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Lauenburg Schausteller setzen Hoffnung auf Mölln
Lokales Lauenburg Schausteller setzen Hoffnung auf Mölln
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22:25 31.10.2013
Der Anblick des bunten Karussells auf dem Möllner Jahrmarkt verzaubert die Besucher. Doch für die Schausteller ist es schwer geworden, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Quelle: Fotos: Jürgen Adamek / Lutz Rößler / Alessandra Röder
Mölln

Für Schausteller auf Rummel und Kirmes werden die Zeiten immer härter. Von den Einnahmen können sie gerade noch ihre Familien ernähren, doch die Zukunft ihrer Kinder und Enkel ist ungewiss. Fernsehen, Internet und die zahlreichen Freizeitangebote und Feste haben Jahrmärkte in den Hintergrund gedrängt und damit den Schaustellern ihre Lebensgrundlage genommen. Die maue Publikumsresonanz beim Ratzeburger Markt zeigt, dass die Schausteller Probleme haben, die Menschen für ihre kunterbunte Jahrmarktswelt zu begeistern. Jetzt hoffen sie auf den traditionell sehr gut besuchten Herbstmarkt in Mölln.

„Es wird auf jeden Fall immer schwerer für uns. Früher war das nicht so ein Kampf“, sagt Walter Schneider. Der 44-Jährige führt gemeinsam mit seiner Familie einen Crêpe-Stand. Er ist schon seit seiner Geburt Schausteller, genau wie sein Freund Lothar Belli (44). Bellis Karussell steht seit Jahren während des Möllner Herbstmarktes auf dem alten Marktplatz. Nostalgisch denken die beiden an die guten alten Zeiten zurück: „Als Kind war es traumhaft. Ich finde es heute immer noch gut, aber es ist ein schweres Los. Unsere Eltern hatten es einfacher“, sagt Schneider. Er selbst hat zwei Kinder, denen er nicht raten würde, als Schausteller zu arbeiten. Die Leute gäben heute nicht mehr soviel Geld auf dem Jahrmarkt aus, sondern mehr für andere Dinge, erklärt Lothar Belli. „Es müssen zwei Autos sein und zwei Urlaubsreisen im Jahr. Außerdem gehen die Leute eher in den Hansapark als auf den Jahrmarkt, obwohl das auch nicht billiger ist.“ Schneider fügt hinzu: „Früher reichte ein Stand, um die Familie zu ernähren, heute brauchen wir zwei oder drei Buden, um über die Runden zu kommen“.

Geschäftig sortiert Martina Vosz (53) die Preise für das Entchen-Angeln. „Ein Jahrmarkt ist kein Highlight mehr“, sagt die Schaustellerin. Denn das Freizeitvergnügen habe sich enorm vergrößert, viele Süßigkeiten seien keine Rarität mehr, sondern gebe es in jedem Laden zu kaufen. „Und das Geld sitzt nicht mehr so locker wie früher.“Auch für sie sei alles teurer geworden, sagt sie. „Die Energiekosten und vor allem das Tanken. Wir müssen in unserem Beruf ja sehr viel fahren.“ Trotz allem macht sich die Schaustellerin keine Gedanken über das Aufhören. „So denkt ein Schausteller nicht.

Wir sind meistens früh von der Schule abgegangen und waren unser Leben lang Schausteller“, sagt sie. Für sie gebe es keine Möglichkeit, etwas anderes zu machen, und das wolle sie auch gar nicht. „Wer das heute noch macht, der will das auch tun. Und solange wir zurechtkommen, machen wir das gerne“, sagt sie entschlossen. „Meine Mutter stand noch mit 88 Jahren im Wagen und hat Mandeln gebrannt“, sagt die Schaustellerin stolz. Sie selbst ist die sechste Generation der alten Schaustellerfamilie.

Heutzutage lernen die Schaustellerkinder auch einen anderen Beruf, zur Sicherheit. Viele bleiben trotzdem dabei, weil sie so aufgewachsen sind und sich ein anderes Leben oft nicht mehr vorstellen könne. Auch Martina Voszs Tochter Alexandra (22) will Schaustellerin sein. Das Geschäft bleibt eben in der Familie. Ingo Fahrenkrug (30) dagegen möchte, dass seine Tochter später zu Hause bleibt und „etwas Vernünftiges“ lernt.

Der Möllner Herbstmarkt ist ein Lichtblick für das fahrende Volk, er spült hoffentlich wieder Geld in ihre Kassen. „Der Jahrmarkt in Mölln ist ein Traditionsfest und in der Bevölkerung fest verankert“, sagt Holger Bock, Vorsitzender des Schaustellerverbandes. „Jeder kennt den traditionellen Termin und weiß, dass es am ersten Tag das Grünkohlessen gibt.“ Auch sein Kollege Wolfgang Lange ist begeistert vom Standort Mölln: „Die Möllner kommen gerne her. Einige kennen den Markt seit ihrer Kindheit und besuchen in jedem Jahr wieder. Wir werden hier sehr herzlich aufgenommen“, erzählt der 62-Jährige. „Die Sympathie für den Jahrmarkt ist in Mölln besonders groß“, sagt er stolz.

Alessandra Röder

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