar nicht sein, werden Historiker einwenden – schon deshalb nicht, weil der große Reformator bereits 1546 gestorben sei. Und doch stimmt es. Der Seelsorger, von dem hier die Rede ist, hieß wirklich Martin Luther und stammte aus Schmilau. Wer es nachlesen möchte: Im Inneren des Gebäudes findet sich eine genaue Liste aller bisher hier aktiven Pastoren.

LN-Bild

Ziemlich einzigartig: Die Kanzel der Kirche in Groß Grönau. Auch Pastor Martin Luther wirkte hier – aus Schmilau.

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Sie alle standen im Laufe der Jahrhunderte in Groß Grönau auf der reich verzierten Kanzel, die innen sogar mit einer vornehmen Goldledertapete versehen ist. Ein Kuriosum auf der Kanzel sind die vier Sanduhren. Mit deren Hilfe konnte der jeweilige Geistliche überprüfen, ob er nicht zu lange predigte, „aber natürlich auch nicht zu kurz“, wie die die örtliche Pastorin Samone Fabricius erläutert.

Die Gemeinde stellte da schon gewisse Ansprüche.

St. Willehad ist ohne Frage eines der ältesten Gotteshäuser im Lauenburgischen. Als Kirchort wird Groß Grönau, noch unter dem Namen „Gronowe“, anno 1230 zum ersten Mal im „Zehntregister“ des Ratzeburger Bischofs erwähnt, damals zum Kirchspiel Krummesse gehörend. Viele Details zählt die Chronik der örtlichen Kirchengemeinde auf: „Die Kirche ist ein einschiffiger Backsteinbau des mittleren und späteren 13. Jahrhunderts. Er besteht aus einem frühgotischen überwölbten Kastenaltarraum mit Ecklisenen, Sockel und Fries, östlicher Dreifenstergruppe, blendengeziertem Giebel und Südportal mit neuerem Vorhaus davor sowie einem hochgotischen drei Joch langen Kirchenschiff mit vier kräftigen Stützpfeilern. Der älteste Teil der Grönauer Kirche, die im Laufe der Jahrhunderte etliche Umbauten erfuhr, ist der Altarraum mit einem kuppeligen Kreuzrippengewölbe. Er wurde wahrscheinlich kurz vor dem Jahre 1230 erbaut.

Das älteste Inventar in St. Willehad ist das gut 60 Zentimeter hohe Taufbecken aus Kalksandstein aus dem 13. Jahrhundert. Dieser Stein ist vermutlich im vergangenen Jahrhundert aus dem Kirchenraum entfernt worden, bis er 1936 zweckentfremdet wieder aufgefunden wurde: „Das Becken diente lange Jahre als Viehtränke auf dem Kirchengelände“, erzählt Samone Fabricius, seit 1990 in Groß Grönau im Dienst. Heute wird das alte Becken gelegentlich wieder in seiner ursprünglichen Funktion genutzt. Attraktiver ist jedoch ein weiteres, außergewöhnlich bunt bemaltes Taufbecken mit Deckel, hergestellt um 1720 von einem örtlichen Fassbauer.

Vergleichsweise jung ist der Kirchturm. Wohl erst nach dem Jahr 1700 (laut Kirchenchronik zwischen 1698 und 1705, andere Quellen sprechen von 1777) wurde der vierkantige Westturm im Fachwerkbau angefügt, 1905 und 1933 mussten jeweils grundlegende Renovierungen erfolgen.

Der Innenraum der Kirche wird mitgeprägt durch 17 Weihekreuze, die im Zuge einer großen Instandsetzung im Jahre 1934 wiederentdeckt und wiederhergestellt wurden. 1934 wurden aber auch große Teile des ursprünglichen Mörtels abgeschlagen, so dass die ursprüngliche Anzahl der Kreuze nicht mehr eindeutig nachweisbar ist.

Sehenswert ist der dreiteilige Altar, der schon einmal in einem anderen Gotteshaus hing: Er stammt aus der Anfang des 19. Jahrhunderts abgerissenen Kirche des St. Johannis-Klosters in Lübeck und zeigt das Kreuz Jesu mit jeweils einer Frauenfigur an jeder Seite sowie mit allegorischen Figuren der Hoffnung und des Glaubens.

Und noch etwas macht St. Willehad hoch im Norden des Lauenburgischen besonders: Hier finden zwei- bis dreimal jährlich Gedenkgottesdienste für jene verstorbenen Menschen statt, die ihren Körper zu Forschungs- und Unterrichtszwecken der nahen Lübecker Universität zur Verfügung stellten. „Es sind immerhin um die 150 Körperspender pro Jahr“, berichtet Küster Peter Grobmeier. Ihre Urnen werden, oft lange nach ihrem Tod, neben der Groß Grönauer Kirche beigesetzt.

Erster Bischof in Bremen

Willehad , nach dem die Kirche in Groß Grönau benannt wurde, ist um 740 geboren worden, war erster Bischof in der Stadt Bremen und wirkte ab 770 als Missionar in Friesland und anderen Regionen Norddeutschlands. An Allerheiligen 789 weihte er den ersten Dom zu Bremen, starb aber schon wenige Tage danach. Willehad wurde zunächst in einer Grabkapelle am Dom bestattet. Später wurde ihm zu Ehren die Wilhadikapelle gebaut.

Erzbischof Ansgar ließ am 8. November 860 die sterblichen Überreste des zunehmend als Heiligen verehrten Willehad aus der Kapelle in den großen Bremer Dom umbetten. Dieser Tag wurde von Ansgar als Festtag des Heiligen bestimmt und gilt bis heute als kirchlicher Gedenktag. Erzbischof Ansgar beschrieb in 34 Fällen, dass an Willehads Grabe Blinde wieder sehend sowie Lahme, Taube und Stumme geheilt wurden.

Norbert Dreessen

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